Internetabhängigkeit: Therapie

Obwohl die Internetabhängigkeit immer wieder ein Thema in den Medien war, gibt es nur wenige kontrollierte, doppelblinde Studien zur Therapie der Internetabhängigkeit. Die meisten der bisher durchgeführten Studien benutzten entweder inkonsistente Kriterien zur Definition der Internetabhängigkeit oder zeigten deutliche methodische Schwächen, oder beides.

Soweit bisher bekannt, können eine Psychotherapie, insbesondere die Kognitive Verhaltenstherapie, sowie Selbsthilfe-Programme hilfreich sein.

Basierend auf den Erfahrungen aus der Behandlung von anderen Suchterkrankungen und von Zwangsstörungen wird vermutet, dass Psychoedukation und Angehörigen-Beratung hilfreich sein können.

Bisher gibt es keine ausreichenden Daten zur medikamentösen Behandlung der Internetabhängigkeit. Es gibt einzelne Berichte zum Einsatz von Escitalopram, Bupropion, Methylphenidat sowie von Naltrexon.

Psychotherapie

Die Psychotherapie wird immer wieder als wichtigstes Element in der Therapie der Internetabhängigkeit diskutiert. Trotz der hohen Prävalenz der Internetabhängigkeit und den ausgeprägten Folgen, die diese Erkrankung für die Betroffenen haben kann, gibt es aber nur sehr wenige Studien zur Therapie der Internetabhängigkeit.

Psychoedukation

Ähnlich wie bei anderen Erkrankungen aus dem Bereich der Zwangsstörungen oder Suchterkrankungen erscheint die Psychoedukation ein hilfreiches Instrument in der Behandlung der Internetabhängigkeit zu sein. Klinische Studien zu diesem Thema wurden jedoch noch nicht veröffentlicht.

Kognitive Verhaltenstherapie

Wie oben bereits erwähnt wurden bisher nur wenige Studien zur Therapie der Internetabhängigkeit publiziert. Young berichtet über positive Effekte der Kognitiven Verhaltenstherapie in der Behandlung des pathologischen Internetgebrauchs (vgl. Young 2007).

Du et al. berichten über die Effekte einer Kognitiv-behavioralen Gruppentherapie zur Internetabhängigkeit für Jugendliche, die an der jeweiligen Schule angeboten wurde. In einer kontrollierten, randomisierten Studie mit 56 Betroffenen im Alter von 12 bis 17 Jahren erwies sich die Kognitiv-behaviorale Gruppentherapie als wirksam (vgl. Du 2010).

Die Johannes Gutenberg Universität Mainz führt aktuell eine randomisierte, einfach verblindete Multi-Center-Studie zur Effektivität einer manualisierten Kurzzeittherapie der Internetabhängigkeit (Short-term Treatment of Internet and Computer game Addiction - STICA) durch (vgl. Jäger 2012).

Darüber hinaus gibt es mehrere Studien aus China zum Einsatz der Kognitiven Verhaltenstherapie bei der Internetabhängigkeit (vgl. Bai 2007, Cao 2007, Fang-ru 2005, Lanjun 2009, Li 2009, Rong 2006, Zhu 2009), von denen aber die meisten noch nicht in autorisierter englischer Übersetzung vorliegen.

Acceptance and Commitment Therapy (ACT)

Twohig und Crosby behandelten 6 männliche Betroffene, die Symptome eines pathologischen Internet-Pornographie-Gebrauchs berichteten, mit acht 90-minütigen Sitzungen der so genannten Acceptance and Commitment Therapy (ACT). Die Behandlung führte zu einer 85%igen Reduktion des pornographischen Internetgebrauchs und einer 83%igen Reduktion im 3-Monats-Folllow-up (vgl. Twohig 2010).

Angehörigen-Beratung und Lehrer-Weiterbildungen

Es gibt einige Berichte, dass Angehörigen-Beratung und Lehrer-Weiterbildung in der Behandlung und Prävention der Internetabhängigkeit hilfreich sein können (vgl. Du 2010, Orzack 2006).

Medikamente / Pharmakotherapie

Es gibt bisher nur sehr wenig Studien zur medikamentösen Behandlung der Internetabhängigkeit. Die meisten der bisher veröffentlichten Studien zeigen darüber hinaus deutliche methodische Mängel.

Escitalopram

Dell’Osso et al. behandelten eine kleine Gruppe von Menschen mit Symptomen der Internetabhängigkeit (19 Erwachsene von denen 14 bis zum Ende an der Studie teilnahmen) mit Escitalopram, beginnend mit einer initalen Dosis von 10 mg/d und Steigerung auf 20 mg/d. Die open-label Behandlung mit Escitalopram wahr mit einer Verbesserung der Symptome der Internetabhängigkeit assoziiert (vgl. Dell’Osso 2008).

Bupropion

Han et al. behandelten 11 Patienten, welche die Kriterien für eine Online-Spiele-Sucht erfüllten, mit Bupropion SR (Bupropion sustained release). Nach 6 Wochen Behandlung mit Bupropion zeigten die Studienteilnehmer eine Reduktion des Cravings für die Online-Spiele, eine Reduktion der Gesamt-Online-Spieldauer sowie der so genannten cue-induced brain activity im dorsolateralen praefrontalen Kortex (vgl. Han 2010).

Methylphenidat

Han et al. behandelten 62 Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS), die Symptome einer Internetabhängigkeit zeigten, mit Methylphenidat. Nach 8 Wochen Behandlung zeigte sich eine reduzierte Punktwerte in der Young's Internet Addiction Scale - Korean version (YIAS-K) sowie in der Internet-Nutzungsdauer (vgl. Han 2009).

Naltrexon

Bostwick et al. berichten in einem Fallbericht über die Behandlung eines Patienten mit pathologischem Internet-Pornographie-Gebrauch mit Naltrexon (vgl. Bostwick 2008).

Multimodale Behandlung

Wie auch bei anderen seelischen Erkrankungen, wie z.B. Depressiven Störungen oder Angststörungen, erscheint die Multimodale Behandlung als der erfolgversprechendste Weg in der Therapie der Internetabhängigkeit. Wie oben bereits erwähnt sind diesbezüglich aber weitere Studien erforderlich.