Klinische Psychologie
und Psychotherapie

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Depressive Störungen:
Diagnose nach DSM-IV

Major Depression

Für die Diagnose einer Major Depression (DSM-IV 296.xx) müssen nach dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV) von den folgenden Symptome (1 - 9) mindestens 5 für eine Perioden von mindestens zwei Wochen angedauert haben, darunter müssen auch die Symptome 1 oder 2 gewesen sein. Alle Symptome müssen sich auf die selbe Zwei-Wochen-Periode beziehen. Jedes Symptom muss eine Änderung gegenüber früher sein. Die Symptome dürfen nicht eindeutig durch einen körperlichen Krankheitsfaktor, stimmungskongruenten Wahn oder Halluzinationen bedingt sein. Alle Symptome (mit Ausnahme von Punkt 9) müssen fast täglich bestehen:

  1. Depressive Verstimmung fast den ganzen Tag.
     
  2. Interesse oder Freude an allen oder fast allen Aktivitäten fast den ganzen Tag deutlich vermindert.
     
  3. Appetit vermindert oder gesteigert oder deutlicher Gewichtsverlust ohne Diät oder Gewichtszunahme (>5%/Monat).
     
  4. Schlaflosigkeit oder vermehrter Schlaf.
     
  5. Durch andere beobachtbare psychomotorische Unruhe oder Verlangsamung.
     
  6. Müdigkeit oder Energieverlust.
     
  7. Gefühle von Wertlosigkeit oder unangemessene Schuldgefühle (nicht nur Selbstvorwürfe oder Schuldgefühle wegen der Krankheit).
     
  8. Verminderte Denk- oder Konzentrationsfähigkeit oder verminderte Entscheidungsfähigkeit.
     
  9. Wiederkehrende Gedanken an den Tod (nicht nur Angst vor dem Sterben), wiederkehrende Suizidvorstellungen, genaue Planung eines Suizids oder tatsächlicher Suizidversuch.
     

Die folgenden Kriterien müssen ebenfalls erfüllt sein:

  • In der Vorgeschichte bestanden keine manischen, gemischten oder hypomanen Episoden. (Bei der gemischten Episode bestehen fast täglich und mindestens eine Woche lang sowohl die depressive Symptomatik wie auch Symptome einer manischen Episode.)
     
  • Die Symptome werden nicht besser als Einfache Trauer erklärt. (Bei der Einfachen Trauer entwickeln sich die Symptome nach den Tod einer geliebten Person für maximal zwei Monate und es fehlen die deutliche Funktionsbeeinträchtigung, Wertlosigkeitsvorstellungen, Suizidgedanken und psychotische Symptome.)
     
  • Die Symptome treten nicht im Verlauf einer chronischen psychotischen Störung auf. Die Symptome werden nicht besser durch eine schizoaffektive Störung erklärt.
     
  • Die Symptome bestehen nicht aufgrund der direkten körperlichen Wirkung einer Substanz (wie z.B. Medikamente oder Drogen) oder aufgrund eines körperlichen Krankheitsfaktors.
     
  • Die Symptome verursachen in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.
     

Die Major Depression wird weiterhin differenziert in eine

  • Einzelne Episode - DSM-IV 296.2x
    (bei einer einzigen bzw. ersten Episode einer Major Depression.) oder eine
     
  • Rezidivierende Major Depression - DSM-IV 296.3x
    (bei zwei oder mehreren Episoden. Damit depressive Phasen als getrennte Episoden gewertet werden können, dürfen in einem Intervall von mindestens zwei Monate keine Symptome bestanden haben, welche die Kriterien für eine Major Depression erfüllen würden.)
     

Der Schweregrad der Major Depression wird unterteilt in

  • Leicht ausgeprägt (296.x1)
  • Mittelschwer ausgeprägt (296.x2)
  • Schwer ausgeprägt ohne psychotische Merkmale (296.x3)
  • Schwer ausgeprägt mit psychotischen Merkmale (296.x4)
  • Teilremittiert (296.x5)
  • Vollremittiert (296.x6)
  • Unspezifisch (296.x0)

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

Die besondere Prüfungsfrage...

Vorsicht, Falle!

In welchen Ausnahmefällen darf nach DSM-IV doch eine Major Depression diagnostiziert werden, auch wenn in der Vorgeschichte Symptome ähnlich einer manischen, gemischten oder hypomanen Episoden bestanden haben?

Antwort: Wenn alle Symptome, die im Vorfeld einer manischen, gemischten oder hypomanen Episode ähnlich  waren, substanz- oder behandlungsinduziert waren, oder die Symptome die direkte Folge eines medizinischen Krankheitsfaktors waren.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Zum Weiterlesen...

 

“Kognitive Verhaltenstherapie bei Depressionen”
 

Kognitive Verhaltenstherapie bei Depressionen

Prof. Dr. Martin Hautzinger erläutert in Kognitive Verhaltenstherapie bei Depressionen die Hintergründe der psychotherapeutischen Interventionen und die entsprechende praktische Umsetzung. Dargestellt werden unter anderem die Strukturierung der Behandlung, die therapeutischen Grundlagen zur Verhaltensaktivierung und zur Veränderung von dysfunktionalen Kognitonen, der Umgang mit Krisen sowie die Behandlung von chronischen Depressionen. Ergänzt wird das Buch durch Online-Materialien.
 

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Literatur

Depressive Störungen: DSM-IV
 

Saß H, Wittchen HU, Zaudig M, Houben I (Hrsg) (2003). Diagnostische Kriterien DSM-IV-TR. Göttingen, Bern: Hogrefe.
Dieses Buch bei Amazon.de >>

 

Depressive Störungen: Leitlinien
 

American Psychiatric Association - APA (2010). Practice Guideline for the treatment of patients with major depressive disorder. 3rd edition. Arlington: APPI.

DGPPN, BÄK, KBV, AWMF, AkdÄ, BPtK, BApK, DAGSHG, DEGAM, DGPM, DGPs, DGRW (Hrsg) für die Leitliniengruppe Unipolare Depression (2009). S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression - Kurzfassung, 1. Auflage. Berlin, Düsseldorf: DGPPN, ÄZQ, AWMF.
Online-Version >>

National Institute for Health an Clinical Excellence - NICE (Hrsg) (2009). Depression - The treatment and management of depression in adults. Clinical guideline 90. London: NICE.
Online-Version >>

National Institute for Health an Clinical Excellence - NICE (2003). Guidance on the use of electroconvulsive therapy. Technology Appraisal Guideline 59. London: NICE.
Online-Version >>

 


© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 




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Letzte Aktualisierung: Donnerstag, 24. März 2016
 

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