Soziale Phobie: Diagnose nach ICD-10

Die Diagnose Soziale Phobie wurde 1982 in das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-III) und 1992 in die Internationale Klassifikation der Krankheiten (International Classification of Diseases - ICD-10) aufgenommen.


ICD-10-GM

Die ICD-10 definiert die Soziale Phobie (ICD-10 F40.1) als eine Erkrankung mit Furcht vor prüfender Beachtung durch andere Menschen, die schließlich zur Vermeidung sozialer Situationen führt. Bei ausgeprägteren sozialen Phobien bestehen häufig ein niedriges Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik.

Die Soziale Phobie kann sich durch Beschwerden wie Erröten, Händezittern, Übelkeit oder Drang zum Wasserlassen äußern, die sich bis zu Panikattacken steigern können. Es kann vorkommen, dass die betroffene Person eines der sekundären Symptome der Angst, wie z.B. das Erröten, als das eigentliche Problem wahrnimmt und darstellt.

Ähnliche Begriffe für die Soziale Phobie sind Anthropophobie (Menschenangst) oder Soziale Neurose.


Diagnose der Sozialen Phobie nach den ICD-10-Forschungskriterien

Um die Diagnose einer Sozialen Phobie stellen zu können, müssen entweder das 1.oder das 2. Kriterium erfüllt sein:

  1. Deutliche Furcht im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen oder sich peinlich oder erniedrigend zu verhalten.

  2. Deutliche Vermeidung im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen oder von Situationen, in denen die Angst besteht sich peinlich oder erniedrigend zu verhalten.

Diese Ängste treten in sozialen Situationen auf, wie Essen oder Sprechen in der Öffentlichkeit, Begegnung von Bekannten in der Öffentlichkeit, Hinzukommen oder Teilnahme an kleinen Gruppen, wie z.B. bei Parties, Konferenzen oder in Klassenräumen.

Mindestens zwei der folgenden Angstsymptome in den gefürchteten Situationen müssen aufgetreten sein:

Zusätzlich muss mindestens eins der folgenden Symptome aufgetreten sein:

  1. Erröten oder Zittern
  2. Angst zu Erbrechen
  3. Miktions- oder Defäkationsdrang oder Angst davor

Es besteht eine dutliche emotionale Belastung durch die Angstsymptome oder das Vermeidungsverhalten sowie Einsicht, dass die Symptome oder das vermeidungsverhalten übertrieben und unvernünftig sind.

Die Symptome beschränken sich ausschließlich oder vornehmlich auf die gefürchteten Situationen oder auf Gedanken an diese.


Die Symptome sind nicht bedingt durch Wahn, Halluzinationen oder andere Symptome der Störungsgruppen organische psychische Störungen, Schizophrenie, affektive Störungen oder eine Zwangsstörung und sind nicht Folge von kulturell akzeptierten Anschauungen.

(vgl. Dilling 2011, Dilling 2013, DIMDI 2014)


Kinder und Jugendliche

Verschiedene Entwicklungsphasen in Kindheit und Jugend können entwicklungsbedingt auch mit ausgeprägten sozialen Ängsten einhergehen, ohne dass diese sozialen Ängste gleich krankheitswert haben müssen. Die Diagnose einer Sozialen Phobie sollte deswegen bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren erst nach sorgfältiger Diagnostik und frühestens bei Bestehen der Symptome über mindestens sechs Monate gestellt werden.