Klinische Psychologie
und Psychotherapie

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Internetabhängigkeit

Internetabhängigkeit (engl. Internet Use Disorder bzw. Internet  Gaming Disorder), auch Internetsucht bzw. Onlinesucht genannt, wird charakterisiert durch eine intensive Beschäftigung mit Online-Aktivitäten, die so stark ausgeprägt ist, dass dadurch andere Tätigkeiten und Aufgaben des alltäglichen Lebens deutlich beeinträchtigt werden.

Mit einer Prävalenz von ca. 1 bis 10 % bei Jugendlichen gehört die Internetabhängigkeit zu einem relativ häufigen Krankheitsbild, welches bei den Betroffenen zu erheblichen Funktionseinschränkungen führen kann.

In der wissenschaftlichen Diskussion gibt es weiterhin unterschiedliche Einschätzungen, ob die Internetabhängigkeit ein eigenständiges Krankheitsbild darstellt, oder ob es sich dabei eher um eine Unterform bzw. ein Symptom einer anderen seelischen Erkrankung, wie z.B. einer Depression oder der Glücksspielsucht, handelt.

Trotz dieser Diskussionen hat die American Psychiatric Association (APA) in der 5. Revision des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, DSM-5 die so genannte Internet Gaming Disorder als ein eigenständiges Störungsbild “empfohlen für weitere Untersuchungen” aufgenommen.

Weiterlesen: Internetabhängigkeit - DSM-5

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

Prävalenz

Da bislang keine ausreichend validen Diagnosekriterien für die Internetabhängigkeit vorlagen, können die bisherigen Studien zur Prävalenz der Internetsucht nur bedingt miteinander verglichen werden. In den bisher durchgeführten Untersuchungen variierten die zu Grunde gelegten Kriterien je nach Forschungsgruppe zum Teil deutlich.

Soweit dementsprechend beurteilbar, wurde in den bisher durchgeführten Studien eine Prävalenz der Internetabhängigkeit von ca. 1 bis 10% ermittelt.

Weiterlesen: Internetabhängigkeit - Prävalenz

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

Symptome

Die Symptome der Internetabhängigkeit umfassen unter anderem:

  • eine übermäßige Beschäftigung mit Online-Aktivitäten in einem Ausmaß, welches zu Funktionseinschränkungen oder Leiden führt,
  • den Verlust von anderen Interessen,
  • die Unfähigkeit, die im Internet verbrachte Zeit zu begrenzen,
  • das Bedürfnis, eine immer längere Zeit mit Online-Aktivitäten zu verbringen,
  • erfolglose Versuche, die Online-Aktivitäten zu beenden bzw. zu begrenzen,
  • die Nutzung des Internets, um andere aversive Bedingungen - wie z.B. niedergedrückte Stimmung, Ängste, unangenehme Aufgaben etc. - zu verbessern bzw. ihnen zu entfliehen,
  • sowie Entzugssymptome, wenn die Nutzung des Internets nicht möglich ist.

Weiterlesen: Internetabhängigkeit - Symptome
 

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Diagnose

Die Diagnose einer Internetabhängigkeit wird sich zukünftig deutlich valider stellen lassen, da die American Psychiatric Association (APA) mit der 5. Revision des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, DSM-5 Diagnosekriterien für die so genannte Internet Gaming Disorder vorgeschlagen hat..

In der Vergangenheit hat der Mangel an validen Diagnosekriterien dazu geführt, dass parallel verschiedenste Diagnosen wie Internetabhängigkeit, Internetsucht, Onlinesucht etc. entstanden sind, ohne dass letztendlich ausreichende wissenschaftliche Studien zu diesen Störungsbildern existierten.

Weiterlesen: Internetabhängigkeit - Diagnose

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

DSM-5-Kriterien

Obwohl der pathologische Internetgebrauch und sein Einfluss auf Erwachsene und Jugendliche in den Medien immer wieder intensiv diskutiert wurden, wurde die Internetabhängigkeit weder in der 4. Revision des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV) noch in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (International Classification of Diseases, ICD-10) als Störungsbild aufgeführt.

Die American Psychiatric Association (APA) hat jetzt in der 5. Revision des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, DSM-5 die Internet Gaming Disorder als ein eigenständiges Störungsbild “empfohlen für weitere Untersuchungen” aufgenommen.

Weiterlesen: Internetabhängigkeit - DSM-5

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Testverfahren

Zur Evaluation der Internetabhängigkeit wurden verschiedene Testverfahren eingeführt. Da jedoch die Entwicklung von einheitlichen Diagnosekriterien immer noch Gegenstand der Diskussion ist, zeigen einige dieser Testverfahren deutliche methodische Defizite.

Soweit dementsprechend beurteilbar, wurde in den bisher durchgeführten Studien eine Prävalenz der Internetabhängigkeit von ca. 1 bis 10% ermittelt.

Weiterlesen: Internetabhängigkeit - Testverfahren

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Formen

In der Vergangenheit wurden mehrere Unter- bzw. Sonderformen der Internetabhängigkeit beschrieben, wie zum Beispiel der übermäßige oder unverhältnismäßige Gebrauch von Internet-Pornographie, von Online-Spielen, sozialen Netzwerken oder von Online-Shopping.

In einigen Fällen kann es sich bei diesen “Unterformen” jedoch auch um Symptome von anderen seelischen Erkrankungen handeln. So kann z.B. exzessives Online-Shopping bei einigen Betroffenen auch ein Symptom einer depressiven Störung sein, der übermäßige Gebrauch von Online-Kontakten über soziale Netzwerke kann auch ein Vermeidungsverhalten im Rahmen einer sozialen Phobie darstellen, etc.

Weiterlesen: Internetabhängigkeit - Formen

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Komorbidität

Zur Komorbidität der Internetabhängigkeit wurden bisher nur wenige Studien durchgeführt. Es gibt Berichte, dass eine hohe Komorbidität mit affektiven Störungen, insbesondere Depressionen, mit Sozialer Phobie, mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sowie mit Substanzmissbrauch besteht. Die meisten dieser Studien haben jedoch verschiedene methodische Limitierungen.

In einer der ersten Studien zur psychiatrischen Komorbidität des übermäßigen Internetgebrauchs evaluierten Black et al. 21 Betroffene mit selbstberichtetem übermäßigem Internetgebrauch. Gemäß Black hatten von diesen 21 Betroffenen 7 (33%) im Verlauf ihres bisherigen Lebens eine affektive Störung, 8 (38%) einen Substanzmissbrauch, 4 (19%) eine Angststörung. 11 Personen (52%) erfüllten die Kriterien für mindestens eine Persönlichkeitsstörung.

Weiterlesen: Internetabhängigkeit - Komorbidität

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Differenzialdiagnose

Zu den Differenzialdiagnosen der Internetabhängigkeit gehören unter anderem affektiven Störungen (z.B. Depressionen), Zwangsstörungen, Angststörungen, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder Persönlichkeitsstörungen.

Weiterlesen: Internetabhängigkeit - Differenzialdiagnose

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Therapie

Obwohl die Internetabhängigkeit immer wieder ein Thema in den Medien war, gibt es nur wenige kontrollierte, doppelblinde Studien zur Therapie der Internetabhängigkeit. Die meisten der bisher durchgeführten Studien benutzten entweder inkonsistente Kriterien zur Definition der Internetabhängigkeit oder zeigten deutliche methodische Schwächen, oder beides.

Soweit bisher bekannt, können eine Psychotherapie, insbesondere die Kognitive Verhaltenstherapie, sowie Selbsthilfe-Programme hilfreich sein.

Basierend auf den Erfahrungen aus der Behandlung von anderen Suchterkrankungen und von Zwangsstörungen wird vermutet, dass Psychoedukation und Angehörigen-Beratung hilfreich sein können.

Bisher gibt es keine ausreichenden Daten zur medikamentösen Behandlung der Internetabhängigkeit. Es gibt einzelne Berichte zum Einsatz von Escitalopram, Bupropion, Methylphenidat sowie von Naltrexon.
 

Weiterlesen: Internetabhängigkeit - Therapie
 

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Zum Weiterlesen...

 

“Pathologischer PC- und Internet-Gebrauch”
 

Pathologischer PC- und Internet-Gebrauch

“Pathologischer PC- und Internet-Gebrauch: Eine Therapieanleitung”
von Petra Schuhler und Monika Vogelsang
 

Dieses Buch im Online-Buchhandel: Amazon.de   Buch.de   Bücher.de

Literatur

Internetabhängigkeit: Fachbücher
 

Frölich J, Lehmkuhl G (2012). Computer und Internet erobern die Kindheit: Vom normalen Spielverhalten bis zur Sucht und deren Behandlung. Stuttgart: Schattauer.
Dieses Buch bei Amazon.de >>

Möller C (Hrsg.) (2011). Internet- und Computersucht; Ein Praxishandbuch für Therapeuten, Pädagogen und Eltern. Stuttgart: Kohlhammer.
Dieses Buch bei Amazon.de >>

Schuhler P, Vogelsang M (2011). Abschalten statt Abdriften: Wege aus dem krankhaften Gebrauch von Computer und Internet. Weinheim, Basel: Beltz.
Dieses Buch bei Amazon.de >>

Schuhler P, Vogelsang M (2012) Pathologischer PC und Internet-Gebrauch: Eine Therapieanleitung. Hogrefe.
Dieses Buch bei Amazon.de >>

Wölfling K, Jo C, Bengesser I, Beutel ME, Müller KW (2013). Computerspiel- und Internetsucht – Ein kognitiv-behaviorales Behandlungsmanual. Stuttgart: Kohlhammer.
Dieses Buch bei Amazon.de >>

Young KS (1998 a). Caught in the net. How to recognize the signs of internet addiction and a winning strategy for recovery. New York: John Wiley & Sons.
This book on Amazon.com >>

Young KS, Nabuco de Abreu C (2011). Internet Addiction: A Handbook and Guide to Evaluation and Treatment. Hoboken: John Wiley & Sons.
Dieses Buch bei Amazon.de >>

 

Internetabhängigkeit: Reviews
 

Cash H, Rae CD, Steel AH, Winkler A (2012). Internet Addiction: A Brief Summary of Research and Practice. Curr Psychiatry Rev 8(4): 292–8.
Abstract >>
Full text (pdf) >>

Chakraborty K, Basu D, Vijaya Kumar KG (2010). Internet addiction: consensus, controversies, and the way ahead. East Asian Arch Psychiatry 20(3): 123-32.
Abstract >>
Full text (pdf) >>

Huang XQ, Li MC, Tao R (2010). Treatment of Internet Addiction. Current Psychiatry Reports 12(5): 462-70.
Abstract >>

Petersen KU, Weymann N, Schelb Y, Thiel R, Thomasius R (2009). Pathologischer Internetgebrauch - Epidemiologie, Diagnostik, komorbide Störungen und Behandlungsansätze. Fortschr Neurol Psychiatr 77(5):263-71.
Abstract >>

Peukert P, Sieslack S, Barth G, Batra A (2010). Internet- and computer game addiction: Phenomenology, comorbidity, etiology, diagnostics and therapeutic implications for the addictives and their relatives. Psychiatr Prax 37(5): 219-24.
Abstract >>

Shaw M, Black DW (2008). Internet addiction: definition, assessment, epidemiology and clinical management. CNS Drugs 22(5): 353-65.
Abstract >>

van Rooij AJ, Zinn MF, Schoenmakers TM, van de Mheen D (2012). Treating Internet Addiction With Cognitive-Behavioral Therapy: A Thematic Analysis of the Experiences of Therapists. Int J Ment Health Addiction 10(1): 69-82.
Abstract >>

Winkler A, Dörsing B, Rief W, Shen Y, Glombiewski JA (2013). Treatment of internet addiction: A meta-analysis. Clinical Psychology Review 33: 317–329.
Abstract >>

Wölfling K, Bühler M, Leménager T, Mörsen C, Mann K (2009). Gambling and internet addiction. Review and research agenda [Article in German]. Nervenarzt 80(9): 1030–9.
Abstract >>

Young KS (1998 a). Caught in the net. How to recognize the signs of internet addiction and a winning strategy for recovery. New York: John Wiley & Sons.
This book on Amazon.com >>

Young KS (1998 b). Internet addiction: The emergence of a new clinical disorder. Cyberpsychol Behav 1(3): 237–44.
Abstract >>

 

Internetabhängigkeit  Internet Use Disorder  Internet Use Disorder

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 




Leserbewertung:

5 Sterne   5  Sterne   ( 34  Leser haben diesen Artikel bewertet.)

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

        




 


Diese Seite empfehlen:





Haben Sie weitere Fragen oder interessieren Sie andere Themen?
Geben Sie hier Ihre Suchbegriffe ein, um unsere Internetseiten zu durchsuchen:
 

Loading



Gesundheit und Psyche

Informationen für Betroffene und Angehörige

Ängste und Phobien
Ängste und Phobien (Übersicht)  -  Agoraphobie  -  Panikattacken
Soziale Ängste  -  Spezifische Phobien  -  Generalisierte Ängste
Höhenangst  -  Klaustrophobie  -  Spinnenangst

Zwänge und Zwangsspektrumsstörungen
Zwänge (Übersicht)  -  Zwangshandlungen  -  Zwangsgedanken

Depressionen und Biplare Erkrankungen
Depressionen  -  Dysthymie  -  Bipolare Erkrankung  -  Zyklothymie

Burn-out und Belastungsreaktionen
Burn-out-Syndrom  -  PTSD/Traumatherapie  -  Anpassungsstörung

Beratungsstellen
Rosenheim  -  Traunstein  -  Miesbach  -  Wasserburg  -  München
Berchtesgadener Land  -  Salzburg  -  Kufstein

Stichwortverzeichnis (Von A bis Z)

 



Klinische Psychologie und Psychotherapie

Fachinformationen

Angststörungen
Angststörungen (Übersicht)  -  Agoraphobie  -  Panikstörung
Generalisierte Angststörung
Soziale Phobie  -  Spezifische Phobien

Zwangsspektrumsstörungen
Zwangsstörungen  -  Zwangsspektrumsstörungen
Verhaltenssüchte  -  Internetabhängigkeit

Affektive Störungen
Affektive Störungen (Übersicht)
Depressive Störungen  -  Dysthyme Störung
Bipolare Störungen  -  Zyklothyme Störung

Trauma- and Stressor-related Disorders
Trauma-/Stressor-related Disorders (Übersicht)  -  Akute Belastungsreaktion
Burn-out-Syndrom  -  Posttraumatische Belastungsstörung

Therapieverfahren
Therapieverfahren (Übersicht)
Kognitive Verhaltenstherapie  -  Psychodynamische Psychotherapie
Entspannungsverfahren  -  Psychopharmaka

Stichwortverzeichnis (Von A bis Z)

 



Praxis für Psychotherapie Dr. Elze

Praxisgemeinschaft Dr. Elze  -  Behandlungsangebot
Psychotherapeuten  -  Freie Therapieplätze  -  Anfahrt

 



Impressum - Rechtliche Hinweise - Datenschutzerklärung
Bitte beachten Sie unsere Hinweise zu
Medizinischen Informationen und Gesundheitsthemen.


Zum Seitenanfang  -  Drucken Diese Seite drucken


© Dr. Sandra Elze und Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
Letzte Aktualisierung: Donnerstag, 24. März 2016
 

Deutsch  English  English  Español