Klinische Psychologie
und Psychotherapie

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Pathologisches Horten

Pathologisches Horten (engl. Hoarding Disorder), auch bekannt als zwanghaftes Horten, Sammelzwang oder Messie-Syndrom, ist charakterisiert durch ein exzessives Sammeln oder Aufheben von Gegenständen, das - im Gegensatz zum “normalen Sammeln” - zu einer zunehmenden Unordnung in der Wohnung der Betroffenen und/oder an ihrem Arbeitsplatz führt, und das zu einer zunehmenden Einschränkung in sozialen und/oder beruflichen Bereichen führt.

Die Aufgabe, einige oder alle der gehorteten Gegenstände wegzuwerfen, führt bei den Betroffenen zu einem ausgeprägten Unwohlsein. Selbst der Gedanke, sich von einigen dieser Objekte trennen zu müssen, führt bei den vom Pathologischem Horten Menschen zu aversiven emotionalen Reaktionen, wie z.B. Stimmungstief, Ängstlichkeit oder Gereiztheit.

Die meisten der gehorteten Gegenstände würden von anderen Menschen als wertlos betrachtet werden, aber die Betroffenen, die unter Pathologischem Horten leiden, erleben eines überwältigendes Bedürfnis, diese Gegensände zu behalten - weil sie diese Gegenstände in Zukunft brauchen könnten, und/oder weil sie sich ohne diese Objekte unwohl oder unsicher fühlen würden.

Während das Sammeln beim Pathologische Horten ein eher aktiver Vorgang ist, kommt es beim Desorganisationssyndrom und beim Verwahrlosungssyndrom zu einer vorwiegend passiven Ansammlung von Objekten.

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

Prävalenz

Die Prävalenz des Pathologischen Hortens wird auf ca. 2 bis 5% in de Allgemeinbevölkerung geschätzt.

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Diagnose

Pathologisches Horten ist durch die folgenden Merkmale charakterisiert:

  • Ausgeprägte Schwierigkeiten, Objekte wegzuwerfen, mit einem übermächtigen Bedürfnis, diese Gegenstände aufzuheben und/oder einem deutlichen Unwohlsein beim Wegwerfen dieser Objekte.
  • Anhäufung einer Vielzahl von Gegenständen, welche die Wohnung oder den Arbeitsplatz der Betroffenen zu so einem Ausmaß anfüllen, dass ihre Benutzung zu ihrem ursprünglichen Zweck nicht mehr oder nur stark eingeschränkt möglich ist.
  • Das Pathologische Horten führt zu einem deutlichen, klinisch relevanten Unwohlsein und/oder zu deutlichen Einschränkungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionen, einschließlich der Aufgabe, für sich selbst oder andere eine sichere Umgebung aufrecht zu erhalten.
  • Das Pathologische Horten wird nicht besser durch eine andere psychische Erkrankung oder als Symptom einer psychischen Störung, wie z.B. einer bipolaren affektiven Störung oder einer psychotischen Störung, erklärt.
     

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Symptome

Zu den Symptomen des Pathologischen Hortens gehören u.a.:

  • Exzessives Sammeln oder Aufheben von Gegenständen des Alltagsgebrauchs.
  • Aversive emotionale Reaktionen, wie z.B. Stimmungstief, Ängstlichkeit oder Gereiztheit, bei der Konfrontation mit dem Gedanken, dass einige der gehorteten Objekte weggeworfen werden sollen.
  • Toleranzentwicklung mit einem zunehmenden Anstieg des Hortens, um das gleiche Maß an Befriedigung zu erzielen.
  • Kontrollverlust mit einem andauernden Bedürfnis und/oder erfolglosen Versuchen, das Pathologische Horten zu reduzieren oder aufzugeben.
  • Missachtung der negativen Konsequenzen des Pathologischen Hortens, mit einem andauerndem exzessiven Horten trotz der Gewissheit, dass es zu aktuellen psychischen oder sozialen Problemen führt oder vorbestehende Probleme verstärkt.
  • Abwehr aversiver Emotionen, wie z.B. Gefühlen von Hilflosigkeit, Einsamkeit oder Ängstlichkeit, als eine (kurzfristige) “positive” Konsequenz des Pathologischen Hortens.
  • Verlust von Sozialkontakten, Interessen, früheren Hobbys usw. als eine (langfristige) Konsequenz des pathologischen Hortens.
  • Täuschung von Familienangehörigen, Freunden, Therapeuten usw. - sowie von sich selbst über das wahre Ausmaß des Pathologischen Hortens.
     

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DSM-5 300.3

Die American Psychiatric Association (APA) hat das Pathologisches Horten als so genannte Hoarding Disorder in die 5. Revision des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders - DSM-5 aufgenommen (Ziffer 300.3).

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Therapie

Für die Therapie des Pathologischen Hortens werden die Psychotherapie, insbesondere die Kognitive Verhaltenstherapie, sowie die medikamentöse Behandlung empfohlen.

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Zum Weiterlesen...

 

“Nie wieder Chaos”
 

Nie wieder Chaos

Mit “Nie wieder Chaos!” von Cynthia Townley Ewer findet sich endich ein Buch, dass von einer Betroffenen für Betroffene geschrieben wurde - und dass sich nicht nur auf gute Ratschläge für Menschen mit  Desorganisation, Sammelzwang oder Messie-Syndrom beschränkt, sondern dass wirkliche praktische Hilfen anbieten kann.

 

Weiterlesen: “Nie wieder Chaos” - Buchrezension

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Literatur

Verhaltenssüchte: Fachbücher
 

American Psychiatric Association (2013). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5). Arlington: American Psychiatric Publishing.
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Verhaltenssüchte: Leitlinien
 

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Letzte Aktualisierung: Freitag, 25. März 2016
 

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