Klinische Psychologie
und Psychotherapie

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Elektrokonvulsionstherapie (EKT)

Übersicht

Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT), auch Elektrokrampftherapie oder Elektrokrampfbehandlung (EKB) genannt, ist ein Verfahren zur Behandlung von schweren Depressionen, Manien und schizophrenen Psychosen, insbesondere wenn diese mit schwerem Stupor bzw. Katatonie einhergehen. Sie wird vorrangig bei akut lebensbedrohlichen Symptomen eingesetzt oder wenn alle anderen Therapieversuche im Vorfeld versagt haben. Viele Patienten beurteilen im Rückblick die Elektrokonvulsionstherapie als vorteilhaft.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

Elektrokonvulsionstherapie (EKT): Indikation

Nach den Empfehlungen der Bundesärztekammer ist die ElektrokonvulsionstherapieTherapie der ersten Wahl bei

  • wahnhafter Depression, depressivem Stupor, schizoaffektiven Psychosen mit schwerer depressiver Verstimmung;
  • Major Depression mit hoher Suizidalität oder Nahrungsverweigerung;
  • akuter, lebensbedrohlicher Katatonie (perniziöser Katatonie).

Als Therapie der zweiten bzw. dritten Wahl wird sie empfohlen bei

  • therapieresistenter (pharmakoresistenter) Major Depression, wenn die Anwendung von mindestens zwei verschiedenen Antidepressiva (möglichst unterschiedlicher Wirkstoffklasse) in ausreichender Dosierung sowie die Anwendung von therapeutischem Schlafentzug ohne Erfolg blieben;
  • therapieresistenten, nicht lebensbedrohlichen Katatonien sowie anderen akut exazerbierten schizophrenen Psychosen, wenn die Behandlung mit Neuroleptika erfolglos blieb;
  • therapieresistenten Manien, wenn die Behandlung mit Neuroleptika, Lithium und Carbamazepin erfolglos war.

Als seltenere Indikationen werden therapieresistente schizophreniforme Störungen, therapieresistente schizoaffektive Störungen, therapieresistente Parkinson-Syndrome sowie das maligne neuroleptische Syndrom genannt.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

Elektrokonvulsionstherapie (EKT): Kontraindikationen

Als absolute Kontraindikationen der Elektrokonvulsionstherapie gelten ein Myokardinfarkt oder ein cerebraler Infarkt in der jüngeren Vorgeschichte (bis ca. 3 Monate vor Behandlungsbeginn), erhöhter Hirndruck, intracebrale Raumforderungen mit Ödembildung, schwere kardiopulmonale Vorerkrankungen, schwere arterielle Hypertonie sowie ein akuter Glaukomanfall.

Relative Kontraindikationen der Elektrokonvulsionstherapie sind ein cerebrales Aneurysma oder Angiom.

Höheres Lebensalter, Schwangerschaft oder die Implantation eines Herzschrittmachers gelten nach den Empfehlungen der Bundesärztekammer nicht als Kontraindikationen für die Elektrokrampftherapie.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

Elektrokonvulsionstherapie (EKT): Wirkmechanismus

Der genaue Wirkmechanismus der Elektrokonvulsionstherapie ist noch nicht in allen Einzelheiten bekannt. Die Auslösung der Krampfanfälle beeinflusst soweit bekannt unter anderem die

  • Synthese von Neurotransmittern,
  • Anzahl der Transmitterbindungsstellen und die
  • Affinität der Neurotransmitter zu den Transmitterbindungsstellen.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Elektrokonvulsionstherapie (EKT): Durchführung

Die Elektrokonvulsionstherapie wird vorrangig im stationären Rahmen durchgeführt, da eine regelmäßige begleitende psychiatrische Behandlung erforderlich ist. Da die einzelnen EKT-Durchgänge in Narkose durchgeführt werden und begleitend die Gabe eines Muskelrelaxans erfolgt, ist auch die Anwesenheit eines Anästhesiologen erforderlich. Parallel zur Narkose erfolgen Sauerstoffgabe, EKG-Kontrolle und Pulsoximetrie.

Die Elektrokonvulsionstherapie erfolgt zumeist in einem Zyklus von 6 bis 12 EKT-Behandlungen im Abstand von ca. 2-3 Tagen. Die einzelnen EKT-Behandlungen werden als unilaterale Stimulation der nicht-dominanten Hirnhälfte durchgeführt mit dem Ziel, jeweils einen ca. 25 bis 30 Sekunden andauernden generalisierten Krampfanfall auszulösen. Falls hierdurch kein ausreichender Behandlungserfolg erreicht wird, kann nach den sechs Zyklen eine bilaterale Elektrokonvulsionstherapie durchgeführt werden. Bei schwersten Erkrankungsbildern kann die Behandlung auch gleich mit einer bilateralen Stimulation begonnen werden.

Nach der Elektrokonvulsionstherapie bzw. der Narkose sollte neben der psychiatrischen Behandlung auch eine ausreichend lange Überwachungsphase mit weiterem Monitoring der Vitalparameter erfolgen, um mögliche kardiovaskuläre Komplikationen der Narkosebehandlung zu erkennen.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Elektrokonvulsionstherapie (EKT): Nebenwirkungen und Komplikationen

Die schwersten Komplikationen sind nicht durch die Elektrokonvulsionstherapie selbst sondern durch die für die Behandlung erforderliche Narkose zu erwarten. Dies sind insbesondere kardiovaskuläre Probleme, insbesondere bei Patienten mit kardialen Vorerkrankungen, in seltenen Fällen auch mit letalem Ausgang.

Die häufigste Nebenwirkung der Elektrokonvulsionstherapie sind Kopfschmerzen, die bei ca. einem Drittel der Behandelten auftreten. Zusätzlich kann es nach der EKT zum vorübergehenden Auftreten von retrograden und anterograden Gedächtnisstörungen kommen. Daneben können direkt im Anschluss an die Elektrokonvulsionstherapie vorübergehende leichte Störungen von Aufmerksamkeit, Konzentration, Orientierung und Kurzzeitgedächtnis auftreten.

Seltenere Nebenwirkungen sind das vorübergehende Auftreten von Übelkeit, Erbrechen sowie neuropsychologischen Störungen wie Aphasie, Apraxie und Agnosie, die sich jedoch alle selbstständig wieder zurückbilden.

Soweit bekannt, kommt es bei der entsprechend den Vorschriften durchgeführten Elektrokonvulsionstherapie nicht zum Auftreten von strukturellen Hirnschäden.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Zum Weiterlesen...

 

“Psychische Erkrankungen: Klinik und Therapie”
 

Psychische Erkrankungen

In  Psychische Erkrankungen von Matthias Berger et al. findet man nahezu alle Informationen, die für die Prüfungen in den Bereichen Klinische Psychologie und Psychiatrie erforderlich sind. Das Buch ist bei Studenten der Medizin und der Psychologie entsprechend beliebt für die Prüfungsvorbereitung. Ergänzt wird das Lehrbuch durch umfangreiches Online-Material. Aufgrund des Umfangs und der Aktualität der Informationen können wir es insbesondere zur Prüfungsvorbereitung empfehlen.
 

Dieses Buch im Online-Buchhandel: Amazon.de   Buch.de   Bücher.de

Literatur

Elektrokonvulsionstherapie (EKT)

Bajbouj M, Heuser I (2005). Antidepressive Stimulationsverfahren Vagusnervstimulation, repetitive transkranielle Magnetstimulation und Elektrokonvulsionstherapie zur Behandlung depressiver Störungen. Nervenarzt  76 (1): 28-35.
Abstract >>

Bundesärztekammer (Hrsg.), Folkerts H, Remschmidt H, Saß H, Sauer H, Schäfer M, Sewing K-F (2003). Bekanntmachungen: Stellungnahme zur Elektrokrampftherapie (EKT) als psychiatrische Behandlungsmaßnahme. Deutsches Ärzteblatt 100(8): A-504-6.
Full text (pdf) >>

Devanand DP, Dwork AJ, Hutchinson ER, Bolwig TG, Sackeim HA (1994). Does ECT alter brain structure? Am J Psychiatry 151(7):957-70.
Abstract >>

Hasse-Sander I, Müller H, Schurig W, Kasper S, Möller HJ (1998). Auswirkungen der Elektrokrampftherapie auf die kognitiven Funktionen bei therapieresistenten Depressionen.Nervenarzt 69 (7): 609-16.
Abstract >>

National Institute for Health an Clinical Excellence NICE (Hrsg) (2009). Depression - The treatment and management of depression in adults. Clinical guideline 90. London: NICE.
Online-Version >>

National Institute for Health an Clinical Excellence NICE (Hrsg) (2003). Guidance on the use of electroconvulsive therapy. Technology Appraisal Guideline 59. London: NICE.
Online-Version >>

Saito S. (2005). Anesthesia management for electroconvulsive therapy: hemodynamic and respiratory management. J Anesth 19(2):142-9.
Abstract >>

Psychotherapie: Fachbücher
 

American Psychiatric Association (2013). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5). Arlington: American Psychiatric Publishing.
Dieses Buch bei Amazon.de >>

 

Psychotherapie: Leitlinien
 

Bandelow B, Wiltink J, Alpers GW, Benecke C, Deckert J et al. (2014): Deutsche S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen.
Online-Version >>

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (Hrsg.) (2000). Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Angsterkrankungen. In: Dengler W, Selbmann HK (Hrsg.). Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Angsterkrankungen. Steinkopff-/Springer-Verlag.

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (Hrsg.) (2007). Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von psychischen Störungen im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter. 3. Auflage. Deutscher Ärzte-Verlag.

National Institute for Health and Clinical Excellence - NICE (2011). Generalised anxiety disorder and panic disorder (with or without agoraphobia) in adults. NICE clinical guideline 113.
Full-text (pdf) >>

 


© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 




Leserbewertung:

5 Sterne   5  Sterne   ( 2  Leser haben diesen Artikel bewertet.)

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

        




 


Diese Seite empfehlen:





Haben Sie weitere Fragen oder interessieren Sie andere Themen?
Geben Sie hier Ihre Suchbegriffe ein, um unsere Internetseiten zu durchsuchen:
 

Loading



Gesundheit und Psyche

Informationen für Betroffene und Angehörige

Ängste und Phobien
Ängste und Phobien (Übersicht)  -  Agoraphobie  -  Panikattacken
Soziale Ängste  -  Spezifische Phobien  -  Generalisierte Ängste
Höhenangst  -  Klaustrophobie  -  Spinnenangst

Zwänge und Zwangsspektrumsstörungen
Zwänge (Übersicht)  -  Zwangshandlungen  -  Zwangsgedanken

Depressionen und Biplare Erkrankungen
Depressionen  -  Dysthymie  -  Bipolare Erkrankung  -  Zyklothymie

Burn-out und Belastungsreaktionen
Burn-out-Syndrom  -  PTSD/Traumatherapie  -  Anpassungsstörung

Beratungsstellen
Rosenheim  -  Traunstein  -  Miesbach  -  Wasserburg  -  München
Berchtesgadener Land  -  Salzburg  -  Kufstein

Stichwortverzeichnis (Von A bis Z)

 



Klinische Psychologie und Psychotherapie

Fachinformationen

Angststörungen
Angststörungen (Übersicht)  -  Agoraphobie  -  Panikstörung
Generalisierte Angststörung
Soziale Phobie  -  Spezifische Phobien

Zwangsspektrumsstörungen
Zwangsstörungen  -  Zwangsspektrumsstörungen
Verhaltenssüchte  -  Internetabhängigkeit

Affektive Störungen
Affektive Störungen (Übersicht)
Depressive Störungen  -  Dysthyme Störung
Bipolare Störungen  -  Zyklothyme Störung

Trauma- and Stressor-related Disorders
Trauma-/Stressor-related Disorders (Übersicht)  -  Akute Belastungsreaktion
Burn-out-Syndrom  -  Posttraumatische Belastungsstörung

Therapieverfahren
Therapieverfahren (Übersicht)
Kognitive Verhaltenstherapie  -  Psychodynamische Psychotherapie
Entspannungsverfahren  -  Psychopharmaka

Stichwortverzeichnis (Von A bis Z)

 



Praxis für Psychotherapie Dr. Elze

Praxisgemeinschaft Dr. Elze  -  Behandlungsangebot
Psychotherapeuten  -  Freie Therapieplätze  -  Anfahrt

 



Impressum - Rechtliche Hinweise - Datenschutzerklärung
Bitte beachten Sie unsere Hinweise zu
Medizinischen Informationen und Gesundheitsthemen.


Zum Seitenanfang  -  Drucken Diese Seite drucken


© Dr. Sandra Elze und Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
Letzte Aktualisierung: Freitag, 25. März 2016
 

Deutsch  English  English  Español