Klinische Psychologie
und Psychotherapie

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Essstörungen

Als Essstörungen werden alle  Erkrankungen bezeichnet, die mit einer Veränderung des Essverhaltens und/oder einer übermäßigen Beschäftigung mit Gedanken um das Essen einhergehen. Zu den bekanntesten Essstörungen gehören die Anorexia nervosa und die Bulimia nervosa.

Auch die Binge Eating Störung und die Adipositas gehören zu den Krankheiten mit gestörtem Essverhalten.

Da die Essstörungen zumeist bei Frauen auftreten, nehmen die Essstörungen bei Männern eine Sonderrolle ein. Da sich Essstörungen bei jungen Frauen und Männern schnell zu lebensbedrohlichen Erkrankungen entwickeln können, ist häufig eine frühzeitige Behandlung erforderlich.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

Essstörungen: Übersicht

Unterschieden werden die

  • Anorexia nervosa (auch Anorexie bzw. Magersucht genannt),
  • Bulimia nervosa (auch Bulimie oder Ess-Brechsucht genannt),
  • Binge Eating Disorder (BED) (auch Psychogene Hyperphagie ohne gegensteuernde Maßnahmen genannt) sowie die
  • Adipositas (Übergewicht).

Eine Sonderform der Essstörungen ist die Pica (ICD-10 F50.8 / F98.3).
 

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Prävalenz

Frauen sind ca. 10-20 mal häufiger von der Anorexia nervosa betroffen als Männer.

Die Lebenszeitprävalenz der Anorexia nervosa wird für Frauen auf ca. 0,5 - 1,5% geschätzt, für Männer auf ca. 0,05%. Für Mädchen im Jugend- und frühen Erwachsenenalter wurden Prävalenzraten von ca. 3% ermittelt.

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Erstmanifestation

Die Erstmanifestation der Essstörungen liegt meistens in der Adoleszenz. Ein Erstauftreten vor der Pubertät oder nach dem 40. Lebensjahr ist eher selten.

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Differenzialdiagnose

In der Differenzialdiagnose der Esstörungen muss ein Gesichtsverlust aufgrund von somatischen Erkrankungen, z.B. durch Maldigestion im Rahmen von gastrointestinalen Erkrankungen, Kachexie bei malignen Prozessen etc., ausgeschlossen werden.

Darüber hinaus muss eine Unter- bzw. Mangelernährung aufgrund anderer psychischer Erkrankungen (z.B. im Rahmen schwerer Depressiver Störungen, bestimmter Angststörungen oder Zwangsstörungen, psychotischer Erkrankungen etc.) ausgeschlossen werden.

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Therapie

Eine psychotherapeutische Behandlung der Essstörungen ist häufig unumgänglich, um einen chronischen Verlauf zu verhindern. Dabei sind neben Selbstbild und Selbstvertrauen auch der Wiederaufbau eines regelmäßigen Essverhaltens und der Umgang mit Anspannung wichtige Schwerpunkte in der Therapie. Das Lebensgefühl der meist jungen Erwachsenen soll wieder gestärkt werden.

Bei der Anorexia nervosa besteht oft ein unter Umständen lebensbedrohliches Untergewicht; trotzdem sehen sich die Betroffenen in der Regel als deutlich zu dick. Im Rahmen der Therapie wird  durch verschiedene Maßnahmen, wie Körpervideos, Spiegel-Übungen und kognitive Umstrukturierung versucht, die Körperschemastörung zu bearbeiten und wieder eine realistischere Körperwahrnehmung zu erreichen. Wichtig ist es auch, in der Therapie die hinter der Essstörung stehenden Probleme herauszuarbeiten und für diese hilfreichere Lösungsstrategien zu finden.

Essattacken im Rahmen der Bulimia nervosa und der Binge-Eating Störung dienen häufig auch der Reduktion von Anspannung oder der Unterdrückung negativer Gefühle. Hier wird im Rahmen der Psychotherapie versucht, andere Methoden zur Spannungsreduktion zu finden sowie andere Möglichkeiten des Gefühlsmanagements aufzubauen.

Weiterhin ist es wichtig, auslösende und aufrechterhaltende Bedingungen der Essstörung herauszuarbeiten. Dies sind häufig mangelndes Selbstwertgefühl, Überforderungssituationen oder Schwierigkeiten, die (weibliche) Geschlechtsrolle anzunehmen. Im Rahmen der Therapie geht es unter anderem darum, auch für diese Bedingungen neue und hilfreichere Bewältigungsstrtegien zu finden.

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Pharmakotherapie

In der unterstützenden medikamentösen Behandlung der Essstörungen werden zumeist Wirkstoffe aus der Gruppe der Antidepressiva eingesetzt. Die Pharmakotherapie mit Antidepressiva ist insbesondere dann indiziert, wenn neben der Anorexia nervosa noch weitere klinisch relevante psychische Erkrankungen, wie z.B. Depressive Störungen, bestehen.

Bei der Wahl der Wirkstoffgruppe muss beachtet werden, dass verschiedene Antidepressiva (wie z.B. die trizyklischen Antidepressiva) zu einer Gewichtszunahmen führen können, wodurch die Compliance bezüglich der Einnahme dieser Medikamente meist gering ist.

In der medikamentösen Behandlung der Anorexia nervosa wird deshalb zumeist der Einsatz von Antidepressiva ohne gewichtssteigernden Effekt bevorzugt, um die Compliance der Patienten zu erhöhen.

Häufig kommen dabei Medikamente aus der Gruppe der so genannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) zum Einsatz.

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Zum Weiterlesen...

 

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Literatur

Essstörungen: Fachbücher
 

American Psychiatric Association (2013). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5). Arlington: American Psychiatric Publishing.
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Essstörungen: Leitlinien
 

Bandelow B, Wiltink J, Alpers GW, Benecke C, Deckert J et al. (2014): Deutsche S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen.
Online-Version >>

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (Hrsg.) (2000). Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Angsterkrankungen. In: Dengler W, Selbmann HK (Hrsg.). Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Angsterkrankungen. Steinkopff-/Springer-Verlag.

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (Hrsg.) (2007). Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von psychischen Störungen im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter. 3. Auflage. Deutscher Ärzte-Verlag.

 


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Letzte Aktualisierung: Donnerstag, 24. März 2016
 

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