Klinische Psychologie
und Psychotherapie

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Depressive Störungen: Symptome

Eine Depression kann sich durch verschiedene Symptome äußern. Diese müssen nicht unbedingt nur ”seelisch” sein, vielmehr können auch verschiedene körperliche Symptome wie z.B. Appetitlosigkeit, Schlafstörungen usw. mit einer Depression einhergehen.

Gedrückte Stimmung

Die Betroffenen leiden unter einer Veränderung ihrer Stimmungslage mit ausgeprägter Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit. Hinzu kommt häufig ein Gefühl der Gefühllosigkeit und der inneren Leere. Ihre Stimmung hellt sich häufig auch durch Ereignisse, die eigentlich Freude bereiten könnten, nicht auf. Die Stimmungslage kann im Tagesverlauf schwanken. Viele Betroffene erleben ein ausgeprägtes Morgentief ihrer Stimmungslage mit leichter Besserung im Tagesverlauf. Gelegentlich tritt auch ein Abendtief auf.

Freudlosigkeit, Interessenlosigkeit, sozialer Rückzug

Viele Betroffen leiden unter einer ausgeprägten Freud- und Interessenlosigkeit. Diese geht häufig mit einem sozialen Rückzug einher, der Kontakt zu Angehörigen und Freunden kann zunehmend abbrechen. Dies kann schnell in eine Teufelskreis führen, da die Betroffenen durch ihren Rückzug immer weniger Möglichkeiten haben, freudvolle Dinge zu erleben. Da die Verwandten und Bekannte oft mit Unsicherheit, Ohnmacht oder Unverständnis auf den Rückzug reagieren, kann es passieren, dass die Betroffenen zunehmend isoliert werden. Dieser Verlust an Lebensfreude wird auch “Anhedonie” genannt.

Erhöhte Ermüdbarkeit

Die Betroffenen leiden häufig unter einer vermehrten Ermüdbarkeit und fühlen sich nur wenig belastbar. Sie haben oft große Schwierigkeiten, ihre Tagesstruktur aufrecht zu halten und große Probleme bei der Erledigung von Alltagstätigkeiten wie z.B. Haushaltsarbeiten, Körperpflege oder Einkaufen gehen. Auch in der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit können die Betroffenen erheblich eingeschränkt sein.

Konzentrationsstörungen und verminderte Aufmerksamkeit

Oft merken die Betroffenen als für sie sehr beunruhigende Symptome, dass sie sich viel schlechter konzentrieren können als früher, dass sie viel vergesslicher geworden sind und dass sie es kaum noch schaffen z.B. ein Buch zu lesen. Viele Betroffene fürchten dann, unter einer beginnenden Demenz („Alzheimer“) zu leiden. Diese Sorge kann natürlich ihrerseits die Depression weiter verstärken. Die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen sind aber eine typische Symptomatik der depressiven Phasen.

Gedrückte Stimmung

Die Betroffenen leiden unter einer Veränderung ihrer Stimmungslage mit ausgeprägter Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit. Hinzu kommt häufig ein Gefühl der Gefühllosigkeit und der inneren Leere. Ihre Stimmung hellt sich häufig auch durch Ereignisse, die eigentlich Freude bereiten könnten, nicht auf. Die Stimmungslage kann im Tagesverlauf schwanken. Viele Betroffene erleben ein ausgeprägtes Morgentief ihrer Stimmungslage mit leichter Besserung im Tagesverlauf. Gelegentlich tritt auch ein Abendtief auf.

Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen

Das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen der Betroffenen leidet häufig sehr. Viele Betroffene erleben sich als wertlos und „nur eine Belastung für alle anderen“. Ihre sozialen Aktivitäten können sich durch das verminderte Selbstvertrauen weiter reduzieren. Es fällt ihnen häufig schwer, eigene Stärken anzuerkennen, stattdessen überwiegt ein Abwerten der eigenen Leistungen („das ist doch selbstverständlich“, „das könnte doch jeder“). Im Gespräch mit anderen versuchen viele Betroffene, den Blickkontakt zu vermeiden. Viele Betroffene leiden auch unter übermäßigen Schuldgefühlen.

 

Negative und pessimistische Zukunftsperspektive

Die Zukunft erscheint den Betroffenen zumeist ausweglos und düster. Es besteht häufig die Befürchtung, dass sich alle Probleme in Zukunft noch ausweiten werden. Auch die Vergangenheit wird häufig verzerrt wahrgenommen und anders bewertet als noch vor der depressiven Phase.

 

Psychomotische Hemmung und Antriebslosigkeit

Die Betroffenen haben oftmals eine starre Mimik und reduzierte Gestik, sie erscheinen in ihren Bewegungen verlangsamt, man spricht diesbezüglich von einer “psychomotorischen Hemmung”. Auch ihre Aussprache kann deutlich verlangsamt und leise sein. Ihr Antrieb ist zumeist vermindert, sie fühlen sich schwach und antriebslos. Die Verlangsamung kann sich bis hin zu einem so genannten depressiven “Stupor” steigern. Dann kann es in Einzelfällen geschehen, das die Betroffenen selbst die Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme nicht mehr eigenständig bewältigen können, woraus sich schnell ein lebensbedrohlicher Zustand entwickeln kann.

 

Agitiertheit

Einige Betroffenen fühlen sich trotz der psychomotorischen Gehemmtheit innerlich sehr unruhig. Hieraus kann sich eine ausgeprägte Agitiertheit entwickeln bei der die Betroffenen bestimmte Bewegungsmuster (wie z.B. ständiges Auf- und Ablaufen oder Kopfschütteln) andauernd wiederholen müssen und bei der sie gedanklich und sprachlich an den immer gleichen Themen haften bleiben. Die Betroffenen leiden zumeist massiv unter dieser Agitiertheit. Auch für ihr Umfeld stellt diese Symptomatik häufig eine große Belastung dar, denn die Betroffenen wirken nach außen oft „jammernd“ und „klagend“. Ihr wirkliches Leiden kann dabei leider schnell übersehen werden.

 

Suizidgedanken, Selbstverletzungen, Suizidhandlungen

Eine große Zahl der Betroffenen kennt (im wahrsten Sinne des Wortes) „des-Lebens-müde“-Phasen mit Gedanken wie „Es wäre besser, wenn ich morgen nicht wieder aufwache...“. Viele Betroffene kennen den Wunsch, ihre belastenden Gefühle und Gedanken sowie die körperlichen Einschränkungen endlich nicht mehr aushalten zu müssen. Viele Betroffene verschweigen ihre lebensmüden Gedanken gegenüber den Angehörigen und den Therapeuten, unter anderem da sie sich für diese Gedanken schämen, aus der Sorge die Angehörigen nicht belasten zu wollen oder aus Angst, „für verrückt erklärt zu werden“. Hierdurch kann eine rechtzeitige Unterstützung manches Mal nicht in dem erforderlichen Umfang erfolgen. Wichtig für die Betroffenen ist zu verstehen, dass die lebensmüden Gedanken zu den Symptomen einer Depression gehören und dass eine Unterstützung auch in diesen Phasen möglich ist. Neben dem entwickeln eines „Notfallkoffers“ für schwere depressive Phasen und der entsprechenden Vermittlung von Anlaufstellen für Notfälle gehört auch gerade die Einbindung der nächsten Angehörigen und Bekannten mit zu dem wichtigen Umgang mit den „Lebens-müden“ Gedanken.

 

Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit

Die meisten Betroffenen leiden unter mehr oder weniger ausgeprägten Schlafstörungen. Auffällig ist insbesondere eine Veränderung der sogenannten REM-Phasen des Nachtschlafes. Bei vielen Depressiven ist die erste REM-Phase des Nachtschlafes nach vorne verlagert und verlängert. Auch findet sich häufig eine gesteigerte REM-Intensität mit einer eröhten Augenbewegungsdichte. Neben Ein- und Durchschlafstörungen und nächtlichem Grübeln kann es auch zu einem morgendlichen Früherwachen kommen. Der verbleibende Schlaf wird häufig als wenig erholsam erlebt. Dazu gesellt sich häufig eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit.

 

Körperliche Beschwerden

Bei ca. jedem zehnten Betroffenen stehen nicht die Stimmungstiefs sondern („unerklärliche“) körperliche Beschwerden im Vordergrund der Symptomatik. Dies können vegetative Beschwerden sein wie z.B. Herzbeschwerden, Kreislaufprobleme, Schwindel, Zittern, Übelkeit oder Verdauungsbeschwerden, oder auch chronische Schmerzen. Es kann dabei sein, dass vorbestehende körperliche Beschwerden durch die Depression verstärkt werden und vermehrt wahrgenommen werden. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass das Gehirn alleine die körperlichen Beschwerden „erzeugt“, ohne dass eine körperliche Ursache gefunden werden kann. (Für weitere Informationen siehe auch die Kapitel „Chronische Schmerzstörung“ und „Somatoforme Störungen“.) Bei Frauen kann es aufgrund der hormonellen Veränderungen im Rahmen der Depression zusätzlich zu Unregelmäßigkeiten im Menstruationszyklus kommen.

 

Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust, Frustessen

Viele Betroffene leiden unter Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Häufig kann es auch zu Frustessen kommen. Das Frustessen kann wieder schnell in einen Teufelskreis führen in dem die Betroffenen aufgrund ihrer gedrückten Stimmung versuchen, das Essen als Befriedigung einzusetzen und dann aber danach zusätzlich darüber frustriert sind, „unnötige Kalorien“ zu sich genommen zu haben - was dann wiederum schnell zu einer Enttäuschung über sich selbst, einem weiter vermindertem Selbstwertgefühl und zu einer weiteren Verschlechterung der Stimmungslage und Verstärkung der depressiven Symptomatik führen kann.

 

Sexuelle Unlust

Die Depressionen verursachen häufig auch sexuelle Unlust und Libidoverlust. Dies kann sowohl das Selbstwertgefühl der Betroffenen weiter verschlechtern sowie auch in der Partnerschaft zu Konflikten und Missverständnissen führen, insbesondere wenn die Partnerschaft aufgrund der Erkrankung und deren Auswirkungen bereits vorbelastet ist.

 

Psychotische Symptome

In sehr schweren depressiven Phasen kann es zusätzlich zum Auftreten von psychotischen Symptomen kommen. Dies können Verkennungen der Realität wie z.B. Halluzinationen oder Wahnvorstellungen sein. Die Angehörigen werden dabei oft vor große Probleme gestellt, da sie einerseits die Veränderung der Betroffenen merken, letztere aber aufgrund ihrer Realitätsverkennung jegliche Hilfe ablehnen. Psychotische Symptome machen jedoch eine sofortige intensive ärztliche und therapeutische Behandlung unbedingt erforderlich.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Zum Weiterlesen...

 

“Kognitive Verhaltenstherapie bei Depressionen”
 

Kognitive Verhaltenstherapie bei Depressionen

Prof. Dr. Martin Hautzinger erläutert in Kognitive Verhaltenstherapie bei Depressionen die Hintergründe der psychotherapeutischen Interventionen und die entsprechende praktische Umsetzung. Dargestellt werden unter anderem die Strukturierung der Behandlung, die therapeutischen Grundlagen zur Verhaltensaktivierung und zur Veränderung von dysfunktionalen Kognitonen, der Umgang mit Krisen sowie die Behandlung von chronischen Depressionen. Ergänzt wird das Buch durch Online-Materialien.
 

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Literatur

Depressive Störungen: Fachbücher
 

American Psychiatric Association (2013). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5). Arlington: American Psychiatric Publishing.
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Depressive Störungen: Leitlinien
 

American Psychiatric Association - APA (2010). Practice Guideline for the treatment of patients with major depressive disorder. 3rd edition. Arlington: APPI.

DGPPN, BÄK, KBV, AWMF, AkdÄ, BPtK, BApK, DAGSHG, DEGAM, DGPM, DGPs, DGRW (Hrsg) für die Leitliniengruppe Unipolare Depression (2009). S3-Leitlinie/Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression - Kurzfassung, 1. Auflage. Berlin, Düsseldorf: DGPPN, ÄZQ, AWMF.
Online-Version >>

National Institute for Health an Clinical Excellence - NICE (Hrsg) (2009). Depression - The treatment and management of depression in adults. Clinical guideline 90. London: NICE.
Online-Version >>

National Institute for Health an Clinical Excellence - NICE (2003). Guidance on the use of electroconvulsive therapy. Technology Appraisal Guideline 59. London: NICE.
Online-Version >>

 


© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 




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Letzte Aktualisierung: Donnerstag, 24. März 2016
 

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