Klinische Psychologie
und Psychotherapie

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Internetabhängigkeit: Therapie

Obwohl die Internetabhängigkeit immer wieder ein Thema in den Medien war, gibt es nur wenige kontrollierte, doppelblinde Studien zur Therapie der Internetabhängigkeit. Die meisten der bisher durchgeführten Studien benutzten entweder inkonsistente Kriterien zur Definition der Internetabhängigkeit oder zeigten deutliche methodische Schwächen, oder beides.

Soweit bisher bekannt, können eine Psychotherapie, insbesondere die Kognitive Verhaltenstherapie, sowie Selbsthilfe-Programme hilfreich sein.

Basierend auf den Erfahrungen aus der Behandlung von anderen Suchterkrankungen und von Zwangsstörungen wird vermutet, dass Psychoedukation und Angehörigen-Beratung hilfreich sein können.

Bisher gibt es keine ausreichenden Daten zur medikamentösen Behandlung der Internetabhängigkeit. Es gibt einzelne Berichte zum Einsatz von Escitalopram, Bupropion, Methylphenidat sowie von Naltrexon.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

Psychotherapie

Die Psychotherapie wird immer wieder als wichtigstes Element in der Therapie der Internetabhängigkeit diskutiert. Trotz der hohen Prävalenz der Internetabhängigkeit und den ausgeprägten Folgen, die diese Erkrankung für die Betroffenen haben kann, gibt es aber nur sehr wenige Studien zur Therapie der Internetabhängigkeit.

Psychoedukation

Ähnlich wie bei anderen Erkrankungen aus dem Bereich der Zwangsstörungen oder Suchterkrankungen erscheint die Psychoedukation ein hilfreiches Instrument in der Behandlung der Internetabhängigkeit zu sein. Klinische Studien zu diesem Thema wurden jedoch noch nicht veröffentlicht.

Kognitive Verhaltenstherapie

Wie oben bereits erwähnt wurden bisher nur wenige Studien zur Therapie der Internetabhängigkeit publiziert. Young berichtet über positive Effekte der Kognitiven Verhaltenstherapie in der Behandlung des pathologischen Internetgebrauchs (vgl. Young 2007).

Du et al. berichten über die Effekte einer Kognitiv-behavioralen Gruppentherapie zur Internetabhängigkeit für Jugendliche, die an der jeweiligen Schule angeboten wurde. In einer kontrollierten,  randomisierten Studie mit 56 Betroffenen im Alter von 12 bis 17 Jahren erwies sich die Kognitiv-behaviorale Gruppentherapie als wirksam (vgl. Du 2010).

Darüber hinaus gibt es mehrere Studien aus China zum Einsatz der Kognitiven Verhaltenstherapie bei der Internetabhängigkeit (vgl. Bai 2007, Cao 2007, Fang-ru 2005, Lanjun 2009, Li 2009, Rong 2006, Zhu 2009), die aber alle noch nicht in autorisierter englischer Übersetzung vorliegen.

Acceptance and Commitment Therapy (ACT)

Twohig und Crosby behandelten 6 männliche Betroffene, die Symptome eines pathologischen Internet-Pornographie-Gebrauchs berichteten, mit acht 90-minütigen Sitzungen der so genannten Acceptance and Commitment Therapy (ACT). Die Behandlung führte zu einer 85%igen Reduktion des pornographischen Internetgebrauchs und einer 83%igen Reduktion im 3-Monats-Folllow-up (vgl. Twohig 2010).

Angehörigen-Beratung und Lehrer-Weiterbildungen

Es gibt einige Berichte, dass Angehörigen-Beratung und Lehrer-Weiterbildung in der Behandlung und Prävention der Internetabhängigkeit hilfreich sein können (vgl. Du 2010, Orzack 2006).

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Medikamente / Pharmakotherapie

Es gibt bisher nur sehr wenig Studien zur medikamentösen Behandlung der Internetabhängigkeit. Die meisten der bisher veröffentlichten Studien zeigen darüber hinaus deutliche methodische Mängel.

Escitalopram

Dell’Osso et al. behandelten eine kleine Gruppe von Menschen mit Symptomen der Internetabhängigkeit (19 Erwachsene von denen 14 bis zum Ende an der Studie teilnahmen) mit Escitalopram, beginnend mit einer initalen Dosis von 10 mg/d und Steigerung auf 20 mg/d. Die open-label Behandlung mit Escitalopram wahr mit einer Verbesserung der Symptome der Internetabhängigkeit assoziiert (vgl. Dell’Osso 2008).

Bupropion

Han et al. behandelten 11 Patienten, welche die Kriterien für eine Online-Spiele-Sucht erfüllten, mit Bupropion SR (Bupropion sustained release). Nach 6 Wochen Behandlung mit Bupropion zeigten die Studienteilnehmer eine Reduktion des Cravings für die Online-Spiele, eine Reduktion der Gesamt-Online-Spieldauer sowie der so genannten cue-induced brain activity im dorsolateralen praefrontalen Kortex (vgl. Han 2010).

Methylphenidat

Han et al. behandelten 62 Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS), die Symptome einer Internetabhängigkeit zeigten, mit Methylphenidat. Nach 8 Wochen Behandlung zeigte sich eine reduzierte Punktwerte in der Young's Internet Addiction Scale - Korean version (YIAS-K) sowie in der Internet-Nutzungsdauer (vgl. Han 2009).

Naltrexon

Bostwick et al. berichten in einem Fallbericht über die Behandlung eines Patienten mit pathologischem Internet-Pornographie-Gebrauch mit Naltrexon (vgl. Bostwick 2008).

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Multimodale Behandlung

Wie auch bei anderen seelischen Erkrankungen, wie z.B. Depressionen oder Angststörungen, erscheint die Multimodale Behandlung als der erfolgversprechendste Weg in der Therapie der Internetabhängigkeit. Wie oben bereits erwähnt sind diesbezüglich aber weitere Studien erforderlich.

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Laufende klinische Studien

Effects of a Manualized Short-term Treatment of Internet and Computer Game Addiction (STICA)

Die Johannes Gutenberg Universität Mainz führt aktuell eine randomisierte, einfach verblindete Multi-Center-Studie zur Effektivität einer manualisierten Kurzzeittherapie der Internetabhängigkeit (Short-term Treatment of Internet and Computer game Addiction (STICA) durch (vgl. Jäger 2012).

Weitere Informationen >>

 

No further ongoing clinical trials have been reported.
 

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Zum Weiterlesen...

 

““Internet- und Computersucht”
 

Internet- und Computersucht

“Internet- und Computersucht:
Ein Praxishandbuch für Therapeuten, Pädagogen und Eltern”
von Christoph Möller (Hrsg.)

2. Auflage (2015)
 

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Literatur

Internetabhängigkeit: Therapie

Lehrbücher / Fachbücher

Frölich J, Lehmkuhl G (2012). Computer und Internet erobern die Kindheit: Vom normalen Spielverhalten bis zur Sucht und deren Behandlung. Stuttgart: Schattauer.
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Möller C (Hrsg.) (2011). Internet- und Computersucht; Ein Praxishandbuch für Therapeuten, Pädagogen und Eltern. Stuttgart: Kohlhammer.
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Schuhler P, Vogelsang M (2011). Abschalten statt Abdriften: Wege aus dem krankhaften Gebrauch von Computer und Internet. Weinheim, Basel: Beltz.
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Schuhler P, Vogelsang M (2012) Pathologischer PC und Internet-Gebrauch: Eine Therapieanleitung. Hogrefe.
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Wölfling K, Jo C, Bengesser I, Beutel ME, Müller KW (2013). Computerspiel- und Internetsucht – Ein kognitiv-behaviorales Behandlungsmanual. Stuttgart: Kohlhammer.
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Young KS (1998 a). Caught in the net. How to recognize the signs of internet addiction and a winning strategy for recovery. New York: John Wiley & Sons.
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Young KS, Nabuco de Abreu C (2011). Internet Addiction: A Handbook and Guide to Evaluation and Treatment. Hoboken: John Wiley & Sons.
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Meta-Analysen / Reviews

Byun S, Ruffini C, Mills JE, Douglas AC, Niang M, Stepchenkova S, Lee SK, Loutfi J, Lee JK, Atallah M, Blanton M (2009). Internet addiction: metasynthesis of 1996-2006 quantitative research. Cyberpsychol Behav 12(2): 203–7.
Abstract >>

Cash H, Rae CD, Steel AH, Winkler A (2012). Internet Addiction: A Brief Summary of Research and Practice. Curr Psychiatry Rev 8(4): 292–8.
Abstract >>
Full text (pdf) >>

King DL, Delfabbro PH, Griffiths MD, Gradisar M (2011). Assessing clinical trials of internet addiction treatment: A systematic review and CONSORT evaluation. Clinical Psychology Review 31: 1110–6.

Young KS (2009). Internet addiction: Diagnosis and treatment considerations. Journal of Contemporary Psychotherapy 39: 241–46.

Weinstein A, Lejoyeux M (2010). Internet addiction or excessive Internet use. The American Journal of Drug and Alcohol Abuse. 36(5): 277–83.
Abstract >>

Winkler A, Dörsing B, Rief W, Shen Y, Glombiewski JA (2013). Treatment of internet addiction: A meta-analysis. Clinical Psychology Review 33: 317–329.
Abstract >>

Young KS (1998 b). Internet addiction: The emergence of a new clinical disorder. Cyberpsychol Behav 1(3): 237–44.
Abstract >>

 

Original Research Articles / Klinische Studien

Bai Y, Fan FM (2007). The effects of group counseling on internet-dependent college students [Article in Chinese]. Chinese Mental Health Journal 21(4): 247–50.

Bostwick JM, Bucci JA (2008). Internet sex addiction treated with naltrexone. Mayo Clin Proc 83(2):226-30.
Abstract >>

Cao F-L, Su L-Y, Gao X-P (2007). Control study of group psychotherapy on middle school students with internet overuse [Article in Chinese]. Chinese Mental Health Journal 21(5): 346–9.

Dell'Osso B, Hadley S, Allen A, Baker B, Chaplin WF, Hollander E. (2008). Escitalopram in the treatment of impulsive–compulsive Internet usage disorder: an open-label trial followed by a double-blind discontinuation phase. J Clin Psychiatry. 2008 Mar;69(3):452-6.
Abstract >>

Du YS, Jiang W, Vance A (2010). Longer term effect of randomized, controlled group cognitive behavioural therapy for Internet addiction in adolescent students in Shanghai. Aust N Z J Psychiatry 44(2): 129-34.
Abstract >>

Fang-ru Y, Wei H (2005). The effect of integrated psychosocial intervention on 52 adolescents with internet addiction disorder [Article in Chinese]. Chinese Journal of Clinical Psychology 13(3):343–5.

Han DH, Lee YS, Na C, Ahn JY, Chung US, Daniels MA, Haws CA, Renshaw PF. (2009). The effect of methylphenidate on Internet video game play in children with attention-deficit/hyperactivity disorder. Compr Psychiatry 50(3):251-6.
Abstract >>

Han DH, Hwang JW, Renshaw PF (2010). Bupropion sustained release treatment decreases craving for video games and cue-induced brain activity in patients with Internet video game addiction. Exp Clin Psychopharmacol 18(4): 297-304.
Abstract >>

Jäger S, Müller KW, Ruckes C, Wittig T, Batra A, Musalek M, Mann K, Wölfling K, Beutel ME (2012). Effects of a manualized short-term treatment of internet and computer game addiction (STICA): study protocol for a randomized controlled trial. Trials 13: 43.
Full text (pdf) >>

Kim JU (2008). The effect of a R/T group counseling program on the internet addiction level and self-esteem of internet addiction university students. International Journal of Reality Therapy 27: 4–12.

Lanjun Z (2009). The applications of group mental therapy and sports exercise prescriptions in the intervention of internet addiction disorder [Article in Chinese]. Psychological Science (China), 32, 738–41.

Li G, Dai X-Y (2009). Control study of cognitive–behavior therapy in adolescents with internet addiction disorder [Article in Chinese]. Chinese Mental Health Journal 23(7 ):457–70.

Orzack MH, Voluse AC, Wolf D, Hennen J (2006). An ongoing study of group treatment for men involved in problematic internet-enabled sexual behavior. Cyberpsych Behav 9(3) 348–60
Abstract >>

Rong Y, Zhi S, Yong Z (2006). Comprehensive intervention on internet addiction of middle school students [Article in Chinese]. Chinese Mental Health Journal 19(7): 457–9.

Shek, D. T. L., Tang, V.M. Y., & Lo, C. Y. (2009). Evaluation of an internet addiction treatment program for Chinese adolescents in Hong Kong. Adolescence, 44, 359–373.

Twohig MP, Crosby JM (2010). Acceptance and commitment therapy as a treatment for problematic internet pornography viewing. Behav Ther 41(3): 285–295.
Abstract >>

Young KS (2007). Cognitive behavior therapy with internet addicts: Treatment outcomes and implications. Cyberpsychol Behav 10(5): 671–9.
Abstract >>

Zhu TM, Jin RJ, Zhong XM (2009). Clinical effect of electroacupuncture combined with psychologic interference on patient with internet addiction disorder [Article in Chinese]. Chinese Journal of Integrated Traditional and Western Medicine 29(3): 212–214.
Abstract >>

 


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Letzte Aktualisierung: Donnerstag, 24. März 2016
 

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