Klinische Psychologie
und Psychotherapie

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Posttraumatische Belastungsstörung
(PTBS / PTSD): Diagnose nach DSM-5

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) wird im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5) der American Psychiatric Association (APA) gemeinsam mit der Akuten Belastungsstörung, den Anpassungsstörungen und ähnlichen Erkrankungen in einem neuen Kapitel, den so genannten Trauma- and Stressor-Related Disorders, aufgeführt.
 

PTBS: Diagnose nach DSM-5

Für die Diagnose der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) wird im DSM-5 zunächst unterschieden, ob die Betroffenen älter als sechs Jahre sind oder jünger.

Für alle Betroffenen, die älter als sechs Jahre sind, gelten im DSM-5 unter anderem die folgenden, hier gekürzt wiedergegebenen, Diagnosekriterien:

A: Die Betroffenen waren über einen oder mehrere der unten genannten Wege Tod (tatsächlich oder angedroht), schwerwiegenden Verletzungen oder sexueller Gewalt ausgesetzt:

  1. Direktes Erleben des traumatisierenden Ereignisses,
  2. Persönliches Miterleben, wie das traumatisierende Ereignis anderen zustößt,
  3. Erfahren, daß das traumatisierende Ereignis einem engen Familienmitglied oder einem engen Bekannten zugestoßen ist. (Bezüglich des tatsächlichen oder angedrohten Todes muss der Todesfall durch ein gewaltsames Ereignis oder einen Unfall geschehen sein.)
  4. Wiederholte oder sehr extreme Konfrontation mit aversiven Details des traumatischen Ereignisses.

(Anmerkung: Mit den Kriterien A3 und A4 wurde unter anderem den jüngeren US-amerikanischen Geschichtsereignissen sowie den berufsbedingten Traumatisierungen von Angehörigen der Hilfsorgane - also z.B. von Polizisten, die wiederholt mit Fällen von Kindesmißbrauch konfrontiert waren - Beachtung gegeben.)
 

B: Es bestehen eines (oder mehrere) der folgenden, mit dem Trauma assoziierten Symptome (Der Beginn der Symptome war nach dem Auftreten des traumatisierenden Ereignisses):

  1. Wiederholte, unwillkürliche und aufdrängende Erinnerungen an das traumatische Ereignis.
  2. Wiederholte Albträume, bei denen Inhalte oder Gefühle des Traums mit dem traumatischen Ereignis assoziiert sind.
  3. Dissoziationen (z.B. Flashbacks), in denen sich der Betroffene so fühlt oder sich so verhält, als ob das traumatisierende Ereignis wider stattfinden würde.
  4. Ausgeprägtes oder anhaltendes seelisches Leiden bei Konfrontation mit (inneren oder externen) Reizen, die das traumatische Ereignis symbolisieren oder die einem Aspekt des traumatisierenden Ereignis ähnlich sind.
  5. Deutliche physiologische Reaktion auf (innere oder externe) Reize, die das traumatische Ereignis symbolisieren oder die einem Aspekt des traumatisierenden Ereignis ähnlich sind.

Bei Kindern (älter als 6 J.) können die Symptome 1-3 in etwas veränderter Form auftreten:

  • Bezüglich Symptom 1 können bei Kindern auch wiederholte Spiele, die das traumatisierende Ereignis oder Aspekte davon als Inhalt haben, auftreten.
  • In Bezug auf Symptom 2 können Albträume ohne erinerbaren Inhalt auftreten.
  • Bezüglich Symptom 3 kann bei Kindern auch ein trauma-spezifisches Nachstellen in Spielen erfolgen.

C: Es besteht eine anhaltende Vermeidung von Stimuli, die mit dem traumatischen Ereignis assoziiert sind, wie zum Beispiel eine  Vermeidung (oder der Versuch zu Vermeiden) von mit dem traumatisierenden Ereignis verbundenen belastenden Erinnerungen, Gedanken, Gefühlen sowie von externen Bedingungen (wie z.B. Personen oder Orten) mit dem traumatisierenden Ereignis verbundene Gedanken oder Gefühle hervorrufen.

D: Negative Veränderungen in mit dem Trauma assoziierten Kognitionen oder Affekten, wie zum Beispiel

  1. die Unfähigkeit, wichtige Aspekte des traumatischen Ereignisses zu erinnern,
  2. anhaltende oder übersteigerte negative Überzeugungen bzw. Erwartungen in Bezug auf die eigene Person, andere Personen oder “die Welt”.
  3. Anhaltende veränderte Gedanken über die Ursache oder die Folgen des traumatischen Ereignisses.
  4. Anhaltend negatives Gefühlserleben, wie z.B. Angst, Schuld, Schamgefühle.
  5. Deutliche Verminderung von Interesse oder sozialen Aktivitäten.
  6. Gefühl der Losgelöstheit oder Entfremdung von anderen.
  7. Eingeschränkte Wahrnehmung von positiven Affekten (z.B. Unfähigkeit, zärtliche Gefühle zu empfinden.

E: Deutliche Veränderungen in der Erregbarkeit und den Reaktionen, wie zum Beispiel Reizbarkeit oder Wutausbrüche, leichtsinniges oder selbstzerstörerisches Verhalten, Hypervigilanz, Schreckhaftigkeit, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen.

F-G: Die Beschwerden (B-E)

  • dauern für mindestens 1 Monat an,
  • verursachen in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigung in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen und
  • sind nicht besser durch Substanzeinfluss oder eine andere Erkrankung erklärbar.

(vgl. APA 2013)

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

DSM-5: PTBS bei Kindern (6 Jahren und jünger)

Die Diagnosestellung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS / PTSD) ist bei Kindern häufig erschwert. Das DSM-5 trägt diesem Fakt Rechnung, indem zum einen für Kinder >6 Jahre Ergänzungen bei den Diagnosekriterien gelten und zum anderen für Kinder im Alter von 6 Jahren und jünger eigene Diagnosekriterien für die PTBS aufgestellt wurden.

Für die ausführlichen DSM-5-Diagnosekriterien der PTBS bei Kindern im Alter von 6 Jahren und jünger möchten wir an diese Stelle direkt auf das DSM-5 verweisen, da eine ausführliche Darstellung den Umfang dieser Seite überschreiten würde.

(vgl. APA 2013)

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

PTBS: DSM-5 309.81

Der Diagnoseschlüssel für die Posttraumatische Belastungsstörung hat sich zwischen DSM-IV und DSM-5 nicht geändert.

Die PTBS wird auch im DSM-5 weiter unter der Ziffer 309.81 geführt.

(vgl. APA 2013)

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

PTBS: Vergleich DSM-IV und DSM-5

Veränderungen zwischen DSM-IV und DSM-5

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) wird im DSM-5 gemeinsam mit der Akuten Belastungsstörung, den Anpassungsstörungen und ähnlichen Erkrankungen in einem neuen Kapitel, den so genannten Trauma- and Stressor-Related Disorders, aufgeführt.

Die noch im DSM-IV übliche Zuordnung der PTBS in das Kapitel der Angststörungen, die wiederholt kritisiert worden war, wurde somit in der aktuellen Fassung des DSM aufgegeben.

Als weitere Veränderung gegenüber dem DSM-IV wurde im DSM-5 das frühere Kriterium A2, das so genannte “Stressor-Kriterium”,  nach dem der Betroffene bei Erleben der traumatisierenden Situation “Angst, Hilflosigkeit oder Furcht” erfahren musste, gestrichen.
 

Trauma- and Stressor-Related Disorders

Das neue DSM-5-Kapitel der Trauma- and Stressor-Related Disorders umfasst die folgenden Störungsbilder:

  • Reactive Attachment Disorder (DSM-5: 313.89),
  • Disinhibited Social Engagement Disorder (DSM-5: 313.89),
  • Posttraumatic Stress Disorder (DSM-5: 309.81),
  • Acute Stress Disorder (DSM-5: 308.3),
  • Adjustment Disorders
    • with depressed mood (DSM-5: 309.0),
    • with anxiety (DSM-5: 309.24),
    • with anxiety and depressed mood (DSM-5: 309.28),
    • with disturbance of conduct DSM-5: (309.3),
    • with mixed disturbance of emotions and conduct
      (DSM-5: 309.4)
    • unspecified (DSM-5: 309.9)
  • Other Specified Trauma- and Stressor-Related Disorder
    (DSM-5: 309.89),
  • Unspecified Trauma- and Stressor-Related Disorder
    (DSM-5: 309.9).

Weiterlesen: Trauma- and Stressor-related Disorders

(vgl. APA 2013)
 

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 

Zum Weiterlesen...

 

“DSM-5”
 

DSM-5

Die American Psychiatric Association hat nach mehrjähriger Überarbeitung die 5. Auflage des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5) veröffentlicht. Das DSM-5 umfasst neben den aktuellen Diagnosekriterien der psychischen Erkrankungen unter anderem auch die Kriterien der wichtigsten “neuen” Störungsbilder und gehört schon jetzt zu einem Standardwerk der Psychiatrie und Psychotherapie.
 

Weiterlesen: “DSM-5”

Dieses Buch im Online-Buchhandel: Amazon.de   Buch.de   Bücher.de

Literatur

PTBS: DSM-5
 

American Psychiatric Association (2013). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5). Arlington: American Psychiatric Publishing.
Dieses Buch bei Amazon.de >>

APA (2012). American Psychiatric Association Board of Trustees Approves DSM-5. Arlington: APA News Release.

 

PTBS: Fachbücher
 

American Psychiatric Association (2013). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5). Arlington: American Psychiatric Publishing.
Dieses Buch bei Amazon.de >>

 

PTBS: Leitlinien
 

Flatten G, Gast U, Hofmann A, Knaevelsrud Ch, Lampe A et al. (2011). S3 - Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung. Trauma & Gewalt 3: 202-210.

National Institute for Clinical Excellence - NICE (2005): Post-traumatic stress disorder (PTSD). London: NICE (Clinical Guideline 26).

 


© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 




Leserbewertung:

5 Sterne   5  Sterne   ( 12  Leser haben diesen Artikel bewertet.)

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

        




 


Diese Seite empfehlen:





Haben Sie weitere Fragen oder interessieren Sie andere Themen?
Geben Sie hier Ihre Suchbegriffe ein, um unsere Internetseiten zu durchsuchen:
 

Loading



Gesundheit und Psyche

Informationen für Betroffene und Angehörige

Ängste und Phobien
Ängste und Phobien (Übersicht)  -  Agoraphobie  -  Panikattacken
Soziale Ängste  -  Spezifische Phobien  -  Generalisierte Ängste
Höhenangst  -  Klaustrophobie  -  Spinnenangst

Zwänge und Zwangsspektrumsstörungen
Zwänge (Übersicht)  -  Zwangshandlungen  -  Zwangsgedanken

Depressionen und Biplare Erkrankungen
Depressionen  -  Dysthymie  -  Bipolare Erkrankung  -  Zyklothymie

Burn-out und Belastungsreaktionen
Burn-out-Syndrom  -  PTSD/Traumatherapie  -  Anpassungsstörung

Beratungsstellen
Rosenheim  -  Traunstein  -  Miesbach  -  Wasserburg  -  München
Berchtesgadener Land  -  Salzburg  -  Kufstein

Stichwortverzeichnis (Von A bis Z)

 



Klinische Psychologie und Psychotherapie

Fachinformationen

Angststörungen
Angststörungen (Übersicht)  -  Agoraphobie  -  Panikstörung
Generalisierte Angststörung
Soziale Phobie  -  Spezifische Phobien

Zwangsspektrumsstörungen
Zwangsstörungen  -  Zwangsspektrumsstörungen
Verhaltenssüchte  -  Internetabhängigkeit

Affektive Störungen
Affektive Störungen (Übersicht)
Depressive Störungen  -  Dysthyme Störung
Bipolare Störungen  -  Zyklothyme Störung

Trauma- and Stressor-related Disorders
Trauma-/Stressor-related Disorders (Übersicht)  -  Akute Belastungsreaktion
Burn-out-Syndrom  -  Posttraumatische Belastungsstörung

Therapieverfahren
Therapieverfahren (Übersicht)
Kognitive Verhaltenstherapie  -  Psychodynamische Psychotherapie
Entspannungsverfahren  -  Psychopharmaka

Stichwortverzeichnis (Von A bis Z)

 



Praxis für Psychotherapie Dr. Elze

Praxisgemeinschaft Dr. Elze  -  Behandlungsangebot
Psychotherapeuten  -  Freie Therapieplätze  -  Anfahrt

 



Impressum - Rechtliche Hinweise - Datenschutzerklärung
Bitte beachten Sie unsere Hinweise zu
Medizinischen Informationen und Gesundheitsthemen.


Zum Seitenanfang  -  Drucken Diese Seite drucken


© Dr. Sandra Elze und Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
Letzte Aktualisierung: Freitag, 25. März 2016
 

Deutsch  English  English  Español