Ängste

Ängste sind ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Die Angst ist ein Gefühl, das vermutlich jeder Mensch schon einmal erlebt hat - denn dieses Gefühl ist für uns (über-)lebenswichtig. Die Angst ist ein wichtiges Alarmsignal, mit dem unser Körper versucht, uns vor einer aktuellen oder drohenden Gefahrensituation zu warnen.

Wenn Menschen “keine Angst kennen”, kann dies schnell dazu führen, dass sie sich leichtsinnig in Situationen begeben, die für sie selbst oder andere gefährlich werden.

Die Angst kann jedoch auch zu einer Krankheit werden: Immer dann, wenn sich die Angstgefühle verselbstständigen und die Betroffenen durch die Ängste in ihrer Lebensqualität und in ihrem Alltag eingeschränkt werden, spricht man von einer so genannten Angststörung.

Auf dieser und den folgenden Seiten finden Sie ausführliche Informationen über Ängste und deren Behandlung für Betroffene und Angehörige.

Ergänzende Fachinformationen für Ärzte, Therapeuten und andere besonders Interessierte finden Sie darüber hinaus auf unserer Internetseite im Kapitel Angststörungen.

Das Gefühl der Angst

Ängste

Angst ist ein sehr wichtiges Gefühl, dass uns frühzeitig auf eine mögliche Bedrohung hinweisen soll, damit wir uns ausreichend vor dieser Bedrohung schützen können. Das Gefühl der Angst ist also zunächst ein wichtiger Schutzmechanismus unseres Körpers, der unsere Gesundheit und unser Überleben sichern soll.

Das Gefühl der Angst geht mit verschiedenen körperlichen und psychischen Veränderungen einher, wie z.B. Herzklopfen, Schwitzen, Übelkeit usw. Diese - eigentlich hilfreiche - Angst kann jedoch so stark zunehmen, dass daraus eine Krankheit entsteht.

Auf den folgenden Seiten finden Sie umfangreiche Informationen über Ängste und deren Behandlung für Betroffene und Angehörige.

Ergänzende Fachinformationen für Ärzte, Therapeuten und andere besonders Interessierte finden Sie darüber hinaus auf unserer Internetseite unter dem Thema Angststörungen.

Ängste, Angsterkrankungen oder Angststörungen?

Wie oben bereits erwähnt, kann sich aus der “normalen” Angst im Verlauf eine so genannte Angsterkrankung bzw. Angststörung entwickeln.

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   • Wann wird Angst zur Krankheit?

Es gibt sehr viele verschiedene Gruppen von Angsterkrankungen. Sehr häufig sind zum Beispiel die so genannten “Phobien”, bei denen die Betroffenen Ängste vor bestimmten Situationen oder Orten haben.

Viele Menschen kennen auch das Auftreten von andauernden Sorgen und Befürchtungen, die sich nicht nur auf einige wenige Situationen beziehen, sondern die sich auf fast alle Lebensbereiche beziehen. In diesem Fall spricht man von so genannten “Generalisierten Ängsten” beziehungsweise einer “Generalisierten Angststörung”.

Darüber hinaus gibt es verschiedene andere Erkrankungen, die mit dem Auftreten von Ängsten einhergehen können.

Um Ihnen einen besseren Überblick zu geben, finden Sie im folgenden eine Beschreibung der häufigsten Angsterkrankungen.

Agoraphobie (Platzangst)

Agoraphobie

Eine der häufigsten Angsterkrankungen ist die so genannte Agoraphobie (Platzangst). Bei der Platzangst haben die Betroffenen die große Sorge, dass sie in eine Situation geraten könnten, in welcher sie sich hilflos und ausgeliefert erleben könnten. Viele Betroffene haben deswegen zum Beispiel Angst, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen. Daher kommt auch der Name “Platzangst”, also die Angst davor, sich auf öffentlichen Plätzen aufzuhalten.

Im medizinischen Sprachgebrauch bezeichnet man diejenigen Ängste bzw. Angsterkrankungen als Agoraphobie, bei denen insbesondere eine Angst vor dem Verlassen des Hauses, vor Reisen oder vor dem Betreten von öffentlichen Orten wie z.B. Plätzen oder Kaufhäusern im Vordergrund steht. Im Hintergrund steht dabei, wie oben bereits erwähnt, bei vielen Erkrankten eine große Angst, in der Öffentlichkeit hilflos zu werden und dadurch anderen Menschen ausgeliefert zu sein oder keine Kontrolle mehr über sich selbst und über die Situation zu haben.

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   • Agoraphobie (Platzangst)

Panikattacken / Panikstörung

Die Agoraphobie wird häufig von mehr oder weniger stark ausgeprägten Panikattacken begleitet. Während einer Panikattacke leiden die Betroffenen unter ausgeprägten körperlichen Beschwerden, wie z.B. Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Übelkeit, Beklemmungsgefühl usw., ohne dass es eine körperliche Erkrankung geben würde, welche diese Beschwerden erklären könnte. Wenn die Panikattacken wiederholt auftreten und die Betroffenen sehr belasten und einschränken, spricht man von einer so genannten Panikstörung.

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   • Panikattacken

Soziale Ängste

Soziale Ängste

Soziale Ängste sind ebenfalls ein sehr häufiges Phänomen. Wenn diese Ängste so stark ausgeprägt sind, dass die Betroffenen dadurch schwer belastet sind und sie wichtige Aufgaben des Alltags - wie z.B. Einkaufen, am Schulunterricht teilnehmen usw. - wegen der Ängste nicht mehr oder nur mit Einschränkungen durchführen können, spricht man von einer so genannten Sozialen Phobie.

Die Soziale Phobie ist geprägt durch eine überhöhte Angst vor sozialen Situationen und vor dem Kontakt zu anderen Menschen. Sie äußert sich zum Beispiel durch Ängste, vor anderen Menschen zu sprechen oder durch übermäßige Sorgen, unangenehm aufzufallen.

Auch die Ängst vor dem Erröten oder die erhöhte Selbstbeobachtung in sozialen Situationen sind typische Merkmale der Sozialen Ängste.

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   • Soziale Ängste

Spezifische Phobien

Ängste, die ausschließlich auf bestimmte Situationen oder Objekte ausgerichtet sind - wie zum Beispiel die Angst vor Spinnen, die Höhenangst (Akrophobie), die Flugangst, die Angst vor dem Eingeschlossen sein (Klaustrophobie), die Angst vor Hunden usw. - bezeichnet man als so genannte Spezifische Phobien.

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   • Spezifische Phobie

Spinnenangst

Spinnenangst

Die Spinnenangst stellt dabei eine gewisse Besonderheit unter den Ängsten dar. Zum einen ist sie sehr weit verbreitet und betrifft in ihren leichteren Formen einen Großteil der Bevölkerung. Zum anderen kommt es bei der Spinnenangst neben den eigentlichen Ängsten sehr häufig auch zum Auftreten von ausgeprägten Ekel-Gefühlen - welche von vielen Betroffenen als deutlich schlimmer und belastender erlebt werden, als die eigentliche “Angst”.

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   • Spinnenangst

Höhenangst

Auch bei der Höhenangst tritt neben der eigentlichen Angst noch ein weiteres Phänomen auf, nämlich der so genannte Höhenschwindel. Der Höhenschwindel geht dabei sogar zumeist der Angst voraus und wirkt dann oftmals als Auslöser für eine Angstattacke.

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   • Hoehenangst

Klaustrophobie

Klaustrophobie

Die Klaustrophobie ist eine Angsterkrankung, bei der die Betroffenen unter einer ausgeprägten Angst vor geschlossenen Räumen leiden. Diese Ängste treten häufig zum Beispiel beim Aufzugfahren, in Tunnels oder Höhlen sowie beim Bahn- oder U-Bahn-Fahren auf.

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   • Klaustrophobie

Generalisierte Angststörung

Generalisierte Angststörung

Einige Menschen kennen Ängste, die andauernd oder immer wieder auftreten, und die sich nicht nur auf bestimmte Situationen beziehen, sondern auf die unterschiedlichsten Befürchtungen. In diesem Fall kann es sein, dass die Betroffenen unter einer so genannten Generalisierten Angststörung leiden.

Bei dieser Form der Ängste überwiegt ein andauerndes Grübeln und Gedankenkreisen, bei dem sich “der Kopf” ständig mit neuen Sorgen und möglichen “Bedrohungen” beschäfigt, und immer wieder die verschiedensten “Katastrophenszenarien” durchdenkt, ohne dass er einmal längerfristig zu Ruhe kommen kann.

Diese generalisierten Ängste werden sehr häufig auch von einer starken inneren Unruhe und einer deutlich erhöhten Anspannung begleitet.

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   • Generalisierte Angststörung

Angst und Depression

Das ständige Grübeln, welches wir oben bereits bei der Generalisierten Angststörung kennen gelernt haben, kann auch im Rahmen einer Depression auftreten. Ängste und Depressionen treten sehr häufig auch gemeinsam auf, was dann dazu führen kann, dass sie sich gegenseitig verstärken.

Da dieses gemeinsame Auftreten von Ängsten und Depressionen wie bereits gesagt doch relativ häufig ist, gibt es in den entsprechenden Diagnoseverzeichnissen, wie zum Beispiel der ICD-10, sogar extra eine spezielle Unterkategorie für dieses Krankheitsbild, die so genannte Angst und depressive Störung, gemischt (ICD-10 F41.2).

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   • Depressionen

Angst bei Zwängen

Eine weitere Erkrankung, die mit ausgeprägten Ängsten und ständigem Grübeln einhergehen kann, ist die so genannte Zwangsstörung. Die Zwänge werden dabei unterteilt in Zwangshandlungen und Zwangsgedanken. Typische Zwangshandlungen sind zum Beispiel der Waschzwang oder der Kontrollzwang.

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   • Zwänge
   • Zwangsstörungen

Angst vor Krankheiten

Die Angst vor Krankheiten kann für die Betroffenen sehr belastend werden. Neben der ständigen Sorge, an einer schweren Erkrankung zu leiden, werden die Betroffenen oftmals durch häufige Arztbesuche, bei denen keine Erklärung für ihre Beschwerden gefunden wird, immer wieder frustriert.

Bei den Ängsten vor Krankheiten wird unterschieden in Erkrankungen, bei denen bei den Betroffenen vorrangig an einer immer wieder kehrenden Krankheitsangst leiden, und Erkrankungen, bei denen die Betroffenen unter verschiedensten körperlichen Beschwerden leiden, für die keine organische Ursache gefunden werden konnte.

Im ersten Fall, wenn also andauernde Ängste vor Krankheiten im Vordergrund stehen, spricht man von einer so genannten Hypochondrischen Störung.

Falls die Betroffenen unter den körperlichen Krankheitssymptomen ohne erklärbare organische Ursache leiden, spricht man demgegenüber von einer Somatoformen Störung. Die Somatoformen Störungen können bei den Erkrankten wiederum zum Auftreten von Sorgen und Ängsten führen.

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   • Hypochondrische Störung
   • Somatoforme Störungen

Was sind die häufigsten Ängste?

Zu den häufigsten Ängsten gehören die Phobien, wie zum Beispiel die Agoraphobie (Platzangst) oder die Sozialen Ängste, die Panikattacken sowie die Generalisierte Angststörung.

Liste der häufigsten Ängste
Tab.1: Liste der häufigsten Ängste

Warum habe gerade ich Ängste?

“Warum gerade ich...?” Diese Frage haben sich vermutlich alle Menschen, die unter gesteigerten Ängsten leiden, schon einmal gestellt. Leider neigen viele Betroffene dann dazu, bei sich selbst nach einer “Schuld” zu suchen - “Was habe ich falsch gemacht?”, “Was habe ich getan...?”

Eine gesundes Nachdenken über die möglichen Ursachen der Ängste ist natürlich sinnvoll, immer mit dem Ziel, nach einem Ausweg aus der Angstspirale zu suchen. Aber vielleicht kennen Sie dieses Phänomen auch, welches viele Betroffene erleben: Je schlechter meine Stimmung, um so mehr suche ich die Ursache für meine Ängste in einem eigenen “Versagen”...

Letzteres führt ganz schnell in einen Teufelskreis: Ich habe Ängste, meine Stimmung ist niedergeschlagen, ich suche die “Schuld” dafür bei mir, werde noch unsicherer und hilfloser, erlebe eine noch größere Bedrohung durch meine Ängste, werde noch niedergeschlagener usw. usw. usw.

Diese Angstspirale kann sich leider nahezu endlos fortsetzen, denn die Betroffenen erleben eine immer größere Verunsicherung und eine zunehmende Verschlechterung ihrer Stimmungslage. Die Ängste nehmen entsprechend immer mehr zu, die Betroffenen ziehen sich zunehmend zurück, haben dann erst recht Zeit zum Grübeln, und die ganze Spirale dreht sich weiter nach unten.

Die Angstspirale lässt sich zum Glück aber auch umdrehen - nur dafür muss am Anfang jeder Betroffene sich selbst die Erlaubnis geben, dass die Ängste weder etwas mit persönlicher Schuld noch mit eigenem Versagen zu tun haben. Übersteigerte Ängste sind ein Phänomen, dass sehr viele Menschen kennen, und bei dem es sich um eine “echte” Krankheit handelt. Eine Krankheit, die behandelt werden kann, und die auch wieder verschwinden kann.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es ist natürlich sehr wichtig, nach den Ursachen für die Ängste zu suchen. Und sicherlich wird auch jeder Mensch, der unten Ängsten leidet, bestimmte Punkte finden, an denen er die Verantwortung für eine wenig hilfreiche Verhaltensweise oder für eine abwertende Denkweise übernehmen muss. Aber Verantwortung übernehmen ist etwas völlig anderes, als sich für etwas die Schuld zu geben.

Wenn ich herausgefunden habe, wodurch meine Ängste ausgelöst werden, und ich für den Teilbereich, den ich selbst beeinflussen kann, die Verantwortung übernehme, dann kann ich daraus viel Energie gewinnen. Energie die ich brauche, um Veränderungen herbeizuführen. Energie die mich weiter bringen kann, und die mir mein “altes” Leben vor den Ängsten zurück bringen kann. Oder besser noch: Energie die es mir erlaubt, ein besseres, zufriedeneres Leben als früher zu führen.

Schuldgefühle dagegen lähmen mich. Die Suche nach eigenem Versagen führt schnell in Mißmut, Hilflosigkeit und Depressionen. Und alle Energie, die ich so dringend bräuchte, um mich aus den Ängsten zu befreien, wird von den Schuldgefühlen aufgebraucht und überdeckt.

Also zusammengefasst: Verantwortung ist wichtig und hilfreich, Schuldgefühle dagegen lähmen und behindern mich.

Wie werden Ängste behandelt?

Es gibt zwei wesentliche Bausteine in der Behandlung von Ängsten, und zwar die Psychotherapie und die medikamentöse Behandlung. In der psychotherapeutischen Behandlung von Angsterkrankungen hat sich dabei insbesondere die kognitiv-behaviorale Therapie, auch “Verhaltenstherapie” genannt, etabliert. Darüber hinaus gibt es verschiedene Medikamente, die in der Behandlung von Angsterkrankungen eingesetzt werden können. Hierzu gehören zum Beispiel bestimmte Antidepressiva, die neben dem antidepressiven Effekt auch eine angstmindernde Wirkung zeigen können.

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   • Wie werden Ängste behandelt?

Was ist ein Expositionstraining?

Expositionstraining

Das Expositionstraining ist eine sehr wichtige Behandlungsmethode in der Therapie der Ängste und Phobien. Im Expositionstraining, auch Expositionstherapie oder Konfrontationstherapie genannt, lernen die Patientinnen und Patienten, wie sie sich wieder in Situationen begeben können, die bei ihnen Ängste auslösen, und wie sie diese Ängste zunehmend reduzieren können.

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   • Was ist ein Expositionstraining?