Klinische Psychologie
und Psychotherapie

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Bipolare Störungen: Pharmakotherapie

Bei der medikamentösen Behandlung der bipolaren affektiven Störungen wird in die

  • Behandlung der akuten Manie sowie in die
  • Rezidiv- bzw. Phasenprophylaxe

unterschieden.
 

Therapie der akuten Manie

Zur medikamentösen Therapie der akuten Manie werden von der International Society for Bipolar Disorders (ISBD)

  • Lithium,
  • Valproinsäure oder
  • atypische Neuroleptika

als Medikamente der ersten Wahl empfohlen (vgl. Yatham 2009).

Bezüglich der atypischen Neuroleptika konnte eine antimanische Wirkung in den bisher durchgeführten Studien  für

  • Aripiprazol,
  • Olanzapin,
  • Quetiapin,
  • Risperidon sowie
  • Ziprasidon

nachgewiesen werden.

Auch für Clozapin gibt es Hinweise auf eine antimanische Wirkung bei jedoch noch unzureichender Studienlage.

Neben der Monotherapie mit einem atypischen Neurolpetikum wird alternativ auch die Kombinationsbehandlung mit Lithium bzw. Valproinsäure in Kombination mit Quetiapin, Risperidon oder Olanzapin als mögliche Therapie empfohlen.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

Rezidiv- bzw. Phasenprophylaxe

Für die Rezidiv- bzw. Phasenprophylaxe werden unter anderen die

  • Monotherapie mit
    • Lithium,
    • Lamotrigin,
    • Valproinsäure,
    • Quetiapin oder
    • Olanzapin sowie die
       
  • Kombinationsbehandlung mit
    • Olanzapin und SSRI,
    • Lithium und SSRI,
    • Lithium und Bupropion,
    • Valproinsäure und SSRI oder
    • Valproinsäure und Bupropion

als Medikation der ersten Wahl empfohlen (vgl. Ansari 2010, Yatham 2009).

In der Kombinationstherapie muss beachtet werden, dass sich die Wirkstoffe in Bezug auf Nebenwirkungen und Plasmaspiegel beeinflussen.

Für die bipolaren Störungen mit Rapid Cycling besteht die Vermutung, dass die Therapie mit Antikonvulsiva der Behandlung mit Lithium überlegen ist, die Studienlage ist jedoch noch gering.

Es gibt Hinweise, dass die Behandlung mit Lithium oder Antikonvulsiva das Risiko für Suizidversuche bei Patienten mit bipolarer affektiver Störung senken kann (vgl. Gibbons 2009, Goodwin 2003).

Falls die Erkrankten unter ausgeprägten depressiven Symptomen leiden, kann gegebenenfalls zusätzlich die Kombination mit einem Antidepressivum sinnvoll sein. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass es durch die Antidepressiva-Gabe zu einem Switch-Effekt kommen kann.

Switch-Effekt

Manche Antidepressiva können einen Wechsel von einer depressiven in eine (hypo-)manische Phase auslösen, dies wird als Switch-Effekt bezeichnet.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Behandlungsalgorithmus

Ansari et al. empfehlen folgenden Behandlungsalgorithmus für die medikamentöse Therapie der bipolaren Störung:

  1. Vor Beginn der medikamentösen Behandlung sollte zunächst geklärt werden, ob eine dringende Indikation für eine Elektrokonvulsionstherapie besteht.
  2. Falls die Elektrokonvulsionstherapie nicht indiziert ist und der Patient psychotische Symptome zeigt, sollten antypsychotisch wirkende Medikamenten ein Teil der Behadlungsregimes sein.
  3. Falls der Patient zur Zeit noch nicht mit Mood Stabilizern behandelt wird, scheint die Gabe von Lithium gegenüber anderen Mood Stabilizern leicht vorteilhaft.
  4. Falls die Behandlung mit Lithium nicht erfolgreich ist oder wegen Nebenwirkungen nicht vertragen wird, sollte eine Behandlung mit Quetiapin oder Lamotrigin begonnen werden.
  5. Wenn der Patient gegenwärtig bereits andere Mood Stabilizer als Lithium einnimmt, sollte deren Dosis überprüft und optimiert werden, und gegebenenfalls ein Wechsel zu oder Ergänzung mit Lithium, Quetiapin oder Lamotrigin überlegt werden.
  6. Im nächsten Schritt kann - wenn das Risiko einer Destabilisierung der Stimmungslage nicht zu hoch ist und Versuche mit Lithium, Quetiapin und Lamotrigin nicht erfolgreich waren - bei Patienten mit bipolarer Depression gegebenenfalls ein Antidepressivum ergänzt werden.
  7. Patienten mit Rapid Cycling benötigen eventuell eine Kombinationstherapie mit zwei oder drei Mood Stabilizern.
  8. Bei therapierefraktärer Bipolarer Störung sollte neben anderen medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten auch an die Elektrokonvulsionstherapie als Behandlungsoption gedacht werden.

(vgl. Ansari 2010)

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Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Suizidalität

In den USA wurden vor einigen Jahren Bedenken geäußert, dass bestimmte Antikonvulsiva zu einer erhöhten Suizidalität führen könnten. Folgeuntersuchungen zeigten jedoch keine Hinweise auf ein erhöhtes Suizidrisiko bei Patienten mit Bipolarer Störung unter Therapie mit Antikonvulsiva. Vielmehr wurde ein Rückgang der Suizidrate durch die Behandlung mit Antikonvulsiva beschrieben (vgl. Gibbons 2009).

 

Für weitere Informationen zu den oben beschriebenen Medikamenten beachten Sie bitte unbedingt die aktuellen Informationen der Hersteller sowie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!
Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der oben aufgeführten Informationen kann keine Haftung übernommen werden.

Bitte beachten Sie auch unsere Rechtlichen Hinweise sowie die
Hinweise zum Umgang mit medizinischen Informationen!

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com

 

Zum Weiterlesen...

 

“Kompendium der
Psychiatrischen Pharmakotherapie”
 

Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie

Seit der ersten Auflage gehört das “Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie” von Otto Benkert et al. zu den Standardwerken, wenn es um Psychopharmaka und die Pharmakotherapie psychischer Störungen geht. Die regelmäßigen Aktualisierungen tragen dazu bei, dass dieses Buch auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung ist. Sowohl für Studierende der Medizin und Psychologie als auch für alle, die beruflich in den Bereichen Psychiatrie und Psychotherapie tätig sind, können wir das “Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie” uneingeschränkt empfehlen.
 

Weiterlesen:
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Literatur

Bipolare Störungen: Leitlinien
 

- - - -

 

Bipolare Störungen: Pharmakotherapie

Ansari A, Osser DN (2010). The psychopharmacology algorithm project at the Harvard South Shore Program: an update on bipolar depression. Harv Rev Psychiatry 18(1): 36-55.
Abstract >>

Gibbons RD, Hur K, Brown CH, Mann JJ (2009). Relationship between antiepileptic drugs and suicide attempts in patients with bipolar disorder. Arch Gen Psychiatry; 66(12): 1354-60.
Abstract >>
Full text (pdf) >>

Goodwin FK, Fireman B, Simon GE, Hunkeler EM, Lee J, Revicki D (2003). Suicide risk in bipolar disorder during treatment with lithium and divalproex. JAMA; 290(11): 1467-73.
Full text >>

Greil W, Ludwig-Mayerhofer W, Erazo N, Schöchlin C, Schmidt S, Engel RR, Czernik A, Giedke H, Müller-Oerlinghausen B, Osterheider M, Rudolf GA, Sauer H, Tegeler J, Wetterling T (1997). Lithium versus carbamazepine in the maintenance treatment of bipolar disorders - a randomised study. J Affect Disord; 43(2): 151-61.
Abstract >>

Yatham LN, Kennedy SH, Schaffer A, Parikh SV, Beaulieu S et al.(2009). Canadian Network for Mood and Anxiety Treatments (CANMAT) and International Society for Bipolar Disorders (ISBD) collaborative update of CANMAT guidelines for the management of patients with bipolar disorder: update 2009. Bipolar Disord; 11(3): 225-55.
Abstract >>

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 




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Letzte Aktualisierung: Donnerstag, 24. März 2016
 

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