Internetabhängigkeit: Komorbidität

Zur Komorbidität der Internetabhängigkeit wurden bisher nur wenige Studien durchgeführt. Es gibt Berichte, dass eine hohe Komorbidität mit Affektiven Störungen, insbesondere Depressiven Störungen, sowie mit Sozialer Phobie, mit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sowie mit Substanzmissbrauch besteht. Die meisten dieser Studien haben jedoch verschiedene methodische Limitierungen.

In einer der ersten Studien zur psychiatrischen Komorbidität des übermäßigen Internetgebrauchs evaluierten Black et al. 21 Betroffene mit selbstberichtetem übermäßigem Internetgebrauch. Gemäß Black hatten von diesen 21 Betroffenen 7 (33%) im Verlauf ihres bisherigen Lebens eine affektive Störung, 8 (38%) einen Substanzmissbrauch, 4 (19%) eine Angststörung. 11 Personen (52%) erfüllten die Kriterien für mindestens eine Persönlichkeitsstörung (vgl. Black 1999).

Shapira et al. evaluierten 20 Betroffene mit pathologischem Internetgebrauch. Alle untersuchten Personen erfüllten die DSM-IV-Kriterien für eine Impulskontrollstörung nicht andernorts klassifiziert und alle Untersuchten hatten neben dem pathologischen Internetgebrauch in der Anamnese mindesten eine DSM-IV-Achse-I -Diagnose (vgl. Shapira 2000).

Kratzer et al. verglichen 30 Personen mit pathologischem Internetgebrauch mit 31 Individuen mit intensivem - aber nicht-pathologischem - Internetgebrauch. Von den Betroffenen mit pathologischem Internetgebrauch zeigten 90% Symptome anderer psychischer Erkrankungen, insbesondere von Angststörungen und Affektiven Störungen (vgl. Kratzer 2008).

In einer größeren Studie untersuchten Yen et al. 2114 taiwanesische Jugendliche. Die Personen mit Symptomen einer Internetabhängigkeit berichteten vermehrt über Symptome einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), einer Depressiven Störung, Sozialen Phobie sowie über eine generell erhöhte “Feindseligkeit” als die untersuchten Personen ohne Symptome einer Internetabhängigkeit (vgl. Yen 2007). In einem Follow-up nach 2 Jahren erwiesen sich Depressive Störung, Soziale Phobie und “Feindseligkeit” darüber hinaus als Prädiktoren für das Auftreten der Internetabhängigkeit (vgl. Ko 2009).