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Messie-Syndrom

Im deutschen Sprachraum werden unter der Bezeichnung Messie-Syndrom immer wieder drei sehr verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst, das Pathologische Horten, das Desorganisationssyndrom und das Verwahrlosungssyndrom, auch Vermüllungssyndrom genannt.

Pathologisches Horten, Desorganisation oder Verwahrlosungssyndrom?

Eine Unterteilung des Messie-Syndroms in die oben genannten drei Untergruppen - Pathologisches Horten, Desorganisationssyndrom und  Verwahrlosungssyndrom - ist aber zwingend erforderlich, da alle Störungsbilder unterschiedliche Ursachen und auch unterschiedliche Auswirkungen haben, und dementsprechend auch unterschiedlich behandelt werden müssen.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

Pathologisches Horten

Pathologisches Horten (engl. Hoarding Disorder), auch bekannt als zwanghaftes Horten, Sammelzwang oder Messie-Syndrom, ist charakterisiert durch ein exzessives Sammeln oder Aufheben von Gegenständen, das - im Gegensatz zum “normalen Sammeln” - zu einer zunehmenden Unordnung in der Wohnung der Betroffenen und/oder an ihrem Arbeitsplatz führt, und das zu einer zunehmenden Einschränkung in sozialen und/oder beruflichen Bereichen führt.

Weiterlesen: Pathologisches Horten

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Desorganisationssyndrom

Im Gegensatz zum Pathologischen Horten, bei dem die Gegenstände mehr oder wenig “aktiv” gesammelt werden, leiden die Betroffenen beim Desorganisationssyndrom insbesondere darunter, dass es ihnen nicht gelingt, die alltäglich anfallende Unordnung wieder zu strukturieren.

Dies ist zu Anfang noch wenig beeinträchtigend, vielleicht gehen einmal einige Briefe verloren oder eine Rechnung wird zu spät bezahlt. Ab einem gewissen Punkt verlieren die von der Desorganisation Betroffenen aber die Kontrolle über ihr Lebensumfeld: Die Berge an ungeöffneter Post wachsen, die Stapel mit “Dingen, die ich längst schon abheften wollte” nehmen immer mehr zu, in der Küche wächst das Chaos, im Kleiderschrank findet sich nichts mehr, die Schubladen gehen nur noch mit ganz viel Kraft zu... und plötzlich kommt ein immenses Gefühl der Überforderung und des Kontrollverlustes.

Zu diesem Zeitpunkt hat sich dann oftmals in der Wohnung oder am Arbeitsplatz der Betroffenen bereits eine solche Menge an Dingen angehäuft, dass die Aufgabe, wieder Ordnung herzustellen, erst einmal vollkommen unrealistisch und überfordernd erscheint.

Als Konsequenz daraus verlieren die meisten Betroffenen dann zunächst einmal den Mut, denn “Egal wo ich anfange, Aufräumen würde ja eh’ nichts bringen, dafür ist es viel zu viel...!”

Und genau deswegen ist in dieser Situation oftmals eine Unterstützung von Außen, zum Beispiel durch andere Betroffene oder durch einen Therapeuten hilfreich, denn oftmals kann erst mit einiger Hilfe genügend Energie für das Entdesorganisieren gefunden werden.

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Verwahrlosungssyndrom / Vermüllungssyndrom

In Medienberichten zum Messie-Syndrom werden demgegenüber häufig Erkrankte gezeigt, die unter einem Verwahrlosungssyndrom, auch als Vermüllungssyndrom bezeichnet, leiden.

Während das Pathologische Horten ein eher aktiver Prozess ist, bei dem die Betroffenen zumindest zu Beginn der Erkrankung mit dem Horten bzw. Sammeln ein “positives” Ziel verbunden hatten, entsteht das Verwahrlosungssyndrom zumeist passiv, indem sich in der Wohnung der Erkrankten mit der Zeit immer mehr Objekte und Unrat anhäufen.

Beim Pathologischen Horten werden zumeist mehr oder weniger gebrauchsfähige Objekte beziehungsweise Alltagsgegenstände angesammelt. Auch beim Desorganisationssyndrom sammeln sich vorrangig die üblichen Alltagsgegenstände an. Beim Verwahrlosungs- oder Vermüllungssyndrom dagegen häufen sich darüber hinaus auch zunehmend Abfälle und zum Teil auch Fäkalien in der Wohnung der Erkrankten an.

Das Verwahrlosungssyndrom tritt häufig sekundär bei Menschen auf, die unter anderen Grunderkrankungen wie zum Beispiel Demenz oder Suchterkrankungen leiden. Auch schwere Lebensereignisse, wie der Verlust des Partners und/oder Einsamkeit, können im Verlauf zu einem Verwahrlosungssyndrom führen. Auch das Pathologische Horten und das Desorganisationsyndrom können im Verlauf bei einer zunehmenden Überforderung der Erkrankten in eine Verwahrlosungssyndrom übergehen.

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Messie-Syndrom: Therapie

Beim Pathologischen Horten sind sich die Erkrankten zumeist über die problematischen Seiten des Sammelns bewusst, so dass sie - auch wenn ihnen die Umsetzung zum Teil schwer fällt - eine Veränderung des Hortens anstreben. Da die Betroffenen darüber hinaus oftmals kognitiv sehr leistungsfähig sind, können in der Therapie psychotherapeutische Verfahren wie zum Beispiel die Verhaltenstherapie eingesetzt werden.

Ebenso beim Desorganisationssyndrom: Auch dort ist den Betroffenen zumeist bewusst, dass sie gewisse Probleme mit der Strukturierung des Alltags haben. In der Therapie wird deswegen vorrangig versucht, den Betroffenen zu helfen, wie sie eigenständig wieder zu mehr Struktur und Kontrolle finden können.

Beim Verwahrlosungssyndrom demgegenüber haben die Betroffenen häufig nur wenig Distanz zu den in ihrem Wohnumfeld entstandenen Vermüllungen und Verunreinigungen. Zusätzlich bestehen oftmals weitere Einschränkungen im Bereich der Selbstfürsorge, so dass letztendlich häufig vorrangig eine sozialtherapeutische und sozialpsychiatrische Betreuung der Betroffenen erfolgen muss.

Während die Erkrankten beim Pathologischen Horten und beim Desorganisationssyndrom zum Teil auch eigenständig wieder ein für sie lebenswerteres Wohnumfeld schaffen können, ist beim Verwahrlosungssyndrom meistens eine ”Entmüllung” durch Außenstehende erforderlich, was bei den Betroffenen leider zu einem weiteren Kontrollverlust führen kann. Darüber hinaus benötigen die Erkrankten beim Verwahrlosungssyndrom oftmals auch längerfristig eine regelmäßige sozialtherapeutische Unterstützung, um einer erneuten Vermüllung vorzubeugen.

Weiterlesen: Pathologisches Horten: Therapie

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“Wenn Zwänge das Leben einengen”
 

Wenn Zwänge das Leben einengen

”Wenn Zwänge das Leben einengen” von Dr. Birgit Hofmann und Dr. Nicolas Hoffmann bietet zunächst einen Überblick über das Thema Zwangsstörungen, gefolgt von einer ausführlichen Erläuterung der verschiedenen Zwangserkrankungen, jeweils ergänzt durch praktische Übungen und Hilfen. Neben den verschiedenen Zwangshandlungen, wie z.B. Reinigungs-, Ordnungs- oder Sammelzwängen, werden auch Zwangsgedanken und “Grübelzwänge” sowie deren Behandlungsmöglichkeiten ausführlich beschrieben. Ergänzt wird das Buch durch ein Kapitel für Angehörige. Das Buch ist auch als eBook erhältlich.
 

Weiterlesen: “Wenn Zwänge das Leben einengen” - Buchrezension

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Letzte Aktualisierung: Freitag, 25. März 2016
 

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