Welche Medikamente können bei Agoraphobie (“Platzangst”) helfen?

Zur Behandlung der Agoraphobie (“Platzangst”) können neben der Psychotherapie auch bestimmte Medikamente eingesetzt werden. Dabei kommen insbesondere Medikamente aus der Gruppe der so genannten Antidepressiva zum Einsatz, da sich diese in der Behandlung der Agoraphobie / Platzangst besonders bewährt haben.

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)

Als Medikamente der ersten Wahl werden in den aktuellen Therapie-Leitlinien die so genannten Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Citalopram, Escitalopram, Paroxetin und Sertralin sowie der Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) Venlafaxin empfohlen. Als Alternative kann zum Beispiel auch das trizyklische Antidepressivum Clomipramin eingesetzt werden.

Was muss ich bei der Einnahme der Medikamente beachten?

Neben den in den Beipackzetteln beschriebenen Wechsel- und Nebenwirkungen, auf die wir an dieser Stelle nicht weiter eingehen wollen, müssen bei der Einnahme der oben genannten Medikamente zwei ganz wichtige Punkte beachtet werden:

Wirkung

Alle oben genannte Medikamente sollen dem Körper helfen, sich langsam wieder von den Ängsten / Panikattacken weg zu bewegen und zunehmend angstfreier zu werden. Die Medikamente sollen aber nicht den ganzen Körper von heute auf morgen “umprogrammieren” - das ist leider unmöglich und wäre wohl auch nur mit zu vielen Nebenwirkungen zu erkaufen.

Also: Das Ziel dieser Medikamente ist eine allmähliche Umstellung des Körpers auf ein angstfreieres Leben - und dies braucht seine Zeit. Einige Menschen bemerken bereits nach einigen Tagen eine leichte Besserung durch die Medikamente, aber die eigentliche Wirkung setzt zumeist erst nach drei bis acht Wochen ein.

Dies führt leider dazu, dass viele Menschen die Medikamente nach einigen Tagen der Einnahme wieder weglassen, weil sie scheinbar nicht wirken. Deswegen beachten Sie bitte: Die Medikamente brauchen einige Zeit, bis die Wirkung einsetzt. Es sind keine “Hämmer”, die den Kopf betäuben sollen, sondern Medikamente, die einem einen angstfreieren Alltag ermöglichen sollen, ohne dass sie einen in den Alltagsaktivitäten zu sehr einschränken.

Anfängliche Nebenwirkungen

Einige der oben genannten Medikamente haben in der ersten Tagen der Einnahme die Nebenwirkung, dass sie unruhiger und sensibler machen können. Diese Nebenwirkung bessert sich zumeist nach den ersten Tagen der Einnahme - führt aber leider dazu, dass einige Menschen die Medikamente nach der ersten Einnahme nicht mehr weiternehmen, “weil sie meine Ängste noch stärker machen.”

Deswegen beachten Sie bitte: Diese anfängliche Verstärkung der Unruhe kann vorkommen, ist “ganz normal” und bessert sich zumeist nach einigen Tagen wieder. Um diesen Effekt zu umgehen bzw. zu reduzieren, ist es oftmals hilfreich, die Medikamente nicht gleich in der vollen Dosis sondern langsam einschleichend zu nehmen. Besprechen Sie diese Möglichkeit bitte mit Ihrem behandelnden Arzt.

Benzodiazepine

Viele Patienten erhalten zu Beginn ihrer Erkrankung zunächst stärkere Beruhigungsmittel, so genannte Benzodiazepine “zur Beruhigung” verschrieben. Benzodiazepine bewirken zwar in der einzelnen Panikattacke eine kurzfristige Besserung, langfristig bestehen jedoch diverse Probleme wie Gewöhnungs- und Abhängigkeitseffekte. Viele Patienten entwickeln aufgrund der schnellen Wirkung der Benzodiazepine im Verlauf eine psychische Abhängigkeit und trauen sich nur noch aus dem Haus, wenn sie “ihre Tablette” dabei haben. Dies läuft jedoch allen psychotherapeutischen Ansätzen welche die Selbstwirksamkeit der Patienten steigern wollen konträr. Der Einsatz von Benzodiazepinen sollte deswegen - wenn überhaupt - möglichst nur wenige Wochen andauern.

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