Klinische Psychologie
und Psychotherapie

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Internetabhängigkeit: Prävalenz

Da bislang keine ausreichend validen Diagnosekriterien für die Internetabhängigkeit vorlagen, können die bisherigen Studien zur Prävalenz der Internetabhängigkeit nur bedingt miteinander verglichen werden. In den bisher durchgeführten Untersuchungen variierten die zu Grunde gelegten Kriterien je nach Forschungsgruppe zum Teil deutlich.

Soweit dementsprechend beurteilbar, wurde in den bisher durchgeführten Studien eine Prävalenz der Internetabhängigkeit von ca. 1 bis 10% ermittelt.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

Prävalenz der Internetabhängigkeit bei Jugendlichen

Mehrere Studien zur Prävalenz der Internetabhängigkeit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben Prävalenzraten von ca. 1,5 bis 8% ermittelt, mit einer höheren Prävalenz bei Jugendlichen, die eine Vorgeschichte mit anderen psychischen Erkrankungen haben.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

Epidemiologische Studien

Johansson und Götestam untersuchten die Prävalenz der Internetabhängigkeit in einer Stichprobe von 3237 norwegischen Jugendlichen im Alter von 12 - 18 Jahren (Response rate 45,2%). Von diesen Jugendlichen zeigten ca. 2% (Jungen 2,4%, Mädchen 1,5%) Anzeichen einer Internetabhängigkeit (vgl. Johansson 2004).

Kaltiala-Heino et al. führten eine Untersuchung bei 7292 Finnen im Alter von 12 - 18 Jahren durch. Ungefähr 1,5% der Jugendlichen erfüllten die Kriterien für eine Internetabhängigkeit (vgl. Kaltiala-Heino 2004).

Poli und Agrimi berichten über eine Studie mit 2533 italienischen Jugendlichen. Die Mehrzahl der Studienteilnehmer (94% der Antwortenden) wurden als unauffällige Internetnutzer eingestuft, 5% als moderat abhängig und 0,8% als schwer abhängig (vgl. Poli 2012). In einer früheren italienischen Studie berichteten Pallani et al. über eine Prävalenz der Internetabhängigkeit von 5,4% in einer Stichprobe von 275 italienischen Jugendlichen (vgl. Pallanti 2006).

Etwas höhere Prävalenzraten (8,2%) wurden von Siomos et al. in einer Untersuchung von griechischen Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 berichtet (vgl. Siomos 2008).

Bei iranischen High-School-Studenten fanden Ghassemzadeh et al. eine Prävalenz der Internetabhängigkeit von 3,8% (vgl. Ghassemzadeh 2008).

In einer Stichprobe von 1573 koreanischen High-School-Studenten diagnostizierten Kim et al. 1,6% als internetabhängig und 38% als möglicherweise internetabhängig (vgl. Kim 2006).

Xu et al. berichten in einer Studie über die Prävalenz der Internetabhängigkeit in einer Stichprobe von 5122 chinesischen Jugendlichen. 8,8% der Jugendlichen zeigten Symptome einer Internetabhängigkeit (vgl. Xu 2012).

In einer der größten bisherigen Studien untersuchten Rumpf et al. die Prävalenz der Internetabhängigkeit in Deutschland (PINTA) anhand einer Stichprobe von 15024 Personen im Alter von 14 bis 64 Jahren. Als Ergebnis zeigte sich eine Prävalenz von ca. 1,5% (Männer 1,7%, Frauen 1,3%) mit höheren Werten in der Gruppe der 14- bis 24-Jährigen (3,8%, davon Frauen 4,5% und Männer 3,0%). In der Gruppe der 14- bis 16-Jährigen zeigte sich eine noch höhere Prävalenz mit 6,3% (Mädchen 8,6%, Jungen 4,1%) (vgl. Rumpf 2011).

Müller et al. fanden bei 81 Patienten einer deutschen  kinder- und jugendpsychiatrischen Einrichtung im Alter von 8 bis 17 Jahren bei 11% der Untersuchten einen komorbiden pathologischen Internetgebrauch (vgl. Müller 2012 a).

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Zum Weiterlesen...

 

“Pathologischer PC- und Internet-Gebrauch”
 

Pathologischer PC- und Internet-Gebrauch

“Pathologischer PC- und Internet-Gebrauch: Eine Therapieanleitung”
von Petra Schuhler und Monika Vogelsang
 

Dieses Buch im Online-Buchhandel: Amazon.de   Buch.de   Bücher.de

Literatur

Internetabhängigkeit: Prävalenz

Byun S, Ruffini C, Mills JE, Douglas AC, Niang M, Stepchenkova S, Lee SK, Loutfi J, Lee JK, Atallah M, Blanton M (2009). Internet addiction: metasynthesis of 1996-2006 quantitative research. Cyberpsychol Behav 12(2):203-7.
Abstract >>

Ghassemzadeh L, Shahraray M, Moradi A (2008). Prevalence of internet addiction and comparison of internet addicts and non-addicts in Iranian high schools. Cyberpsychol Behav 11(6): 731-3.
Abstract >>

Johansson A, Götestam KG (2004). Internet addiction: characteristics of a questionnaire and prevalence in Norwegian youth (12-18 years). Scand J Psychol 45(3): 223–9.
Abstract >>

Kaltiala-Heino R, Lintonen T, Rimpela A (2004). Internet addiction? Potentially problematic use of the Internet in a population of 12-18 year-old adolescents. Addiction Research and Theory 12(1): 89–96.
Abstract >>

Kim K, Ryu E, Chon MY, Yeun EJ, Choi SY, Seo JS, Nam BW (2006). Internet addiction in Korean adolescents and its relation to depression and suicidal ideation: a questionnaire survey. Int J Nurs Stud 43(2): 185–92.
Abstract >>

Müller KW, Ammerschläger M, Freisleder FJ, Beutel ME, Wölfling K (2012 a). Suchtartige Internetnutzung als komorbide Störung im jugendpsychiatrischen Setting: Prävalenz und psychopathologische Symptombelastung. Z Kinder Jugendpsychiatr Psychother 40(5): 331-7.
Abstract >>

Müller KW, Koch A, Beutel ME, Dickenhorst U, Medenwaldt J, Wölfling K (2012 b). Komorbide Internetsucht unter Patienten der stationären Suchtrehabilitation: Eine explorative Erhebung zur klinischen Prävalenz. Psychiatr Prax 39(6): 286-92.
Abstract >>

Pallanti S, Bernardi S, Quercioli L (2006). The Shorter PROMIS Questionnaire and the Internet Addiction Scale in the assessment of multiple addictions in a high-school population: prevalence and related disability. CNS Spectr 11(12): 966-74.
Abstract >>

Poli R, Agrimi E (2012). Internet addiction disorder: Prevalence in an Italian student population. Nord J Psychiatry 66(1) 55-9.
Abstract >>

Rumpf HJ, Meyer C, Kreuzer A, John U (2011). Prävalenz der Internetabhängigkeit (PINTA). Greifswald/Lübeck: Bericht an das Bundesministerium für Gesundheit v. 31.05.2011.
Full text (pdf) >>

Siomos KE, Dafouli ED, Braimiotis DA, Mouzas OD, Angelopoulos NV(2008). Internet addiction among Greek adolescent students. Cyberpsychol Behav 11(6): 653-7.
Abstract >>

Weinstein A, Lejoyeux M (2010). Internet addiction or excessive Internet use. The American Journal of Drug and Alcohol Abuse. 36(5): 277–83.
Abstract >>

Xu J, Shen LX, Yan CH, Hu H, Yang F, Wang L, Kotha SR, Zhang LN, Liao XP, Zhang J, Ouyang FX, Zhang JS, Shen XM (2012). Personal characteristics related to the risk of adolescent internet addiction: a survey in Shanghai, China. BMC Public Health 22(12):1106.
Abstract >>
Full text (pdf) >>

 


© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 




Leserbewertung:

5 Sterne   5  Sterne   ( 1  Leser haben diesen Artikel bewertet.)

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

        




 


Diese Seite empfehlen:





Haben Sie weitere Fragen oder interessieren Sie andere Themen?
Geben Sie hier Ihre Suchbegriffe ein, um unsere Internetseiten zu durchsuchen:
 

Loading



Gesundheit und Psyche

Informationen für Betroffene und Angehörige

Ängste und Phobien
Ängste und Phobien (Übersicht)  -  Agoraphobie  -  Panikattacken
Soziale Ängste  -  Spezifische Phobien  -  Generalisierte Ängste
Höhenangst  -  Klaustrophobie  -  Spinnenangst

Zwänge und Zwangsspektrumsstörungen
Zwänge (Übersicht)  -  Zwangshandlungen  -  Zwangsgedanken

Depressionen und Biplare Erkrankungen
Depressionen  -  Dysthymie  -  Bipolare Erkrankung  -  Zyklothymie

Burn-out und Belastungsreaktionen
Burn-out-Syndrom  -  PTSD/Traumatherapie  -  Anpassungsstörung

Beratungsstellen
Rosenheim  -  Traunstein  -  Miesbach  -  Wasserburg  -  München
Berchtesgadener Land  -  Salzburg  -  Kufstein

Stichwortverzeichnis (Von A bis Z)

 



Klinische Psychologie und Psychotherapie

Fachinformationen

Angststörungen
Angststörungen (Übersicht)  -  Agoraphobie  -  Panikstörung
Generalisierte Angststörung
Soziale Phobie  -  Spezifische Phobien

Zwangsspektrumsstörungen
Zwangsstörungen  -  Zwangsspektrumsstörungen
Verhaltenssüchte  -  Internetabhängigkeit

Affektive Störungen
Affektive Störungen (Übersicht)
Depressive Störungen  -  Dysthyme Störung
Bipolare Störungen  -  Zyklothyme Störung

Trauma- and Stressor-related Disorders
Trauma-/Stressor-related Disorders (Übersicht)  -  Akute Belastungsreaktion
Burn-out-Syndrom  -  Posttraumatische Belastungsstörung

Therapieverfahren
Therapieverfahren (Übersicht)
Kognitive Verhaltenstherapie  -  Psychodynamische Psychotherapie
Entspannungsverfahren  -  Psychopharmaka

Stichwortverzeichnis (Von A bis Z)

 



Praxis für Psychotherapie Dr. Elze

Praxisgemeinschaft Dr. Elze  -  Behandlungsangebot
Psychotherapeuten  -  Freie Therapieplätze  -  Anfahrt

 



Impressum - Rechtliche Hinweise - Datenschutzerklärung
Bitte beachten Sie unsere Hinweise zu
Medizinischen Informationen und Gesundheitsthemen.


Zum Seitenanfang  -  Drucken Diese Seite drucken


© Dr. Sandra Elze und Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
Letzte Aktualisierung: Donnerstag, 24. März 2016
 

Deutsch  English  English  Español