“Der Zwang in meiner Nähe”

von Michael Rufer und Susanne Fricke

2. Auflage 2016,  192 Seiten, ISBN: 978-3456855561, ca. 19,95

Michael Rufer und Susanne Fricke haben mit “Der Zwang in meiner Nähe - Rat und Hilfe für Angehörige von zwangskranken Menschen” ein Buch speziell für Angehörige geschrieben, dass durch eine sehr ausführliche und dennoch klare Textgestaltung sowie durch ein sehr ausgewogenes Gleichgewicht zwischen umfangreichen Informationen und praxisnahe Hilfen imponiert.

Der Zwang in meiner Nähe

Bemerkenswert ist, dass die Autoren in ihrem Buch neben wissenschaftlichen Informationen und Checklisten auch viel Raum für praktische Tipps und konkrete Übungen bzw. Hilfestellungen gefunden haben.

Auch spezielle Themen wie z.B. “Wann ist eine Therapie eigentlich notwendig?”, “Den Betroffenen unterstützen, nicht den Zwang”, “Mitarbeit bei konkreten Übungen gegen den Zwang”, “Ihre Mitarbeit während der Expositionsübungen”, “Was haben Eltern falsch gemacht...?” - und vieles mehr - werden ausführlich und verständlich erläutert.

Das Buch gliedert sich in die folgenden Abschnitte:

  • Kapitel 1: Informationen zur Zwangsstörung
  • Kapitel 2: Wie Zwangsstörungen entstehen und warum sie nicht mit der Zeit von alleine wieder weggehen
  • Kapitel 3: Selbsthilfe- und Therapiemöglichkeiten für Menschen mit Zwangsstörungen
  • Kapitel 4: Wie können Sie dem Betroffenen helfen?
  • Kapitel 5: Was können Sie für sich selbst tun?
  • Kapitel 6: Zwänge bei Kindern und Jugendlichen
  • Kapitel 7: Antworten auf häufige Fragen von Angehörigen
  • Kapitel 8: Literatur und hilfreiche Adressen

Buchrückseite:

“Zwangserkrankungen wirken sich erheblich auf das Umfeld der Betroffenen aus. Dieses Buch füllt eine Lücke in der vorhandenen Literatur zu Zwangsstörungen: Es wendet sich ausdrücklich an Familienangehörige, Partner, Freunde, Arbeitskollegen und andere Menschen, die einem Zwangskranken nahe stehen.

Diese sind oft alleine gelassen mit ihren Fragen: Wie kann ich dem Betroffenen am besten helfen? Wie kann ich seine zwanghaften Verhaltensweisen verstehen? Wie kann ich mich abgrenzen und was mache ich dann mit meinem schlechten Gewissen? Wann ist eine professionelle Therapie notwendig? Soll ich einmal mit zu seinem Therapeuten gehen? Und was mache ich, wenn er sich nicht helfen lassen will, keine Behandlung aufsucht? Inzwischen halte ich es selber kaum noch aus, was kann ich tun?

Diese und viele andere häufig gestellte Fragen werden von den Autoren, die beide jahrelange Erfahrung in der Beratung von Angehörigen und Therapie von Zwangserkrankungen haben, aufgegriffen und verständlich beantwortet. (...) Die Autoren ermutigen Angehörige auch dazu, sich nicht nur um den Zwangskranken, sondern auch um sich selber zu kümmern - um auf diese Weise zu einem hilfreichen Verbündeten gegen den Zwang zu werden, ohne selbst aus dem Gleichgewicht zu geraten. (1. Aufl.)”


Aus dem Inhalt:

“Besonders wenn ein Betroffener schon lange unter den Zwängen leidet, so hat sich oft die Mithilfe von Angehörigen schon automatisiert: übertriebenes Putzen und Aufräumen oder keine Freunde mehr nach Hause einladen, um den Betroffenen nicht zu beunruhigen, die Haustür für ihn abschließen, und vieles mehr. Vielen Angehörigen sind diese und ähnliche Verhaltensweisen schon so in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie es gar nicht mehr merken. Überlegen sie daher, am besten mit dem Betroffenen gemeinsam mit dem Betroffenen, wo sie quasi automatisch den Zwang unterstützen (...). (1. Aufl., S. 72)”

“Dem Betroffenen bei der Abwicklung der Zwänge zu helfen ist also keine wirkliche Hilfe für ihn, sondern eher eine ungewollte Unterstützung für den Zwang. (1. Aufl., S. 75)”

“Viele Betroffene, vor allem wenn sie schon lange an Zwängen leiden, haben aus den Augen verloren, was denn eigentlich noch normales Verhalten ist. Sie brauchen dann Unterstützung, dies herauszufinden. Hier können Sie eine große Hilfe sein (...). Dafür sollten Sie sich als Angehöriger ehrlich fragen, ob Ihr eigenes Verhalten denn normal ist oder ob Sie sich schon stark dem Zwang des Betroffenen angepasst haben. (1. Aufl., S. 80)”

“Umso wichtiger ist es, dass Sie als Angehöriger Ihr eigenes Leben nicht den Zwängen unterwerfen (...). Gerade helfende Angehörige brauchen auch Zeiten des Ausgleichs und der Entspannung, um ihre Kraft und Energie zu behalten oder diese wieder aufzubauen. (1. Aufl., S. 105)”


Gesamteindruck:

Mit “Der Zwang in meiner Nähe” ist dem Huber-Verlag sicherlich eines der besten Bücher auf dem Markt der Selbsthilfe-Literatur gelungen. Das Buch wird zurecht von der Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen empfohlen - und auch wir können dieses Buch für alle Angehörigen uneingeschränkt empfehlen. Darüber hinaus kann dies Buch auch für die Betroffenen selber eine wichtige Lektüre sein, um besser zu verstehen, worauf ihre Angehörigen achten sollten und wie sie mit ihren Angehörigen zusammen arbeiten können.

Das Buch ist auch als eBook erhältlich.

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