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Anpassungsstörung

Die Anpassungsstörung ist eine Erkrankung, die während oder nach belastenden Lebenserfahrungen, wie zum Beispiel schweren Erkrankungen, Trauerfällen, Arbeitsplatzveränderungen, finanziellen Schwierigkeiten, Partnerschaftsproblemen oder ähnlichem entwickeln kann.
 

Was ist eine Anpassungsstörung?

Der etwas ungünstige Name “Anpassungsstörung” kann leider leicht missverstanden werden. Wir haben in unserer klinischen Tätigkeit wiederholt Patientinnen und Patienten erlebt, die sich sehr betroffen oder verärgert bei uns gemeldet haben, weil ihnen ihr Arzt eine ”Anpassungsstörung” diagnostiziert habe.

Die Verärgerung trat dabei meistens auf, weil die Betroffenen befürchteten, ihr Arzt würde ihnen “eine gestörte Anpassung”, “fehlende Anpassungsfähigkeit” oder etwas ähnliches vorwerfen.

Der Name Anpassungsstörung soll dabei etwas anderes ausdrücken: Wie oben bereits beschrieben, tritt diese Erkrankung während oder nach belastenden Lebensereignissen auf - also in der Phase, in der man sich an diese veränderten Lebensumstände anpassen muss.

Wie Sie vielleicht aus Ihrer eigenen Erfahrung kennen, ist dieser Anpassungsprozess aber oftmals mit großen Hürden verbunden: Wie reagiere ich auf den Verlust eines geliebten Angehörigen? Wie gehe ich mit der Diagnose einer chronischen Erkrankung und mit den Folgen dieser Erkrankung um? Wie kann ich eine plötzliche Arbeitslosigkeit oder den Übergang ins Rentenalter bewältigen?
 

Hilflosigkeit

Diese und ähnliche Fragen stellen sich immer wieder nach größeren Veränderungen im Leben. Und genau an dieser Stelle kommen wir an einen entscheidenden Punkt: Habe ich den Eindruck, dass ich diese Veränderungen bewältigen kann? Oder fühle ich mich ausgeliefert, hilflos, voller Sorgen in Bezug auf die Zukunft?

Diese letzten Fragen sind so wichtig, da sie einen entscheidenden Einfluss darauf haben, wie gut oder schlecht ich diese Veränderung in meinem Leben bewältigen kann.

Sie kennen diesen Bericht einer Betroffenen vielleicht auch ähnlich aus Ihrer eigenen Erfahrung:

“Eigentlich bin ich jemand, der Stress und Belastungen sehr gut wegstecken kann. Ich habe in meinem Leben schon ein paar Mal kämpfen müssen, aber bisher habe ich immer wieder alles regeln können. Bergab ist es erst gegangen, als meine Mutter gestorben ist. Plötzlich ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Und gerade in dieser Zeit habe ich einen riesigen Stress bei der Arbeit gehabt, meine Kollegin war krank, nichts ging mehr. Ich bin dann irgendwann bei der Arbeit zusammengeklappt, mir war alles zuviel...”
(Andrea, 34 J.)

Zurück zu unseren Fragen von oben: Der entscheidende Unterschied, wie gut oder schlecht ich mit einer Veränderung in meinem Leben zurecht komme, ist zumeist die Frage, ob ich die Veränderungen beeinflussen und kontrollieren kann, oder ob ich mich ihnen hilflos ausgeliefert sehe.
 

Eustress oder Disstress?

Genau an dieser Stelle kippt der Effekt, den Belastungen und Stress auf mich haben:

So lange ich das Gefühl habe, dass ich den Belastungen gewachsen bin, kann ich vieles aushalten. Es kann sogar dazu kommen, dass mich die Herausforderungen in meinen Kräften wachsen lassen - der so genannte Eustress, sie kennen ihn vielleicht.

Ganz anders wird es, wenn der Punkt kommt, an dem ich merke, dass mir die Kontrolle entgleitet. Sobald sich Gefühle von Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein einstellen wandelt sich der Eustress zum Disstress - im Englischen “distress”, also “Not”, “Bedrängnis”, “Elend”...

Dieses Gefühl des Ausgeliefertseins, des Kontrollverlusts führt bei fast jedem Menschen dazu, dass sich jetzt auch die Stimmungslage verändert. Wo vorher vielleicht noch Gefühle von Herausforderung und Ehrgeiz waren, kommen jetzt Gefühle von Hoffnungslosigkeit und Depressivität.

Die Anpassungsstörung ist dabei sozusagen die “kleine Schwester” der Depression. Also, ein leider etwas schwacher Trost: Zum Glück sind die Probleme noch nicht so weit fortgeschritten, dass die Ärzte von einer Depression reden würden.

Und trotzdem: Die ersten Symptome einer Anpassungsstörung sind ähnlich: Depressive Verstimmungen, Sorgen, Ängste,...

Nun zum - zumindest teilweise - Guten: Die Symptome der Anpassungsstörung halten zumeist nicht länger als sechs Monate an.

... ... ... Ein halbes Jahr mit diesen Beschwerden???

...

Bevor wir nach Wegen suchen, wie sich dieser Zeitraum abkürzen lässt, noch einmal zurück zu unserer anfänglichen Frage:

Was ist eine Anpassungsstörung?

Also: Eine Anpassungsstörung ist eine Erkrankung, die sich während schwierigen Anpassungsprozessen im Leben beziehungsweise nach belastenden Ereignissen einstellen kann. Die Symptome ähneln einer Depression, sind aber nicht so stark ausgeprägt wie bei einer Depressiven Störung. Die Beeinträchtigungen halten zumeist nicht länger als 6 Monate an, es besteht aber die Gefahr, dass die Anpassungsstörung unbehandelt zum Beispiel in eine depressive Episode übergehen kann.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

ICD-10 F43.2

Was bedeutet die Diagnose F43.2? Die medizinischen Diagnosen werden zur Vereinheitlichung oftmals nach der so genannten International Classification of Diseases (ICD-10) codiert.

Der Diagnoseschlüssel F43.2 steht dabei für die Anpassungsstörung.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Anpassungsstörung - Welche Therapie?

Wie oben schon beschrieben hat die Anpassungsstörung wenigsten einen halbwegs positiven Aspekt: Sie bildet sich zumeist spätestens ein halbes Jahr nach den belastenden Veränderungen wieder zurück.

Wann und warum sollte ich mir Gedanken über ein Therapie machen?

Entsprechend stellt sich die Frage: Wann sollte ich mir Gedanken über therapeutische Hilfen machen? Sobald ich merke, dass mich die Beschwerden stark in meinem Alltag einschränken. Sobald ich merke, dass die Beschwerden auch nach Monaten nicht besser werden, sondern eher zunehmen.

An diesem Punkt sollte die Erlaubnis kommen, sich zunächst einmal an den Hausarzt zu wenden, um über die Probleme zu reden - sofern ich eine Hausarzt habe, der auch mal einfach zuhört.

Der nächste Schritt ist die Überlegung, sich wegen der Behandlung einmal an einen Psychotherapeuten zu wenden - also an einen Psychologen oder psychotherapeutisch tätigen Arzt.

Doch Halt! Muss ich gleich eine Therapie beantragen...?

Psychotherapeutische Gespräche

Die Antwort ist “Nein”. Was leider viel zu oft übersehen wird: Sie haben zum Beispiel als Mitglied der Gesetzlichen Krankenkassen den Anspruch darauf, bei einer entsprechenden Notwendigkeit in jedem Quartal die Kosten für 150 Minuten so genannter psychotherapeutischer Gespräche erstattet zu bekommen - ohne dass ein Antrag bei der Krankenkasse gestellt werden muss, und ohne dass eine längerfristige Therapie geplant werden muss.

Und gerade diese psychotherapeutischen Gespräche können schon einmal eine große Hilfe und ein wichtiger Schritt in der Behandlung der Anpassungsstörung sein. 150 Minuten hört sich vielleicht erst einmal nicht viel an - aber trotzdem können diese Minuten eine wertvolle Hilfe bei dem Weg aus der Anpassungsstörung sein.

Und wenn ich merke, dass mir die Gespräche mit dem Psychotherapeuten bzw. der Psychotherapeutin gut tun, dann kann ich im Verlauf immer noch entscheiden, ob ich bei meiner Krankenkasse einen Antrag auf eine längerfristige Therapie stellen will.

Die Adressen von Therapeuten mit freien Therapieplätzen können Sie übrigens zumeist über die Kassenärztliche Vereinigung Ihres Bundeslandes erfragen.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Medikamente

Brauch ich bei einer Anpassungsstörung Medikamente?

Die Antwort auf die Frage, ob ich bei einer Anpassungsstörung Medikamente brauche, ist wie so oft ein klares “Jein!”.

Die Entscheidung für oder gegen Medikamente richtet sich wieder danach, wie stark ich mich durch die Beschwerden im Alltag eingeschränkt fühle.

So lange die Symptome der Anpassungsstörung gut zu bewältigen sind und im Lauf der Zeit - vielleicht auch mit Hilfe durch einen Psychotherapeuten - wieder weniger werden, kann zumeist auf Medikamente verzichtet werden.

Aber sobald ich merke, dass die Beschwerden trotz aller Bemühungen nicht besser werden, wäre es gut, mit meinem Arzt auch über die Möglichkeiten einer medikamentösen Behandlung der Anpassungsstörung zu reden.

Zum Einsatz kommen dabei zumeist Medikamente aus der Gruppe der so genannten Antidepressiva, da diese die besten Erfolge in Bezug auf Stimmung, Verbesserung der Antriebslosigkeit und Schlafstörungen, Verminderung des Grübelns und der Zukunftssorgen haben.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Zum Weiterlesen...

 

“Posttraumatische Belastungsstörung”
 

Posttraumatische Belastungsstörung (Ehlers)

“Posttraumatische Belastungsstörung” von Anke Ehlers ist eines der meistgelesenen deutschsprachigen Fachbücher zum Thema PTSD. Das Buch ist insbesondere für alle Ärzte und Psychologen in der Facharzt- bzw. Psychotherapie-Ausbildung geeignet, da es einerseits die wichtigsten theoretischen Grundlagen zum Thema PTSD zusammenfasst und darüber hinaus ein Behandlungsmanual für die Traumatherapie vorstellt.
 

Weiterlesen:
“Posttraumatische Belastungsstörung (Ehlers)” - Buchrezension

Dieses Buch im Online-Buchhandel: Amazon.de   Buch.de   Bücher.de


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Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 




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Letzte Aktualisierung: Freitag, 25. März 2016
 

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