Internetabhängigkeit: Prävalenz

Da bislang keine ausreichend validen Diagnosekriterien für die Internetabhängigkeit vorlagen, können die bisherigen Studien zur Prävalenz der Internetabhängigkeit nur bedingt miteinander verglichen werden. In den bisher durchgeführten Untersuchungen variierten die zu Grunde gelegten Kriterien je nach Forschungsgruppe zum Teil deutlich.

Soweit dementsprechend beurteilbar, wurde in den bisher durchgeführten Studien eine Prävalenz der Internetabhängigkeit von ca. 1 bis 10% ermittelt.


Prävalenz der Internetabhängigkeit bei Jugendlichen

Mehrere Studien zur Prävalenz der Internetabhängigkeit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben Prävalenzraten von ca. 1,5 bis 8% ermittelt, mit einer höheren Prävalenz bei Jugendlichen, die eine Vorgeschichte mit anderen psychischen Erkrankungen haben.


Epidemiologische Studien

Johansson und Götestam untersuchten die Prävalenz der Internetabhängigkeit in einer Stichprobe von 3237 norwegischen Jugendlichen im Alter von 12 - 18 Jahren (Response rate 45,2%). Von diesen Jugendlichen zeigten ca. 2% (Jungen 2,4%, Mädchen 1,5%) Anzeichen einer Internetabhängigkeit (vgl. Johansson 2004).

Kaltiala-Heino et al. führten eine Untersuchung bei 7292 Finnen im Alter von 12 - 18 Jahren durch. Ungefähr 1,5% der Jugendlichen erfüllten die Kriterien für eine Internetabhängigkeit (vgl. Kaltiala-Heino 2004).

Poli und Agrimi berichten über eine Studie mit 2533 italienischen Jugendlichen. Die Mehrzahl der Studienteilnehmer (94% der Antwortenden) wurden als unauffällige Internetnutzer eingestuft, 5% als moderat abhängig und 0,8% als schwer abhängig (vgl. Poli 2012). In einer früheren italienischen Studie berichteten Pallani et al. über eine Prävalenz der Internetabhängigkeit von 5,4% in einer Stichprobe von 275 italienischen Jugendlichen (vgl. Pallanti 2006).

Etwas höhere Prävalenzraten (8,2%) wurden von Siomos et al. in einer Untersuchung von griechischen Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 berichtet (vgl. Siomos 2008).

Bei iranischen High-School-Studenten fanden Ghassemzadeh et al. eine Prävalenz der Internetabhängigkeit von 3,8% (vgl. Ghassemzadeh 2008).

In einer Stichprobe von 1573 koreanischen High-School-Studenten diagnostizierten Kim et al. 1,6% als internetabhängig und 38% als möglicherweise internetabhängig (vgl. Kim 2006).

Xu et al. berichten in einer Studie über die Prävalenz der Internetabhängigkeit in einer Stichprobe von 5122 chinesischen Jugendlichen. 8,8% der Jugendlichen zeigten Symptome einer Internetabhängigkeit (vgl. Xu 2012).

In einer der größten bisherigen Studien untersuchten Rumpf et al. die Prävalenz der Internetabhängigkeit in Deutschland (PINTA) anhand einer Stichprobe von 15024 Personen im Alter von 14 bis 64 Jahren. Als Ergebnis zeigte sich eine Prävalenz von ca. 1,5% (Männer 1,7%, Frauen 1,3%) mit höheren Werten in der Gruppe der 14- bis 24-Jährigen (3,8%, davon Frauen 4,5% und Männer 3,0%). In der Gruppe der 14- bis 16-Jährigen zeigte sich eine noch höhere Prävalenz mit 6,3% (Mädchen 8,6%, Jungen 4,1%) (vgl. Rumpf 2011).

Müller et al. fanden bei 81 Patienten einer deutschen kinder- und jugendpsychiatrischen Einrichtung im Alter von 8 bis 17 Jahren bei 11% der Untersuchten einen komorbiden pathologischen Internetgebrauch (vgl. Müller 2012).