Klinische Psychologie
und Psychotherapie

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Modell zur Aufrechterhaltung sozialer Ängste nach Clark und Wells

Das Kognitve Modell der Sozialen Phobie von D.M. Clark und A. Wells (1995), aich Modell zur Aufrechterhaltung sozialer Ängste genannt, versucht zu erklären, wie sich soziale Ängste chronifizieren können:

  • Ein Individuum mit einer sozialen Phobie kommt in eine angstauslösende soziale Situation.
     
  • Bei dem Betroffenen kommt es zu einer Aktivierung von belastenden Grundannahmen, wie z.B. „Ich mache immer alles falsch“. Parallel entwickelt er aktuelle Gedanken, in denen er die soziale Situation z.B. als „gefährlich“ oder „peinlich“ bewertet.
     
  • Der Betroffene bemerkt die körperlichen Reaktionen der Angst, wie Erröten, Schwitzen, Zittern, Herzrasen usw. Diese Reaktionen können entweder die bereits vorhandenen Gedanken verstärken oder zu neuen belastenden Gedanken führen (wie z.B. „Mein Zittern ist der Beweis, dass ich jetzt wirklich die Kontrolle verliere!“) führen. Hieraus kann sich schnell ein Teufelskreis entwickeln.
     
  • Es kommt zu einer Aufmerksamkeitsumlenkung von außen nach innen: Der Betroffene richtet seine Aufmerksamkeit weg von der Außenwelt auf seinen Körper und beobachtet sehr genau, was in seinem Körper vorgeht. Dabei spürt er z.B. sein Zittern und nimmt dies wiederum als Beweis, dass andere Menschen das Zittern ebenso bemerken. Dadurch werden die beunruhigenden Gedanken und die Angst immer weiter verstärkt. Einige Menschen mit sozialen Phobien entwickeln ein negatives Bild („Image“) von sich und sind überzeugt, dass alle anderen Menschen sie auch so sehen.
     
  • Der Betroffene entwickelt ein Sicherheitsverhalten als Versuch, die soziale Gefahr zu reduzieren und das gefürchtete Resultat zu verhindern. Ein typisches Sicherheitsverhalten ist  z.B. der Versuch, den Blickkontakt zu vermeiden. Ein anderes Beispiel für Sicherheitsverhalten ist z.B. der Versuch, sich bei einem Vortrag durch Festhalten des Kugelschreibers „beruhigen“ zu wollen und dadurch eine negative Beurteilung abwenden zu wollen. Das Sicherheitsverhalten führt jedoch dazu, dass die Betroffenen keine „gesunden“ Verhaltensweisen ausprobieren und auch nicht überprüfen oder nachfragen, ob Ihre Befürchtungen wirklich zutreffen. Manchmal kann das Sicherheitsverhalten die Situationen sogar noch verschlimmern.
     
  • Im weiteren Verlauf entwickelt der Betroffene eine ausgeprägte Erwartungsangst. Er überlegt vor der nächsten gefürchteten sozialen Situation häufig bis ins Detail, was alles schief gehen könnte und führt sich vergangene Misserfolge vor Augen.
     
  • Zusätzlich entwickeln die Betroffenen oft eine sehr negative nachträgliche Situationsbewertung. Ihre belastenden Gedanken sind häufig nicht mit dem Verlassen der Situation vorbei, die Betroffenen leiden vielmehr unter einem langen Nachgrübeln. Sie versuchen zu  „Analysieren“, was in der Situation alles schief gelaufen ist und was sie „falsch“ gemacht haben. Da soziale Situationen häufig uneindeutig sind, können die Betroffenen oft Signale von anderen in einem viel negativeren Sinne sehen, als sie tatsächlich waren. Häufig passiert es auch, dass ein an einer sozialen Phobie Erkrankter eine Situation als Versagen interpretiert, während ein außen stehender Beobachter die gleiche Situation neutral bewerten würde.

(vgl. Clark 1995)

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

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Literatur

Kognitives Modell der Sozialen Phobie nach Clark und Wells

Clark DM, Wells A (1995). A cognitive model of social phobia. In: Heimberg RG, Liebowitz MR, Hope DA, Schneier FR (Eds.) Social Phobia: Diagnosis, assessment and treatment. New York, London: Guilford.

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Soziale Phobie: Fachbücher
 

American Psychiatric Association (2013). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5). Arlington: American Psychiatric Publishing.
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Soziale Phobie: Leitlinien
 

Bandelow B, Wiltink J, Alpers GW, Benecke C, Deckert J et al. (2014): Deutsche S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen.
Online-Version >>

Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (Hrsg.) (2000). Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Angsterkrankungen. In: Dengler W, Selbmann HK (Hrsg.). Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Angsterkrankungen. Steinkopff-/Springer-Verlag.

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (Hrsg.) (2007). Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von psychischen Störungen im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter. 3. Auflage. Deutscher Ärzte-Verlag.

 


© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 




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Letzte Aktualisierung: Freitag, 25. März 2016
 

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