Klinische Psychologie
und Psychotherapie

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Zwangsstörungen: Pharmakotherapie

Falls die Betroffenen unter sehr schweren Zwängen leiden und/oder neben den Zwängen auch ausgeprägte Depressive Störungen haben und/oder vorrangig Zwangsgedanken bestehen, kann es sinnvoll sein, neben der Verhaltenstherapie auch Medikamente einzusetzen.
 

Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI/NSMRI)

Mittel der Wahl sind die sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Hierbei kommen insbesondere die Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) zum Einsatz. In Deutschland sind u.a. die SSRI Fluoxetin, Fluvoxamin, Escitalopram und Paroxetin zur medikamentösen Behandlung der Zwangsstörung zugelassen.

Dabei ist zu beachten, dass die Dosierung bei schweren Zwangserkrankungen häufig höher liegen muss als in der Depressionsbehandlung, z.B. Fluvoxamin ca. 300mg/d, Fluoxetin ca. 60mg /d.

Die Wirkung tritt erst nach ca. 6-12 Wochen ein. Dies ist ein wichtiger Fakt, über den die Betroffenen informiert werden müssen, um vorzeitige Therapieabbrüche wegen angenommener „Wirkungslosigkeit“ zu verhindern.

Alternativ kann z.B. auch der nicht-selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Clomipramin eingesetzt werden, beginnend mit ca. 50-75mg/d (abends) und ggf. Steigerung auf ca. 100-150mg/d.
 

Neuroleptika

Bei wahnhaft anmutenden überwertigen Ideen kann die Gabe eines Neuroleptikums hilfreich sein.
 

Ergänzende Psychotherapie

Ergänzend zur Behandlung mit Medikamenten ist die Durchführung einer regelmäßigen psychotherapeutischen Behandlung wichtig, denn bei einer reinen Medikamententherapie besteht – auch bei zunächst gutem Erfolg – eine Rückfallrate von ca. 70–80%. Durch die begleitende Psychotherapie besteht demgegenüber eine wesentlich höhere Aussicht auf eine dauerhafte Besserung der Zwangssymptomatik.
 

Off-Label-Medikation

Falls die Kombination aus Psychotherapie und den oben genannten medikamentösen Behandlungsversuchen nicht ausreichend wirksam ist, werden verschiedene Alternativen wie z.B. die Umstellung auf einen anderen SSRI, die Umstellung auf Venlafaxin, die Add-On-Therapie mit Lithium, Risperidon, Quetiapin oder Buspiron zusätzlich zu einem SSRI sowie die repetitive Transkranielle Magnetstimulation (rTMS) empfohlen. Zu diesen Behandlungsmethoden gibt es bisher jedoch erst wenige aussagekräftige Studien.

 

Für weitere Informationen zu den oben beschriebenen Medikamenten beachten Sie bitte unbedingt die aktuellen Informationen der Hersteller sowie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!
Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der oben aufgeführten Informationen kann keine Haftung übernommen werden.

Bitte beachten Sie auch unsere Rechtlichen Hinweise sowie die
Hinweise zum Umgang mit medizinischen Informationen!

© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com

 

Zum Weiterlesen...

 

“Psychopharmaka: Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige”
 

Psychopharmaka

Gerd Laux und Otto Dietmaier bieten mit Psychopharmaka: Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige eine ausführliche Darstellung der medikamentösen Behandlung von seelischen Erkrankungen, die speziell für Betroffene und Angehörige geschrieben wurde. Das Buch erklärt unter anderem die Hintergründe der medikamentösen Behandlung der seelischen Erkrankungen sowie die Wirkmechanismen, Wirkung und Nebenwirkungen der am häufigsten eoingesetzten Medikamente.
 

Weiterlesen: ”Psychopharmaka: Ein Ratgeber...” - Buchrezension

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Literatur

Zwangsstörungen: Fachbücher
 

American Psychiatric Association (2013). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5). Arlington: American Psychiatric Publishing.
Dieses Buch bei Amazon.de >>

 

Pharmakotherapie: Fachbücher
 

Benkert O, Hippius H, Gründer G, Heiser P, Hiemke C et al. (2012): Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie. 9. Auflage. Berlin, Heidelberg: Springer.
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Gründer G, Benkert O (2012): Handbuch der Psychopharmakotherapie. 2. Auflage. Berlin, Heidleberg: Springer.
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Riederer P, Laux G (2010): Grundlagen der Neuro-Psychopharmakologie. Berlin, Heidelberg: Springer.
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Zwangsstörungen: Leitlinien
 

DGPPN (2013): S3-Leitlinie Zwangsstörungen.
Full text (pdf) >>

 

Zwangsstörungen: Pharmakotherapie

Ordacgi L, Mendlowicz MV, Fontenelle LF (2009). Management of obsessive-compulsive disorder with fluvoxamine extended release. Neuropsychiatr Dis Treat 5: 301-308.
Full text >>

Riddle MA, Reeve EA, Yaryura-Tobias JA, Yang HM, Claghorn JL et al. (2001). Fluvoxamine for children and adolescents with obsessive-compulsive disorder: a randomized, controlled, multicenter trial. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry 40(2): 222-229.
Abstract >>

Tollefson GD, Rampey AH, Potvin JH, Jenike MA, Rush AJ et al. (1994). A Multicenter Investigation of Fixed-Dose Fluoxetine in the Treatment of Obsessive-compulsive Disorder. Arch Gen Psychiatry 51(7): 559-567.
Abstract >>

 


© Dr. Sandra Elze & Dr. Michael Elze
Prien am Chiemsee / Rosenheim, www.Dr-Elze.com
 

 




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Letzte Aktualisierung: Montag, 6. Juli 2015
 

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