Bipolare Störungen: Pharmakotherapie

In der medikamentösen Behandlung der Bipolaren Störungen wird in die

unterschieden.

Therapie der akuten Manie

Zur medikamentösen Therapie der akuten Manie werden von der International Society for Bipolar Disorders (ISBD)

als Medikamente der ersten Wahl empfohlen (vgl. Yatham 2009).

Bezüglich der atypischen Neuroleptika konnte eine antimanische Wirkung in den bisher durchgeführten Studien für

nachgewiesen werden.

Auch für Clozapin gibt es Hinweise auf eine antimanische Wirkung bei jedoch noch unzureichender Studienlage.

Neben der Monotherapie mit einem atypischen Neurolpetikum wird alternativ auch die Kombinationsbehandlung mit Lithium bzw. Valproinsäure in Kombination mit Quetiapin, Risperidon oder Olanzapin als mögliche Therapie empfohlen.

Rezidiv- bzw. Phasenprophylaxe

Für die Rezidiv- bzw. Phasenprophylaxe werden unter anderen die

Monotherapie mit

sowie die Kombinationsbehandlung mit

als Medikation der ersten Wahl empfohlen (vgl. Ansari 2010, Yatham 2009).

In der Kombinationstherapie muss beachtet werden, dass sich die Wirkstoffe in Bezug auf Nebenwirkungen und Plasmaspiegel beeinflussen.

Für die bipolaren Störungen mit Rapid Cycling besteht die Vermutung, dass die Therapie mit Antikonvulsiva der Behandlung mit Lithium überlegen ist, die Studienlage ist jedoch noch gering.

Es gibt Hinweise, dass die Behandlung mit Lithium oder Antikonvulsiva das Risiko für Suizidversuche bei Patienten mit bipolarer affektiver Störung senken kann (vgl. Gibbons 2009, Goodwin 2003).

Falls die Erkrankten unter ausgeprägten depressiven Symptomen leiden, kann gegebenenfalls zusätzlich die Kombination mit einem Antidepressivum sinnvoll sein. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass es durch die Antidepressiva-Gabe zu einem so genannten Switch-Effekt kommen kann.

Switch-Effekt

Manche Antidepressiva können einen Wechsel von einer depressiven in eine (hypo-)manische Phase auslösen, dies wird als Switch-Effekt bezeichnet.

Behandlungsalgorithmus

Ansari et al. empfehlen folgenden Behandlungsalgorithmus für die medikamentöse Therapie der bipolaren Störung:

  1. Vor Beginn der medikamentösen Behandlung sollte zunächst geklärt werden, ob eine dringende Indikation für eine Elektrokonvulsionstherapie besteht.

  2. Falls die Elektrokonvulsionstherapie nicht indiziert ist und der Patient psychotische Symptome zeigt, sollten antypsychotisch wirkende Medikamenten ein Teil der Behadlungsregimes sein.

  3. Falls der Patient zur Zeit noch nicht mit Mood Stabilizern behandelt wird, scheint die Gabe von Lithium gegenüber anderen Mood Stabilizern leicht vorteilhaft.

  4. Falls die Behandlung mit Lithium nicht erfolgreich ist oder wegen Nebenwirkungen nicht vertragen wird, sollte eine Behandlung mit Quetiapin oder Lamotrigin begonnen werden.

  5. Wenn der Patient gegenwärtig bereits andere Mood Stabilizer als Lithium einnimmt, sollte deren Dosis überprüft und optimiert werden, und gegebenenfalls ein Wechsel zu oder Ergänzung mit Lithium, Quetiapin oder Lamotrigin überlegt werden.

  6. Im nächsten Schritt kann - wenn das Risiko einer Destabilisierung der Stimmungslage nicht zu hoch ist und Versuche mit Lithium, Quetiapin und Lamotrigin nicht erfolgreich waren - bei Patienten mit bipolarer Depression gegebenenfalls ein Antidepressivum ergänzt werden.

  7. Patienten mit Rapid Cycling benötigen eventuell eine Kombinationstherapie mit zwei oder drei Mood Stabilizern.

  8. Bei therapierefraktärer Bipolarer Störung sollte neben anderen medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten auch an die Elektrokonvulsionstherapie als Behandlungsoption gedacht werden.

(vgl. Ansari 2010)

Suizidalität

In den USA wurden vor einigen Jahren Bedenken geäußert, dass bestimmte Antikonvulsiva zu einer erhöhten Suizidalität führen könnten. Folgeuntersuchungen zeigten jedoch keine Hinweise auf ein erhöhtes Suizidrisiko bei Patienten mit Bipolarer Störung unter Therapie mit Antikonvulsiva. Vielmehr wurde ein Rückgang der Suizidrate durch die Behandlung mit Antikonvulsiva beschrieben (vgl. Gibbons 2009).