Wie werden Soziale Ängste behandelt?

Die Behandlung der Sozialen Ängste besteht aus mehreren Bausteinen. Ein wichtiges Behandlungselement ist dabei die Psychotherapie. In der Angsttherapie wird dabei versucht, die Ursachen für die Ängste zu ergründen und den Betroffenen wieder Lebensmut zu vermitteln. Ziel ist es, die Ängste abzubauen und die Selbstwirksamkeit der Betroffenen wieder zu steigern.

Bei der Sozialen Phobie können neben einer Gesprächspsychotherapie zusätzlich eine sogenannte Expositionstherapie sowie ein so genanntes Training der sozialen Kompetenzen durchgeführt werden.

Gegebenenfalls kann es vorübergehend notwendig sein, dass die Betroffenen Medikamente gegen ihre Ängste einnehmen. Diese sollten jedoch eher unterstützend eingesetzt werden und eine Psychotherapie nicht ersetzen.

Psychotherapie

Ein wirksames Therapieverfahren zur Behandlung der Sozialen Ängste ist die Kognitive Verhaltenstherapie.

In der Kognitiven Verhaltenstherapie geht es darum, dass die Betroffenen neue Erfahrungen sammeln sollen, um angstauslösende und aufrechterhaltende Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern. Im Verlauf der Therapie werden Techniken vermittelt und neue Verhaltensweisen ausprobiert.

Die Therapie beginnt mit einer Erfassung der aktuellen Schwierigkeiten und ihrer bisherigen Entwicklung. Um eine sichere Diagnose stellen zu können, erfragt der Therapeut zu Beginn, welche Symptome oder Probleme zum Aufsuchen professioneller Hilfe geführt haben und welche weiteren Problembereiche es gibt.

Gemeinsam mit dem Therapeuten erarbeitet der Betroffene dann möglichst konkrete Ziele, was sich durch die Therapie in welchen Lebensbereichen ändern soll. Beispiele hierfür sind: “Ich möchte mich mit Menschen unterhalten können, ohne ständig darüber nachzudenken, wie ich auf sie wirke.” oder “Ich möchte wieder mit Freunden etwas unternehmen.”

Psychoedukation

Zu Beginn der Therapie geht es darum, die eigenen Ängste zu verstehen. Hierzu erfolgt zunächst eine Information zu möglichen Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der Sozialen Phobie durch den Therapeuten. Anschließend erarbeiten Therapeut und Patient gemeinsam ein individuelles Modell der Entstehung und Aufrechterhaltung der sozialen Ängste. Dabei werden insbesondere auch aufrechterhaltende Grundannahmen und Sicherheitsverhalten herausgearbeitet.

Expositionstraining

Wenn diese Zusammenhänge erarbeitet wurden, erfolgt eine schrittweise Reduzierung des Sicherheitsverhalten und der Selbstaufmerksamkeit durch das so genannte Expositionstraining, auch Expositionstherapie genannt.

Die Expositionstherapie, auch Konfrontationstherapie genannt, ist eine sehr wirksame Behandlungsmethode in der Therapie der Sozialen Ängste. Die Betroffenen erarbeiten bei dieser Behandlungsmethode zunächst zusammen mit ihren Therapeuten, welche Situationen die Ängste auslösen und welches Vermeidungsverhalten eventuell eingesetzt wird.

Nach einer ausführlichen Vorbereitungsphase, in der z.B. Übungen wie die Hyperventilation durchgeführt werden, können die Betroffenen in den Expositionen - unterstützt durch ihre Therapeuten - lernen, wie sie die angstbesetzten Situationen wieder aufsuchen können. Im weiteren Verlauf erlernen die Betroffenen, wie sie auch eigenständig ohne Begleitung des Therapeuten Expositionen wirksam durchführen können. Hierdurch können sie ihre Selbstwirksamkeit wieder erheblich verbessern und ihr Selbstwertgefühl wesentlich steigern.

Im Vergleich zur reinen Gesprächstherapie ist die Expositionstherapie ein wirksameres, jedoch auch sehr aufwendiges Therapieverfahren, das möglichst nur von Therapeuten mit großen Erfahrungen in der Angsttherapie eingesetzt werden sollte.

Durch Rollenspiele und Verhaltensexperimente erfolgt dann der Aufbau einer realistischeren Selbstwahrnehmung. Im weiteren Verlauf der Behandlung erlernen die Betroffenen, wie sie auch ohne Begleitung des Therapeuten Expositionen durchführen können. Parallel dazu werden ungünstige, selbstabwertende Gedanken und Grundannahmen hinterfragt und verändert.

Neben der Expositionstherapie ist es wichtig, dass die Betroffenen Strategien zum Unterbrechen ihrer belastenden Gedanken kennen lernen und erfahren, wie sie diese Gedanken in hilfreiche Kognitionen verändern können. Hierzu gibt es verschiedene Techniken, wie z.B. das sogenannte kognitive Umstrukturieren, die im Rahmen der Therapie erarbeitet werden können.

Kognitives Umstrukturieren belastender Gedanken

Häufig entwickelt sich bei Menschen mit Sozialen Ängsten ein sogenannter “Teufelskreis”, bei dem sich belastende Gedanken und Angstsymptome gegenseitig verstärken. Da bei den meisten Patienten mit sozialen Ängsten auch noch eine deutlich verstärkte Selbstaufmerksamkeit besteht, wird die Symptomatik durch diese verstärkte Selbstbeobachtung weiter angekurbelt. Die Selbstaufmerksamkeit verhindert außerdem, dass Erfahrungen, die die Reaktion der anderen Menschen betreffen, überprüft werden können, da die Reaktionen der Anderen gar nicht überprüft werden.

Stärkung des Selbstwertgefühls

Im nächsten Therapieabschnitt geht es um den Aufbau eines positiven Selbstwertgefühls. Menschen mit sozialen Ängste haben häufig sehr negative Überzeugungen über sich selbst. Diese negativen Überzeugungen werden im Rahmen der Therapie herausgearbeitet und hinterfragt. Schrittweise können so die Verzerrungen, die durch die negativen Überzeugungen entstehen abgebaut werden und eine realistischere Wahrnehmung erreicht werden.

Wenn die sozialen Ängste bereits in einem frühen Lebensalter auftritt, kann das Vermeidungsverhalten dazu führen, dass wichtige soziale Fertigkeiten nicht erlernt werden, was wiederum zu einer Veratärkung der Unsicherheit führt. Daher kann auch sinnvill sein zusätzlich zur Expositionstherapie ein Training sozialer Kompetenzen durchzuführen, in welchem die Betroffenen dieser sozialen Fertigkeiten ganz gezielt üben können.

Training sozialer Kompetenzen

Viele Betroffene haben neben den Ängsten auch große Probleme, sich in sozialen Situationen durchzusetzen, zu ihrem guten Recht zu kommen, Kritik zu äußern und zu empfangen, “Nein” zu sagen und so weiter. In diesem Fall kann ein Training der sozialen Kompetenzen sehr hilfreich sein, in dem die Betroffene genau diese Fertigkeiten (wieder) erlernen und üben können.

Das soziale Kompetenztraining sollte möglichst im Rahmen von Gruppenangeboten stattfinden, da die Betroffenen ja gerade ihren Umgang mit anderen Menschen verändern wollen, was letztendlich natürlich nur im Kontakt zu anderen Personen wirklich nachhaltig erlernbar ist.

Gruppentherapie

Die oben genannten Therapie können alle als Einzeltherapien durchgeführt werden. Gerade in der Behandlung der Sozialen Phobie können aber auch ergänzende Gruppentherapien sehr erfolgreich sein. Diese sind für die Betroffenen zu Beginn meist sehr anstrengend, da die Gruppensituation natürlich gerade für Menschen mit sozialen Ängsten sehr unangenehm sein kann.

Viele Betroffene fühlen sich aber im Therapieverlauf gerade durch die Gruppentherapien sehr entlastet, da sie in der Gruppe Menschen mit ähnlichen Problemen kennen lernen und sie sich mit ihren Ängsten nicht mehr allein(gelassen) fühlen müssen.

Das gegenseitige Verständnis in der Gruppe, die Rückmeldungen durch die anderen Gruppenmitglieder und das gemeinsame Üben können sehr wertvolle und hilfreiche Erfahrungen sein. Gerade die Durchführung von Expositionen und von so genannten Shame Attacks (Auffallübungen nach dem Motto “Wenn ich das kann, kann ich alles andere auch...!”) kann in der Gruppe trotz aller Anstrengung durchaus auch mit Spaß verbunden sein.

Selbsthilfe

Der Austausch mit anderen Betroffenen ist für viele Erkrankte ein wichtiger Baustein in der Behandlung der Sozialen Ängste. Der Besuch einer Selbsthilfe-Gruppe kann deswegen eine wertvolle Ergänzung der Therapie sein. Informationen über Selbsthilfe-Gruppen in Ihrer Region erhalten Sie zum Beispiel beim Verband der Selbsthilfe Soziale Phobie (VSSP).

Weitere Informationen: www.vssp.de

Medikamente

Je nach Ausprägung der Sozialen Ängste kann auch eine unterstützende Behandlung mit Medikamenten notwendig bzw. sinnvoll sein. Dabei werden oftmals bestimmte Antidepressiva (z.B. Paroxetin) eingesetzt, die neben einer Verbesserung der Stimmungslage auch eine Reduktion der Ängste bewirken können.

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   • Soziale Ängste: Medikamente