Angststörungen

Das Gefühl der Angst ist für uns (über-)lebenswichtig, denn die Angst ist ein wichtiges Alarmsignal, mit dem unser Körper versucht, uns vor einer akuten oder bevorstehenden Gefahrensituation zu warnen. Menschen, die zu wenig oder gar keine Angst verspüren, sind in der großen Gefahr, dass sie sich oder andere in bedrohliche Situationen bringen, die sie nicht bewältigen können.

Wenn sich die Angstgefühle immer mehr verselbstständigen kann die Angst jedoch auch zu einer Krankheit werden, man spricht dann von einer so genannten Angststörung.

Auf den folgenden Seiten finden Sie ausführliche Informationen über Epidemiologie, Diagnose, Ursachen, Verlauf und Therapie der Angststörungen.

Informationen für Betroffene und Angehörige finden Sie darüber hinaus auf unserer Internetseite im Kapitel “Ängste”.

Bei den Angststörungen unterscheidet man in die Phobien und die so genannten frei flottierenden Ängsten. Als Phobie bezeichnet man Angststörungen, bei denen die Angst auf ganz bestimmte Situationen oder Auslöser gerichtet ist. Beispiele für Phobien sind zum Beispiel die Agoraphobie und die Soziale Phobie, sowie die Spezifischen Phobien wie die Höhenangst oder die Flugangst.

Von den Phobien unterschieden werden die so genannten frei flottierenden Ängste. Bei diesen Angststörungen treten die Ängste spontan, ohne bestimmte Auslöser auf. Zu den frei flottierenden Ängsten gehören z.B. die Generalisierte Angststörung sowie die Panikstörung.

Angststörungen: Epidemiologie

Die Angststörungen gehören mit einer Lebenszeitprävalenz von ca. 10 bis 15 Prozent zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Die Punktprävalenz aller Angststörungen gemeinsam liegt bei ca. 7%. Die Phobien treten dabei als häufigste Angststörung auf, mit einer Lebenszeitprävalenz der spezifischen Phobie von ca. 9%, der Agoraphobie von ca. 5%, der generalisierten Angststörung von ca. 5%, der Panikstörung von ca. 3% und der soziale Phobie von ca. 2%.

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Angststörungen: Risikofakoren

Je nach Störungsbild gibt es teilweise einen deutlichen Geschlechterunterschied in der Auftretenshäufigkeit der Angststörungen. Von der sozialen Phobie sind Männer und Frauen ungefähr zu gleichem Maße betroffen, von der Agoraphobie sind demgegenüber zu ca. 80-90% Frauen betroffen.

Das Lebensalter hat ebenfalls einen Einfluss auf das Auftreten von Angststörungen. Spezifische Phobien beginne häufig bereits in Kindheit, Soziale Phobien entwickeln sich oft in der Pubertät, Panikstörungen und Agoraphobien treten oftmals erst zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr erstmalig auf. Die Generalisierte Angststörungen hat zwei Häufigkeitsgipfel in der späten Jugend sowie um das 40. Lebensjahr.

Angststörungen: Diagnose

Die Diagnose einer Angststörung erfolgt üblicherweise in mehreren Schritten. Zunächst werden die bei den Betroffenen bestehenden Symptome erfasst. Danach erfolgt einerseits eine Zuordnung zu einer oder mehrerer Untergruppen der Angststörungen. Wie oben bereits beschrieben, werden die Angststörungen je nach dem vorherrschenden Beschwerdebild in verschiedene Untergruppen unterteilt. Ein wichtiges Kriterium ist dabei, ob sich die Angst auf bestimmte Objekte oder Situationen bezieht, oder ob es sich um eher generalisierte Ängste handelt, die unabhängig von bestimmten Situationen auftreten.

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Da Ängste und Angstsymptome neben den eigentlichen Angststörungen auch bei einer sehr großen Bandbreite an körperlichen und psychischen Erkrankungen auftreten kann, empfiehlt sich am Behandlungsbeginn immer ein sehr ausführlicher differenzialdiagnostischer Prozess.

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Angststörungen: Klassifikation

Klassifikation nach ICD-10, DSM-IV und DSM-5

Die Diagnosesysteme ICD-10, DSM-IV und DSM-5 haben eine zum Teil unterschiedliche Klassifikation der Angststörungen, insbesondere in Bezug auf die Klassifikation der Agoraphobie und der Panikstörung.

Eine ausführliche Übersicht finden Sie unter Angststörungen: Klassifikation.

Angststörungen: Diagnosekriterien nach DSM-5

Das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders der American Psychiatric Association (APA) gilt nach wie vor als eine der wichtigsten Publikationen im Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie. Im Mai 2013 wurde die erste komplette Revision des Manuals seit 1994 veröffentlicht, das DSM-5.

Im Gegensatz zum DSM-IV werden die Zwangsstörungen und die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) im DSM-5 nicht mehr unter den Angststörungen aufgeführt sondern in jeweils eigenständigen Kapiteln.

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   • Zwangsstörungen - DSM-5
   • Posttraumatische Belastungsstörung - DSM-5

Panikstörung und Agoraphobie

Als wichtigste Veränderung in der Diagnose Angststörungen sind im DSM-5 die Diagnosen Panikstörung und Agoraphobie nicht mehr miteinander verbunden. Die früheren Diagnosen “Panikstörung mit Agoraphobie”, “Panikstörung ohne Agoraphobie” und “Agoraphobie ohne Panikstörung in der Vorgeschichte” wurden ersetzt durch die jeweils getrennte Diagnose einer Panikstörung bzw. einer Agoraphobie mit jeweils eigenen Diagnoseschlüsseln.

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   • Agoraphobie - DSM-5
   • Panikstörung - DSM-5

Panikattacken

Bezüglich der Panikattacken wurden im DSM-5 die verschiedenen Subtypen aus dem DSM-IV gestrichen und nur noch in unerwartete und erwartete Panikattacken unterschieden.

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   • Panikstörung - DSM-5

Spezifische Phobien, Soziale Phobie

In der Diagnose der Spezifische Phobien und der Soziale Phobie wurde im DSM-5 das Kriterium, dass Betroffene erkennen müssen, dass die Ängste übertrieben oder unbegründet sind, gestrichen.

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   • Soziale Phobie - DSM-5

Trennungsangst

Die pathologische Trennungsangst (engl. Separation Anxiety Disorder) wird im DSM-5 nicht mehr im Kapitel der “Störungen, die gewöhnlich zuerst im Kindes- und Jugendalter diagnostiziert werden”, sondern unter den Angststörungen aufgelistet.

DSM-5 - Angststörungen: Kapitelübersicht

Das Kapitel der Angststörungen (Anxiety Disorders) umfasst im DSM-5 die folgenden Störungsbilder:

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   • Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5)

Angststörungen: Testverfahren

Übersicht

Es gibt verschiedene Testverfahren zur Diagnose und Verlaufskontrolle der Angststörungen. Neben der Durchführung von störungsübergreifenden Testinstrumenten wie z.B. dem Strukturierten klinischen Interview für DSM-IV (SKID-I) und dem Diagnostischen Interview bei psychischen Störungen (DIPS) gibt es speziellen störungsspezifischen Testverfahren wie z.B. das Beck-Angst-Inventar (BAI).

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Beck-Angst-Inventar (BAI)

Das Beck-Angst-Inventar (BAI), in der deutschen Bearbeitung von J. Margraf und A. Ehlers, ist seit 2007 in Verwendung.

Das Beck-Angst-Inventar ist ein Selbstbeurteilungsverfahren, bei dem 21 deskriptive Aussagen zu Angstsymptomen auf einer vierstufigen Skala hinsichtlich der Schwere des Auftretens in den letzten 7 Tagen zu bewerten sind.

Das Beck-Angst-Inventar kann zu Diagnostik und Differentialdiagnostik von Angststörungen sowie zur Beurteilung des Therapieverlaufs eingesetzt werden.

Der kombinierte Einsatz des Beck-Angst-Inventars und des Beck-Depressions-Inventars (BDI-II) ermöglicht eine Differenzierung zwischen Angststörungen und Depressionen.

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Angststörungen: Komorbidität

Die einzelnen Angststörungen habe eine hohe Rate der Komorbidität mit anderen Angststörungen. Ungefähr 50% der Erkrankten leiden nicht nur unter einer Angststörung sondern unter mehreren Ängsten.

Darüber hinaus besteht eine hohe Komorbidität mit Affektiven Störungen, insbesondere Depressiven Störungen, sowie mit Substanzmißbrauch.

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Angststörungen: Differenzialdiagnose

Die Differenzialdiagnose der Angststörungen und Panikattacken umfasst diverse psychische und körperliche Erkrankungen:

Psychische Erkrankungen

Körperliche Erkrankungen

Organmedizinische Zusatzdiagnostik

Beim erstmaligen Auftreten einer Angststörung sollten aufgrund der differenzialdiagnostisch möglichen körperlichen Erkrankungen eine ergänzende organmedizinische Diagnostik durchgeführt mit u.a.:

Darüber hinaus können je nach Verdachtsdiagnose weitere Untersuchungen wie z.B. Langzeit- und Belastungs-EKG, Drogenscreening, HIV-Test oder Vestibulometrie etc. sinnvoll bzw. erforderlich sein.

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Ursachen und Störungsmodelle

Es gibt verschiedene Psychologische bzw. Psychotherapeutischen Modelle und Theorien zur Ätiologie und Pathogenese der Angststörungen. Darüber hinaus wurden verschiedene genetische und neurobiologische Faktoren beschrieben, die für die Entstehung und Aufrechterhaltung der Ängste eine Rolle spielen könnten.

Weiterlesen: Angststörungen: Ursachen

Psychoanalytische bzw. psychodynamische Modelle

Zu den psychoanalytischen bzw. psychodynamischen Modellen der Angststörungen gehören u.a. die

Kognitive und behaviorale Modelle

Zu den kognitiven und behavioralen Modellen der Angststörungen gehören u.a. die:

Integrative Modelle

Darüber hinaus gibt es verschiedene integrative Erklärungsmodelle, wie z.B. das Diathese-Stress-Modell, auch Vulnerabilitäts-Stress-Modell genannt, oder das Actor-critic Modell.

Genetische Faktoren

Bezüglich der Bedeutung genetischer und familiärer Faktoren in der Entstehung und Aufrechterhaltung von Angststörungen wurden verschiedene Studien durchgeführt.

Eineiige Zwillinge scheinen eine erhöhte Konkordanz bezüglich des Auftretens von Panikstörungen oder Phobien zu haben. Es besteht deswegen die Vermutung, dass dabei auch ein genetischer Einfluss eine Rolle spielen kann. Ein bestimmtes Gen, das für das Auftreten einer Angsterkrankung verantwortlich sein könnte, wurde jedoch noch nicht identifiziert. Vermutlich hat auch - wenn überhaupt - nicht nur ein einzelnes Gen einen Einfluss auf die Angstsymptomatik sondern ein komplexes System mehrerer zusammen wirkender Gene.

Soweit bekannt ist, haben die Angehörigen ersten Grades von Betroffenen mit einer Panikstörung oder einer Phobie ein im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung etwas erhöhtes Risiko, selbst an einer Panikstörung bzw. Phobie zu erkranken.

Neurobiologische Modelle

Es gibt verschiedene Untersuchungen zu den neurobiologischen Mechanismen bei der Entstehung von Angststörungen, wobei ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Hirnregionen angenommen wird. Soweit bekannt, sind insbesondere der Hirnstamm, das limbische System (u.a. Amygdala u. Hippocampus) sowie der Kortex an der Angstreaktion beteiligt.

Weiterlesen: Angststörungen: Neurobiologie

Angststörungen: Verlauf

Die Angststörungen haben ohne spezifische Therapie einen ungünstigen Verlauf. Die Rate der Spontanremissionen liegt für die Angststörungen bei nur ca. 20%. Unter adäquater, multimodaler Therapie zeigen sich deutlich verbesserte Remissionsraten.

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Angststörungen: Therapie

Die Therapie einer Angststörung richtet sich nach dem vorliegenden Symptomenkomplex und dem Ausprägungsgrad der Symptomatik.

Die wesentlichen Elemente der Therapie sind dabei die Psychotherapie und die Behandlung mit Medikamenten.

Die Übersicht zur Therapie der Angststörungen finden Sie im jeweiligen Kapitel der Störungsbilder.

Weiterlesen:
   • Angststörungen: Therapie
   • Agoraphobie: Therapie
   • Panikstörung: Therapie
   • Soziale Phobie: Therapie
   • Generalisierte Angststörung: Therapie