Klinische Psychologie
und Psychotherapie

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Zwangsstörungen

Zwangsstörungen (engl.: Obsessive-compulsive Disorders, OCD) sind Erkrankungen, bei denen die Betroffenen unter wiederkehrenden Gedanken oder Impulse leiden, welche sie immer wieder stereotyp und quälend beschäftigen.

Dabei wird in sogenannte Zwangsgedanken (engl.: obsessions) und in Zwangshandlungen (engl.: compulsions / compulsive rituals) unterschieden. Die Betroffenen versuchen häufig erfolglos, den Zwängen Widerstand zu leisten, so dass langfristig ein erheblicher Leidensdruck entstehen kann.

Die Zwänge werden häufig von einer ausgeprägten Angst begleitet, die sich verstärkt, wenn die Betroffenen versuchen, ihre Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen zu unterdrücken.

Den Betroffenen ist dabei zumindest in Bezug auf einige der Zwänge bewusst, dass diese Phänomene ihres eigenen Geistes sind, es gelingt ihnen aber trotzdem nicht, sich den Zwängen dauerhaft zu wiedersetzen.

Die Zwangsstörungen haben die Tendenz, sich unbehandelt immer mehr auszuweiten und  dadurch die Lebensqualität der Erkrankten deutlich einzuschränken.

Zwangsgedanken

Zwangsgedanken (engl. obsessions) sind Ideen, Vorstellungen oder Impulse, die den Betroffenen immer wieder stereotyp beschäftigen. Die Zwangsgedanken können die Form von zwanghaften Ideen, von bildhaften Vorstellungen oder von Zwangsimpulsen annehmen.

Die Zwangsgedanken richten sich häufig auf die Befürchtung, jemand anderem Schaden zugefügt zu haben bzw. in Zukunft zuzufügen („...ich habe den Radfahrer beim Überholen bestimmt angefahren...!“; „...ich könnte mein Kind verletzen...!“). Die Gedanken werden von den Betroffenen fast immer als quälend erlebt.

Eine besondere Form der Zwangsgedanken ist der Grübelzwang, bei dem die Betroffenen in endlose Überlegungen über Alternativen geraten und dadurch häufig die Fähigkeit verlieren, notwendige Entscheidungen des täglichen Lebens zu treffen.

Die vier wichtigsten Merkmale der Zwangsgedanken sind :

  • Wiederkehrende und anhaltend auftretende Gedanken, Impulse oder Bilder, welche sich den Betroffenen aufdrängen, und die bei den Beroffenen eine erhebliche Angst oder Unwohlsein auslösen.
  • Die Betroffenen versuchem, die Gedanken zu ignorieren oder zu unterdrücken oder durch andere Gedanken und Handlungen zu neutralisieren, ohne dass ihnen dieses dauerhaft gelingt.
  • Die Gedanken sind nicht alleine ausgeprägtere Sorgen über reale Probleme des Alltags.
  • Die Betroffenen erkennen, dass die Gedanken Produkte ihrer eigenen Vorstellung sind.

(vgl. Abramowitz 2009, APA 2013).

Zur genaueren Charakterisierung der Zwangsgedanken wird unterschieden, ob die Zwangsgedanken einen sogenannten Stimulus-Charakter oder einen Reaktions-Charakter haben.

Zwangsgedanken mit Stimulus-Charakter

Zwangsgedanken mit Stimulus-Charakter zeichnen sich dadurch aus, dass sie bei den Betroffenen zu einem Anstieg der Anspannung führen. Häufig haben diese Gedanken einen Warn- oder Befehlscharakter wie z.B. „Ich könnte / muss meinen Angehörigen verletzen!“. In den meisten Fällen sind diese Gedanken für die Betroffenen so angstbesetzt, dass sie „nicht zu Ende gedacht“ werden.

Zwangsgedanken mit Reaktionscharakter

Zwangsgedanken mit Reaktionscharakter werden demgegenüber von den Betroffenen (bewusst oder unbewusst) zur Reduktion ihrer Anspannung eingesetzt. Diese Gedanken sollen vorrangig andere bedrohliche (Zwangs-)Gedanken bzw. Impulse neutralisieren oder ungeschehen machen. In dem Diagnosemanual DSM-IV werden diese Gedanken deswegen nicht zu den Zwangsgedanken sondern zu den Zwangshandlungen gezählt.

Grübelzwang

Eine besondere Form der Zwangsgedanken stellt der Grübelzwang dar, bei dem die Erkrankten in endlose Überlegungen über Alternativen geraten, wodurch sie  häufig die Fähigkeit verlieren, notwendige Entscheidungen des täglichen Lebens zu treffen.

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© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

Zwangshandlungen

Zwangshandlungen (engl. compulsions) oder Zwangsrituale (engl. compulsive rituals) sind Stereotypien, die von den Betroffenen ständig wiederholt werden. Die Betroffenen erleben sie oft als Vorbeugung gegen ein (objektiv unwahrscheinliches) Ereignis, das ihnen oder anderen Schaden bringen könnte oder bei dem sie selbst Unheil anrichten könnten. Die Betroffenen selbst erleben dieses Verhalten zumeist als sinnlos und ineffektiv und versuchen immer wieder, gegen diese Verhalten anzugehen.

Zu den häufigsten Zwangshandlungen gehören Reinigungs- und Waschzwänge (z.B. Händewaschen, Duschen) sowie Kontrollzwänge (z.B. Haustür, Herd). Weitere typische Zwangshandlungen sind z.B. der Zählzwang, Ordnungszwang, Sammelzwang oder der Einkaufszwang.

Wie im Kapitel „Zwangsgedanken“ beschrieben, werden auch die sogenannten Zwangsgedanken mit Reaktionscharakter nach bestimmten Diagnosesystemen (DSM-IV, DSM-5) zu den Zwangshandlungen gezählt, da die Betroffenen durch diese Gedanken eine ganz bestimmte Wirkung erzielen möchten.

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Zwangsstörungen: Prävalenz

Zwangsstörungen treten häufig erstmals im späaten Jugendalter bzw. frühen Erwachsenenalter auf.

Die Lebenszeitprävalenz der Zwangsstörung liegt bei ca. 2-3%, die Punktprävalenz bei ca. 1%. Die meisten Betroffenen (ca. 80%) leiden unter einer Kombination aus Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Nur ein geringer Anteil der Betroffenen hat ausschließlich Zwangsgedanken.

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Zwangsstörungen: Diagnose nach ICD-10

Die Internationale Klassifikation der Krankheiten (International Classification of Diseases - ICD-10) definiert die Zwangsstörung (ICD-10 F42) als eine Erkrankung, die durch wiederkehrende Zwangsgedanken bzw. Grübelzwang und/oder durch wiederkehrende Zwangshandlungen bzw. Zwangsrituale gekennzeichnet ist. Dabei wird differenziert in die

  • Zwangsstörung mit vorwiegend Zwangsgedanken oder Grübelzwang (ICD-10 F42.0),
  • Zwangsstörung mit vorwiegend Zwangshandlungen (Zwangsritualen) (ICD-10 F42.1)
  • und die Zwangsstörung mit Zwangsgedanken und -handlungen, gemischt (ICD-10 F42.2).

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Zwangsstörungen: Testpsychologie

In der testpsychologischen Diagnostik der Zwangsstörung können verschiedene Testinstrumente zum Einsatz kommen, wie z.B das Maudsley Obsessive-Compulsive Inventory (MOCI), das Hamburger Zwangsinventar (HZI und HZI-K), die Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale (Y-BOCS) oder der Padua Zwangsfragebogen (Padua-R).

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Zwangsstörungen: Differenzialdiagnose

Beim Erstauftreten einer Zwangsstörung müssen im Rahmen der Diagnostik auch verschiedene Differentialdiagnosen beachtet werden. Dazu gehören einerseits andere psychische Erkrankungen, wie z.B. Depressive Störungen, Angststörungen, die zwanghafte Persönlichkeitsstörung, die Hypochondrische Störung, schizophrene Erkrankungen oder die Körperdysmorphe Störung. Darüber hinaus können verschiedene neurologische Erkrankungen sowie einige Medikamente zum Auftreten von Zwangssymptomen führen.

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Zwangsstörungen: Ursachen und Störungsmodelle

In Bezug auf die möglichen Ursachen der Zwangsstörungen wurden verschiedene Erklärungsmodelle entwickelt. Neben psychoanalytischen bzw. und tiefenpsychologischen Theorien wurden  Kognitive und behaviorale Modelle entwickelt, wie z.B. die Zwei-Faktoren-Theorie nach Mowrer und das Kognitive Modell nach Paul Salkovskis. Darüber hinaus werden verschiedene neurobiologische Faktoren als mögliche Ursachen für das Auftreten einer Zwangsstörung diskutiert.

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Zwangsstörungen: Therapie

Für die Therapie der Zwangsstörungen gibt es unterschiedliche Therapiemöglichkeiten wie z.B. die Kognitiv-behaviorale Therapie oder die medikamentöse Behandlung. Die Betroffenen profitieren zumeist dann am besten, wenn eine auf ihre persönliche Situation ausgerichtete Kombination der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten angewandt wird.

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Zwangsstörungen: Kognitive Verhaltenstherapie

Die Kognitiv-behaviorale Therapie („Kognitive Verhaltenstherapie“) hat sich als ein wichtiges Element in der Behandlung der Zwangsstörungen erwiesen. Neben Psychoedukation, Zwangsprotokollen, Funktionsanalyse, kognitivem Umstrukturieren  etc. hat sich insbesondere die Expositionstherapie als wirksam bewiesen.

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Zwangsstörungen: Pharmakotherapie

In der medikamentösen Behandlung der Zwangsstörungen werden insbesondere die Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie z.B Fluoxetin, Fluvoxamin, Escitalopram und Paroxetin eingesetzt.

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Zum Weiterlesen...

 

“Arbeitsbuch Zwangsstörungen”
 

Arbeitsbuch Zwangsstörungen

Das “Arbeitsbuch Zwangsstörungen” von Bruce M. Hyman und Cherry Pedrick ist eine sehr gelungene Kombination aus einem einerseits sehr informativen und umfangreichen Buch, in dem die Hintergründe der Zwänge, Zwangshandlungen, Zwangsgedanken sowie die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten ausführlich beschrieben werden, und einem wirklichen “Arbeitsbuch”, anhand dem sich die Betroffenen alleine oder mit Unterstützung durch ihre Therapeuten Wege aus der Zwangserkrankung selbst erarbeiten können.
 

Weiterlesen: “Arbeitsbuch Zwangsstörungen” - Buchrezension

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Literatur

Zwangsstörungen: Fachbücher
 

American Psychiatric Association (2013). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5). Arlington: American Psychiatric Publishing.
Dieses Buch bei Amazon.de >>

 

Zwangsstörungen: Leitlinien
 

DGPPN (2013): S3-Leitlinie Zwangsstörungen.
Full text (pdf) >>

 

Zwangsstörungen: Reviews
 

Abramowitz JS, Taylor S, McKay D (2009). Obsessive-compulsive disorder. Lancet 374(9688): 491-99.
Abstract >>

 

Zwangsstörungen  Obsessive-Compulsive Disorder  Obsessive-Compulsive Disorder  Trastorno Obsesivo-Compulsivo

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Letzte Aktualisierung: Freitag, 25. März 2016
 

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